Vorausschauende Schluckspechte sollten daher schon jetzt nachdenken, welche Jobs man gut im Rausch absolvieren kann und den Wechsel zu einem entsprechenden Arbeitsplatz erwägen.

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Man kann über das Coronavirus maulen, was man will, aber es gibt doch immer wieder Leute, die von dieser Nanosau profitieren: Hersteller von Entwurmungsmitteln, Stammtischvirologinnen, Maskenproduzenten und natürlich alle Bsüffinnen und Bsuff, die sich bei der Arbeit gerne ein paar Drinks in die Figur stellen.

Im Homeoffice tut man sich um vieles leichter. Selbst wenn man am Morgen den vierten doppelten Whisky intus und die korrespondierende Fahne gehisst hat, ist man bei der Zoom-Morgenkonferenz dem Chef gegenüber auf der sicheren Seite. Man muss sich halt ein wenig im Zaum haben und nicht gerade in die Laptopkamera rülpsen oder reihern. Denn das Netzwerk, das einen fetten Foetor aethylicus ex ore überträgt, ward noch nicht erfunden. Zum Glück!

Vorausschauende Schluckspechte

Zur uneingeschränkten Freude über den erweiterten Alkoholisierungsspielraum besteht aber kein Grund. Schließlich existiert weiterhin die Möglichkeit, dass sich Omikron und Konsorten irgendwann ausmutieren und die Arbeitsfron erneut vor Ort erbracht werden muss. Vorausschauende Schluckspechte sollten daher schon jetzt nachdenken, welche Jobs man gut im Rausch absolvieren kann und den Wechsel zu einem entsprechenden Arbeitsplatz erwägen. Damit man sich die lästige Ab- oder Umgewöhnerei erspart!

Weniger empfehlenswert sind Berufe, die viel fingerfertiges Herumgepitzel erfordern wie zum Beispiel Feinmechaniker, Haftelmacherin oder Hirnchirurg. Ebenso wenig passt eine übertriebene Nonchalance in Sachen Alkohol ins berufliche Anforderungsprofil von Gastroenterologen oder Hepatologen. ("Ich habe gerade eine Mordstrumm Fettleber bei Ihnen diagnostiziert. Darauf trinken wir beide jetzt erst einmal einen ordentlichen Negroni.")

Gut geeignet hingegen: Bierbrauer, Schnapsbrenner, künstlerische Berufe aller Art sowie Posten im diplomatischen Dienst. Irgendwas mit Medien? Selbstverständlich. Im TV werden Moderatoren mit einer schweren Zunge vom Publikum als angenehmer Kontrast zu öffentlich-rechtlicher Verbissenheit wahrgenommen. Bei den Printmedien ist es noch unkomplizierter. Eine Kolumne wie diese schreibt sich im Suff praktisch wie von selbst. Wenn dann der Korrektor noch halbwegs nüchtern ist und die ärgsten Böcke ausmerzt, ist die Sache so gut wie geritzt. (Christoph Winder, 18.12.2021)