Wenn's von oben tropft, sollte rasch reagiert werden.

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Es hätte alles so schön sein können. Die Wohnung war weihnachtlich dekoriert, der Baum geschmückt, der Tisch gedeckt. Die Eltern und Großeltern waren unterwegs. Doch beim letzten prüfenden Blick durch den Raum folgte die unliebsame Entdeckung: An der Wohnzimmerdecke war plötzlich ein riesiger Wasserfleck.

Und schon war der Weihnachtsfriede beim Teufel. Gefühlt gibt es solche Probleme immer genau dann, wenn weder Hausverwaltung noch Vermieter erreichbar sind. Vorzugsweise am Wochenende oder zu Weihnachten. Was tun? "Auf jeden Fall den Vermieter verständigen", sagt der Jurist Wolfgang Kirnbauer vom Mieterschutzverband – am besten nachweislich, also per Brief oder Mail. Mieter haben eine Schadensminderungspflicht, auch dann, wenn einen der Wasserfleck persönlich nicht stört. Denn der Fleck könnte ein Indiz für einen substanziellen Mangel am Haus sein.

Achtung, Schimmel

Der Ursache sollte man auch deshalb so schnell wie möglich auf den Grund gehen, weil sich an feuchten Stellen rasch Schimmel bildet. Manche Mieterinnen und Mieter würden mit der Entfernung des Schimmels, der oft schnell und in bunten Farben wächst, warten, bis eine offizielle Besichtigung mit dem Vermieter oder der Vermieterin stattgefunden hat. Kirnbauer rät aber dazu, stattdessen Fotos vom Schaden zu machen – und sich dann selbst und unter Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen schnell um das Entfernen des Schimmels zu kümmern.

Der Sachverständige Andreas Perissutti macht sich von Berufs wegen auf die Suche nach der Ursache für Wasserflecken. Ein Klassiker im Winter sei geschmolzener Schnee, der immer wieder taut und vereist und irgendwann ins Dach eindringt. Blechdächer seien entgegen weitverbreiteter Meinung nämlich nicht wasserdicht, weil sie an den Fälzen Wasser unter die Dachhaut ziehen. Zudem würden die Dächer oft nicht gewartet und hätten Risse.

Eine weitere mögliche Ursache ist ein Leitungsbruch, etwa durch Frostschaden. Auch durch sonstige Schäden an Leitungen tropft Wasser aus, oft in den Fußbodenaufbau oder in Gipskartonwände. Als Erstes bemerken das Problem dann oft die Nachbarn von drunter.

72 Stunden

Um das Schlimmste zu verhindern, sollte der Hauptwasserhahn abgedreht werden, wenn man 72 Stunden nicht zu Hause ist, betont Perissutti. Sonst steigt die Versicherung bei etwaigen Wasserschäden unter Umständen aus.

Ein absolutes Worst-Case-Szenario ist dem Sachverständigen einmal in einem Ferienhaus im Südburgenland untergekommen. Dort fror bei minus zwölf Grad die Wasserleitung in der Außenwand mitsamt den Duscharmaturen auf. Leider stand die Tür der Duschkabine offen, "da hat es tagelang in den Raum rausgespritzt. Als die Besitzer wiederkamen, war das Haus durchflutet, das Wasser ist aus dem Zählerkasten im Erdgeschoß rausgeronnen, und im Keller ist ein halber Meter Wasser gestanden." Da der Hauptwasserhahn nicht abgedreht worden war, winkte die Versicherung ab.

Ganz so dramatisch ist die Lage in den meisten Fällen aber nicht. Wenn dem Nachbarn von drüber einmalig Wasser in der Wohnung ausgeronnen ist, dann ist es laut Kirnbauer auch vertretbar, den Wasserfleck selbst zu übermalen. Für die Beseitigung rein ästhetischer Mängel – also unschöner Wasserflecken – ist der Vermieter in der Regel auch nicht zuständig.

Im Zweifel sollte allerdings immer der Kontakt mit dem Vermieter oder der Vermieterin gesucht werden. Auch deshalb, weil viele Mietverträge heute nur noch befristet vergeben werden. Bei den Wohnungsrückstellungen komme es dann regelmäßig zu Streitereien, sagt Kirnbauer: "Schon allein aus diesem Grund ist es zweckmäßig, zu dokumentieren, dass man nicht selbst an den Flecken schuld ist." (Franziska Zoidl, 4.1.2022)