Wenn wir in ein, zwei oder drei Jahren zurückblicken werden: Was wird dann von Sebastian Kurz noch in Erinnerung sein? Sein unvergleichlicher politischer Aufstieg oder der politische Sumpf, den er hinterlassen hat? Zsolt Wilhelm vom STANDARD und Sandra Sperber vom SPIEGEL haben in einer sechsteiligen Serie des Podcasts "Inside Austria" Sebastian Kurz' steilen Weg zum zweifachen Bundeskanzler von Österreich und seinen tiefen Fall rekonstruiert. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen gingen sie zurück zu seinen politischen Anfängen und sprachen mit Menschen, die die Stärken und auch die dunklen Seiten von Kurz erlebt haben. In hunderten Stunden der Recherche ist eine Serie entstanden, die erklärt, wie der einstige Hoffnungsträger der europäischen Konservativen ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet und das System Kurz zusammenbrach. Alle Folgen hören Sie hier:

Teil 1 – Die Feuertaufe

Ein Nachwuchspolitiker namens Sebastian Kurz blamiert die junge Volkspartei mit einer umstrittenen Werbekampagne. Nur wenige Jahre später wird er Integrationsstaatssekretär – ohne einen Hauch von Ahnung von dem Thema zu haben. Klingt unglaublich? Das ist es auch. Wie so vieles in der Karriere des späteren jüngsten zweifachen Altkanzlers in der Geschichte Österreichs. Und um Kurz' beispiellosen Aufstieg an die Macht und seinen tiefen Fall zu verstehen, müssen wir zu den holprigen, rasanten Anfängen zurückkehren. Und das tun wir und sehen uns an, wie Kurz schon in frühen Jahren die Grundsteine für seine späteren Erfolge und Niederlagen legt.

Teil 2 – Der Populist

Sebastian Kurz erkennt früh, dass rechte Themen bei seinen Wählerinnen und Wählern ankommen. Und als er 2013 mit nur 27 Jahren zum Außenminister ernannt wird, geht es nicht mehr nur um Österreich, sondern um ganz Europa. Wir zeichnen nach, wie Kurz wieder einmal nach oben stolpert, wie er in seiner Rolle als Populist rechts der Mitte aufgeht und in Flüchtlingsfragen den Ton angibt. Und wir sehen uns an, wie er damals bereits sein nächstes Ziel, die Kanzlerschaft, ins Visier nimmt.

Teil 3 – Die Machtübernahme

2016 wird im Geheimen ein Plan geschmiedet: Mithilfe eines Netzwerks an loyalen Gefolgsleuten soll Sebastian Kurz zum Bundeskanzler gemacht werden. Für dieses "Projekt Ballhausplatz" muss aber zuerst die eigene Regierungskoalition gesprengt und dann die Volkspartei übernommen werden. Die dritte Folge schildert die skrupellose Machtübernahme der Kurz-Truppe. Die Mittel für diese Machtergreifung stehen heute im Visier der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Und sie sind ein Grund dafür, wieso Sebastian Kurz nicht mehr Kanzler ist.

Teil 4 – Die Krönung

2017 steht Kanzlerkandidat Sebastian Kurz vor der bisher größten Herausforderung in seiner politischen Karriere. Im Kampf ums Kanzleramt attackiert ihn von rechts die FPÖ, und ihr Obmann Heinz-Christian Strache ist nach einem Treffen auf Ibiza in einem regelrechten Machtrausch. Von links hat es Kurz mit einem angriffslustigen Amtsinhaber zu tun. SPÖ-Chef Christian Kern geht aufs Ganze und setzt auf einen externen Berater namens Silberstein. Flankiert von zwei starken Gegnern setzt die neue Volkspartei auf einen beispiellosen Wahlkampf. Das ganze Land wird türkis gefärbt. Und Kurz schreckt dabei vor keinem Trick zurück und überschreitet mutmaßlich sogar die Grenzen des Legalen.

Teil 5 – Die Staatsaffären

Sebastian Kurz ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Sein türkises System und die Rechtspopulisten der FPÖ haben ihn zum Bundeskanzler gemacht. Zusammen bauen sie den Staat nach ihren Regeln um. Und dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Doch die Fassade soll schon bald bröckeln: "Einzelfälle" stören die Message-Control, unqualifiziertes Personal durchkreuzt mutmaßlichen Postenschacher, und die Opposition wittert Gesetzesgeschenke für Großspender. Und nach nur eineinhalb Jahren Kanzlerschaft droht alles zusammenzubrechen.

Teil 6 – Der Untergang

Nach dem Ibiza-Skandal schafft es Sebastian Kurz' Volkspartei, sich am Ex-Regierungspartner FPÖ und an Heinz-Christian Strache abzuputzen. Doch während der neuen Koalition mit den Grünen rücken die türkisen Machenschaften immer stärker in den Fokus der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Schwere Korruptionsvorwürfe und mutmaßlicher Postenschacher drohen die beispiellose Karriere des konservativen Politwunderkindes zu zerstören. Jetzt wehrt sich Kurz mit allen Mitteln und bläst zum Angriff auf die Justiz. Eine letzte Offensive, die zum Scheitern verurteilt ist.

Epilog: Das Erbe von Sebastian Kurz

Nur zwei Monate nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler verkündet Sebastian Kurz am 2. Dezember 2021 das Ende seiner politischen Karriere. Der einstige Hoffnungsträger der europäischen Konservativen eroberte Österreich im Sturm – mit dem Versprechen der großen Erneuerung. Was von diesem Versprechen und dem türkisen neuen Stil bleibt und wie es nun für ihn weitergeht, darüber haben wir mit Petra Stuiber gesprochen. Sie ist stellvertretende Chefredakteurin beim STANDARD.

Das war unsere diesjährige Aufarbeitung der Causa Kurz. Die Geschichte ist damit aber nicht zu Ende – der Fall wird uns wohl auch nächstes Jahr noch öfter beschäftigen. "Inside Austria" ist am 15. Jänner 2022 wieder zurück. Wir wünschen bis dahin frohe und erholsame Feiertage. Bleiben Sie gesund!

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