Wird bald eine Gen-Z-Rockband erstehen, die bisher Ungehörtes aus so einer E-Gitarre herausholt?

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Ich war doch einigermaßen überrascht, als im Sommer das zweiten Billie-Eilish-Album rauskam und der Titeltrack, Happier Than Ever, in der Mitte eine unerwartete Wendung nimmt. Zuerst haucht Eilish über ein paar zarte Akustikgitarren-Akkorde, dann ändert sich plötzlich die Stimmung, der Song biegt in Richtung Stadion-Rock-Hymne ab – mit E-Gitarre-Shredding, Schlagzeug und allem.

Ab 2:30 wird gerockt.
BillieEilishVEVO

Warum war ich darüber verwundert? Einfach weil man so was von einem jungen Mainstream-Popstar, wie Eilish einer ist, lange nicht gehört hatte.

2010 bis 2020 war im Mainstream weitestgehend rocklos

Die Generation Z (Geburtsjahrgänge ab 2000) ist nämlich nicht wirklich mit Rockmusik sozialisiert worden. Wer im Alter von zehn bis 20 Jahren, also 2010 bis 2020, Charts gehört hat, ist nicht sonderlich häufig über eine E-Gitarre gestolpert. Ja, es gab einzelne Erfolgsnummern wie Hoziers Take Me to Church oder auch Bands wie die Arctic Monkeys, die 2013 mit AM noch ein recht brauchbares Album vorlegten, ihren Höhepunkt jedoch auch schon überschritten hatten. Aber im Grunde genommen lehnte sich Mainstream-Pop in diesem Jahrzehnt stärken an Hip-Hop als an Rock an.

Weil die Gen Z also nicht wirklich damit aufgewachsen ist, verwundert es auch nicht, dass sie selbst noch keine mainstream- und stadientaugliche Rockband hervorgebracht hat. Aber was nicht ist, könnte bald werden; es gibt erste Anzeichen dafür.

Die E-Gitarre hielt nicht nur am Album der Trendsetterin Eilish Einzug, auch die deutlich weniger experimentelle Olivia Rodrigo erinnert auf ihrem aktuellen Album Sour instrumentierungstechnisch an Bands wie Green Day (American Idiot kam im Jahr, nachdem sie geboren wurde, heraus).

Brutalität wird wohl mit Gitarren vermittelt, dachte sich Olivia Rodrigo.
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Und dann gibt es auch noch so was wie – die zumindest in Europa ein bisschen relevanten – Måneskin (alle circa Jahrgang 2000), die sich erschreckend erfolgreich als Glamrockband verkleiden, während die Einfallslosigkeit ihrer Musik ihresgleichen sucht.

In Moment wird vor allem – manchmal ironisch, manchmal ehrerbietig – mit Versatzstücken gearbeitet; Originalität und Eigenständigkeit sucht man im Mainstream noch vergebens.

Aber wer weiß – vielleicht wird bald eine Gen-Z-Rockband erstehen, die bisher Ungehörtes aus so einer E-Gitarre herausholt. (Amira Ben Saoud, 15.12.2021)