Die Geschäfte sind offen: Aber shoppen dürfen nur Geimpfte oder Genesene.

Foto: APA

Weihnachten werde heuer für Ungeimpfte "ungemütlich", ließ der damalige Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) noch vor wenigen Wochen wissen. Seither befanden sich erst alle, dann nur noch jene, die weder genesen noch geimpft sind, im Lockdown. Dieser gilt vorerst bis 21. Dezember, dann wird der Hauptausschuss des Nationalrats die Ausgangsbeschränkungen für weitere zehn Tage verlängern.

Auch wenn der Lockdown für Ungeimpfte weiterhin bestehen bleibt, Weihnachten ist dann doch als Fest der Liebe bekannt – und da soll man unabhängig von seinem Immunstatus seine Liebsten treffen können. Die Bundesregierung hat sich daher auf Ausnahmen für die anstehenden Feiertage geeinigt. "Die Maßnahmen bleiben im Wesentlichen unverändert", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Freitag.

Die 2G-Regelung bleibe im Wesentlichen bestehen, der Lockdown werde verlängert, betonte Mückstein. Für die Tage von 24. bis 26. Dezember sowie zu Silvester werde es aber für die Ungeimpften einen weiteren Ausnahmegrund geben, um die eigenen vier Wände zu verlassen: Das ist der Besuch von nahestehenden Personen. An einer Familienfeier mit Ungeimpften dürfen allerdings maximal zehn Personen aus zehn Haushalten teilnehmen. Für größere Runden von elf bis 25 Personen gilt die 2G-Regel.

Zu Silvester wird zudem die Covid-Sperrstunde aufgehoben. Es gelten die Sperrstunden der einzelnen Bundesländer – die Gastronomie darf allerdings nur von Personen, die geimpft oder genesen sind, besucht werden. "Wir haben in Österreich noch eine Lage, die kleine Zusammenkünfte möglich macht", sagte Mückstein. Und: "Ich bitte Sie, sich vor den Feiertagen, vor den Familienfesten testen zu lassen." Zusätzlich sollten alle die Möglichkeit nutzen, sich die Booster-Impfung zu holen – um nicht nur den Verwandten, sondern allen ein Weihnachtsgeschenk zu machen, so der Gesundheitsminister.

"Die ersten drei Adventwochen waren sicher nicht so, wie wir es uns gewünscht haben", sagte Mückstein. Es sei eine Zeit gewesen, "die sicher keine weihnachtlichen Gefühle aufgebracht hat". Keiner denke an "Weihnachtspartys", wenn im Spital Menschen an Corona sterben und das Gesundheitspersonal an seine Grenzen stößt. Die Zeit des Lockdowns habe aber Luft verschafft – eine "Atempause", die es ermöglichen soll, Weihnachten im Kreis der Familie zu feiern, sagte Familienministerin Susanne Raab (ÖVP). Gleichzeitig sehe man es als Aufgabe, "auf die Entwicklungen, die kommen, hinzuweisen", zeigte sich Raab über die Ausbreitung der Omikron-Variante besorgt. Derzeit gibt es laut Bundesregierung 75 Omikron-Fälle in Österreich sowie weitere Verdachtsfälle an zwei Schulen.

Ausweitung der PCR-Schultests ab 2022

Die "Adventzeit neigt sich dem Ende zu", sagte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) wenig später bei einer Pressekonferenz. Zu Weihnachten werden Schulkinder mit ihren Familien zusammen sein, dabei sollen sie "möglichst sichere Feiertage" haben. "Wir müssen alles daransetzen, dass wir das Infektionsgeschehen auch in den Schulen im Griff haben", sagte der Minister. Nur durch regelmäßiges Testen könne man in den Schulen Infektionen früh erkennen.

Derzeit wird dreimal pro Woche in der Schule getestet – davon mindestens einmal mittels PCR-Test. Doch: "Die Omikron-Variante hat uns vor neue Herausforderungen gestellt", betonte Polaschek. Ab 17. Jänner soll darum die Zahl der PCR-Tests in allen Schulen Österreichs auf zwei pro Woche erhöht werden. Damit wolle man einen "wichtigen Beitrag" leisten, um "die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen".

Über die Weihnachtsfeiertage erhalten alle Schülerinnen und Schüler zudem drei Antigen-Test für zu Hause. Einer davon soll am 9. Jänner verwendet werden, um so möglichst sicher am 10. Jänner den Schulbetrieb wiederaufnehmen zu können. Polaschek will alles daransetzen, die Schulen geöffnet zu halten. Die Schule soll dann wieder mit einer Sicherheitsphase starten.

Holiday-Ninja-Pass

Bis dahin geht der "Ninja-Pass in die Ferien" und wandert ins Ressort von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Die Regeln für den "Holiday-Ninja-Pass" werden für alle Kinder gelten. Dadurch sollen ungeimpfte schulpflichtige Kinder und Jugendliche einen 2G-Nachweis erhalten und den Geimpften gleichgestellt werden. Auch den Zwölf- bis 15-Jährigen aus dem Ausland werde so ermöglicht, einen sicheren Urlaub in Österreich zu haben. "Wir haben die Regeln aus dem Schulwesen übernommen", sagte Köstinger.

Alle Gäste, auch Kinder, müssen einen gültigen PCR-Test für die Einreise nach Österreich vorweisen. Für Kinder gelte dieser bereits für den Ninja-Pass.

Düstere Prognose

Mit den Lockdowns sind auch die Infektionszahlen stark gesunken. Am Donnerstag wurden 3.046 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner sank auf 278,7. Auch bei den Hospitalisierungen gab es einen Rückgang. Im Krankenhaus liegen aktuell 2.113 Personen mit einer Covid-Infektion, davon werden 534 auf Intensivstationen betreut. Es starben aber erneut 53 Menschen mit oder an Corona.

Das Prognosekonsortium des Gesundheitsministerium gibt noch keine Entwarnung. Zwar werde die vierte Welle auch in den kommenden Tagen weiter abflachen. Danach geht es laut den Berechnungen der Expertinnen und Experten aufgrund der neuen Omikron-Variante jedoch wieder steil bergauf. Die aktuelle Entwicklung sei lediglich die "Ruhe vor dem Sturm", hieß es in der aktuellen Prognose.

Man rechne mit einer "starken Verbreitung" der neuen Variante. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" werde der bisherige Höchststand der vierten Welle bei den Neuinfektionen "deutlich übertroffen". In einem pessimistischen Szenario dürfte der bisherige Höhepunkt vom 19. November mit mehr als 15.800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden bereits Anfang Jänner 2022 überschritten werden.

Genereller Lockdown?

Gefragt nach dem Gerücht, ob – wie es in Regierungskreisen bereits heißt – aufgrund von Omikron Ende des Jahres bereits wieder ein genereller Lockdown kommt, wich Mückstein vorerst aus: "Wir beobachten die Lage sehr genau", sagte er. "Ich kann für Jänner gar nichts ausschließen, aber ich kann Ihnen versichern, dass wir die Lage sehr genau beobachten und darauf reagieren werden."(Oona Kroisleitner, 17.12.2021)