Der Fed-Sitz in Washington, D.C.

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Washington – Angesichts hoher Inflation und soliden Wirtschaftswachstums beschleunigt die US-Notenbank den Ausstieg aus ihren enormen Hilfsprogrammen zur Bewältigung der Corona-Krise. Die Federal Reserve kündigte am Mittwoch eine weitere Reduzierung ihrer konjunkturstützenden Wertpapierkäufe an. Im November waren noch Papiere im Wert von 105 Milliarden Dollar (93 Milliarden Euro) angekauft worden. Im Dezember soll das Niveau um 30 Milliarden Dollar reduziert werden.

Im Jänner sollen es nur noch 60 Milliarden Dollar sein. Damit könnte das Programm bereits im Frühjahr auslaufen. Mit den Wertpapierkäufen pumpt die Fed zusätzliches Geld in die Finanzmärkte, um die Kreditzinsen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Vom Beginn der Corona-Krise bis zum Oktober hatte die Fed monatlich Papiere im Wert von 120 Milliarden Dollar gekauft.

Am Leitzins, der in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent liegt, ändert sich aber vorerst nichts, wie die Fed mitteilte. Die geldpolitischen Entscheidungen waren an den Finanzmärkten weitgehend so erwartet worden.

Der sukzessive Ausstieg aus den Anleihekäufen gilt als Vorstufe für mögliche Erhöhungen des Leitzinses. Wie aus dem Ausblick der Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell hervorgeht, halten sie drei Zinsschritte nach oben im kommenden Jahr für angebracht. Ende 2022 würde das Zinsniveau dann bei 0,9 Prozent liegen. 2023 könnte der Leitzins dann auf 1,6 und 2024 auf 2,1 Prozent steigen. Einstweilen beließen die Währungshüter den Leitzins aber in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Die US-Börsen haben nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank leicht ins die Gewinnzone gedreht.

Wachstumsprognose erneut gesenkt

Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr hat die Fed indes nochmals gesenkt. Im September war die Zentralbank noch von einem Plus von 5,9 Prozent ausgegangen, nun erwartet sie ein Wachstum von 5,5 Prozent. Im Juni hatte die Notenbank für die weltgrößte Volkswirtschaft noch mit einem Wachstum von sieben Prozent gerechnet.

Für 2022 rechnet die Notenbank nun mit einem Wachstum von vier Prozent. Die Zentralbank korrigierte zudem ihre Inflationserwartung erneut nach oben. Für 2022 rechnet die Fed nun mit einer Teuerungsrate für die Verbraucher von 5,3 Prozent. Im September war sie noch von 4,2 Prozent ausgegangen. Für 2022 rechnet die Fed mit einer Inflationsrate von 2,6 Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als noch in der September-Prognose. Mittelfristig strebt die Zentralbank eine durchschnittliche Inflationsrate von rund 2 Prozent an.

Die Prognose für die Arbeitslosenquote zum Jahresende senkten die Notenbanker von zuletzt 4,8 Prozent auf nunmehr 4,3 Prozent, was die anhaltende Erholung am Arbeitsmarkt reflektiert. Viele Firmen klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hatte die Quote fast 15 Prozent erreicht. Vor der Pandemie lag die Arbeitslosenquote noch bei 3,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. (APA, Reuters, red, 15.12.2021)