Katharina Liensberger, die bei der Ski-WM im Februar zweimal auf Gold und einmal auf Bronze biss, stand medial dennoch im Schatten des doppelten Weltmeisters Vincent Kriechmayr.

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Das Bundeskanzleramt kann neuerdings bekanntlich auch ganz andere Seiten aufziehen, Sportseiten beispielsweise. So hat sich dort am Donnerstag bei der Präsentation einer Studie eine sehr interessante Diskussion entwickelt. "Gender-Balance in der Sportberichterstattung?", so lautet der Titel der Studie. "Fehlende Gender-Balance in der Sportberichterstattung" titelte fast schon antwortend die Presseaussendung von Sportminister Werner Kogler (Grüne) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP), die mitdiskutierten.

Frauen klar "unterrepräsentiert"

"Die Gleichstellung von Männern und Frauen", sagte Raab, "ist in Österreich ein gesamtgesellschaftliches Ziel." Wo es nur möglich sei, müsse man "Frauen, die Unglaubliches leisten, vor den Vorhang holen". In der Sportberichterstattung gebe es da quasi Luft nach oben, da seien Frauen klar "unterrepräsentiert". Außerdem gehe es nicht nur darum, wie viel, sondern auch darum, wie über Sportlerinnen berichtet werde. Stichwort Sexualisierung, Stichwort Trivialisierung.

Daran knüpfte die Studienautorin Maria Pernegger (Media Affairs) gleich an. "Von Parität sind wir sehr weit weg." Pernegger hatte im Zeitraum von Anfang August 2019 bis Ende August 2020 jeweils sechs Monate lang untersucht, wie in sechs Tageszeitungen (Kronen Zeitung, Kleine Zeitung, Kurier, STANDARD, Oberösterreichische Nachrichten, Tiroler Tageszeitung ), in ausgewählten ORF-Sendungen (Sport aktuell, Sport am Sonntag) sowie auf "relevanten Social-Media-Kanälen" berichtet wurde. Conclusio: "Gute Leistungen von Frauen reichen oft nicht aus."

Sexualisiert, trivialisiert

Sportlerinnen werden achtmal öfter sexualisiert und 13-mal öfter trivialisiert dargestellt als Sportler. Trivialisiert meint nicht zuletzt Ausdrücke wie "das Küken" oder "die Madln". Die Sportart Fußball ist laut Pernegger als reiner Männersport abgespeichert, und selbst im alpinen Skirennsport sei Parität nicht gegeben. Pernegger: "Doppelweltmeisterin Katharina Liensberger bekam um fast 47 Prozent weniger Berichterstattung als Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr."

Nun steht Liensberger vergleichsweise noch gut da. Frauen in Randsportarten leiden noch mehr unter der männlich dominierten Berichterstattung. Stellvertretend für sie saß Manuela Mandl, Snowboard-Weltmeisterin im Freeriden, auf dem Podium und sagte: "Wenn die Sichtbarkeit fehlt, bleibt man für Sponsoren unattraktiv." Sichtbarkeit sei "die Währung des Sports".

Frauen in Redaktionen

Hans Peter Trost, Sportchef des ORF, wies als Diskutant darauf hin, dass auf ORF Sport plus viele Frauensportevents live zu sehen sind. Er hätte sich eine breitere Untersuchung gewünscht. Unterstreichen würde er, dass sich ein größerer Frauenanteil in Redaktionen positiv auf die Präsenz von Sportlerinnen auswirkt. Laut Pernegger geht es bei Sportjournalistinnen in einem von drei Berichten um Frauensport, bei Sportjournalisten hingegen nur in einem von zehn Berichten.

Sportminister Kogler hat Verständnis dafür, dass Medien "natürlich auf das Interesse reflektieren". Impulse können von vielen Seiten kommen, aus der Wirtschaft, von den Medien, aus der Politik. "Und Erfolge sind logischerweise eine Voraussetzung", spielte Kogler auf den dritten EM-Platz der Fußballerinnen 2017 an, der großes Interesse hervorgerufen hatte. Kogler verweist auf diverse Förderschienen, die schon gelegt sind, und will bald das "Projekt Dream Teams" mit 1,5 Millionen Euro an Förderung speziell für Frauenligen präsentieren. Zur Erinnerung: Von sieben Olympiamedaillen heuer gingen vier auf das Konto von Frauen. "Es gibt viele Sportarten", sagt die Snowboarderin Manuela Mandl, "in denen Österreicherinnen Weltklasse sind." (Fritz Neumann, 17.12.2021)