Mit der Landesgalerie in Krems abflugbereit: die einstige Stewardess und erfahrene Museumsmanagerin Gerda Ridler.

Alexandra Bruchböck

Außen aufgrund der schiefen Wände spektakulär, innen eine "Herausforderung": Die Landesgalerie NÖ in Krems vom Architektenbüro Marte Marte.

Foto: Marte.Marte

Gastfreundschaft" ist ein Schlagwort, das Gerda Ridler gerne für sich reklamiert. Geht es nach der 58-Jährigen, soll der Servicecharakter bei der Landesgalerie Niederösterreich in Krems, die sie mit Jänner 2022 vom Gründungsdirektor Christian Bauer übernimmt, ganz oben stehen.

Und das kommt nicht von irgendwo: Im oberösterreichischen Mühlviertel geboren, wuchs Gerda Ridler mit dem elterlichen "gutbürgerlichen Gasthaus" auf, wie sie im STANDARD-Gespräch sagt. "Es war ein der Kunst fern stehender Haushalt, aber wie man mit Gästen umgeht, konnte ich für später mitnehmen." Zunächst nicht fürs Museum, sondern als Flugbegleiterin. Fünf Jahre flog sie in Diensten der deutschen Lufthansa, lernte dadurch Museen in aller Welt kennen.

Am Ende ihrer ersten Karriere arbeitete Ridler noch ein Jahr am Boden für Lauda Air – der tragische Absturz einer Maschine im Jahr 1991 wurde schließlich auch für sie zur Zäsur. Sie begann, Kunstgeschichte zu studieren, schloss schnell ab und wurde bald Kuratorin im heutigen Lentos in Linz. Im Wiener Belvedere war sie fürs Veranstaltungsmanagement zuständig (1998–1999), beim Steirischen Herbst leitete sie die Kulturvermittlung (2000–2004), es folgten Stationen in Stuttgart, als Gründungsdirektorin leitete sie das dortige private Museum Ritter. Auch für das Privatmuseum Angerlehner in Wels war sie tätig, ehe sie zurück in den öffentlichen Bereich wechselte: von 2013 bis 2018 als Leiterin des Oberösterreichischen Landesmuseums.

Keine "Jobhopperin"

Als "Jobhopping" empfindet Ridler die vielen Stationen nicht, sie liebe einfach neue Herausforderungen. Und mit ihrem Ehemann, derzeit technischer Leiter bei den Salzburger Festspielen, habe sie so manchen Ortswechsel gerne mitgemacht. In Salzburg bleibt sie diesmal zwar ansässig, die Dienstwohnung in Krems ist aber bereits bezogen. Was schwebt ihr vor für den 2019 eröffneten 35-Millionen-Euro-Neubau in der Wachau?

"Es soll zum wichtigsten Kunstzentrum in Österreich außerhalb Wiens werden", sagt Ridler. Die Vorstellung der NÖ-Landespolitik, jährlich 70.000 Besuchende anzulocken, mehr als etwa das Lentos anzieht, sei ambitioniert, aber von Niki Lauda habe Ridler gelernt, "dass man Ziele nie hoch genug stecken kann". Der Vorteil, den Krems gegenüber anderen Museen im ländlichen Raum habe, sei der, dass man nicht nur eine, sondern viele Kultureinrichtungen in der Kunstmeile hat. Und die klare Aufteilung, dass sich die Landesgalerie überwiegend auf österreichische Kunst und Themenausstellungen konzentriert, während die unterirdisch verbundene Kunsthalle auf internationale Gegenwartskunst setzt, solle breit gefächertes Publikum wie auch Spezialisten nach Krems locken.

Weniger privat, mehr Land

Den von der Landespolitik gewünschten Strategiewechsel, nicht mehr wie ursprünglich auch Spielwiese für Privatsammlungen sein zu wollen, sondern stärker auf die rund 90.000 Werke umfassende Landessammlung zu setzen, trägt Ridler voll mit. Und das, obwohl sie gerade als Expertin für Privatsammlungen gilt und dazu promoviert hat.

Privates Engagement sei "gut und wichtig", sagt sie, aber in der Landesgalerie müsse die öffentliche Sammlung im Vordergrund stehen, "vieles davon, vor allem Kunst ab 1960, wurde noch nie gezeigt". Und das will sie rasch ändern: Am 21. Mai öffnet genau dazu eine über drei Stockwerke gehende Überblicksschau.

Bei Einzelausstellungen will Ridler vor allem auf Künstlerinnen und Künstler setzen, die zwar in der NÖ-Landessammlung vertreten, aber im etablierten Kunstkanon bislang nicht gebührend zur Geltung gekommen sind. "Es soll um Entdeckungen gehen", sagt die Museumschefin. 2024 will sie etwa in Kooperation mit anderen Museen das Werk der 2020 verstorbenen Fotografin Elfriede Mejchar erstmals umfassend aufarbeiten.

Den Boden bereiten will Ridler vor allem für Austausch: Sowohl beim Publikum solle sich eine Community rund um das Museum bilden, aber auch die Kunstschaffenden sollen es als "ihr Zuhause" betrachten, ein jährliches Sommerfest und viele andere partizipative Veranstaltungen seien geplant.

Einzig mit der Architektur des Museums ist Gerda Ridler nicht unumschränkt glücklich: Es sei zwar außen ein großartiger Bau, die schiefen Wände im Inneren seien für die Bilderhängung aber "eine Herausforderung", wie sie es diplomatisch ausdrückt. Das notwendige Stellwändesystem soll daher adaptiert, aufgelockert, luftiger gestaltet werden. Schon im Mai will man dann mit dem neuen Konzept so richtig abheben.

(Stefan Weiss, 15.12.2021)