Die US-Arzneimittelbehörde FDA entschied, dass Abtreibungspillen auch per Post versandt werden dürfen.

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Washington – Während der juristische Streit zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern in den USA brodelt, haben US-Gesundheitsbehörden den Zugang zu Abtreibungspillen permanent gelockert. Am Donnerstag veröffentlichte die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) einen entsprechenden Brief der US-Arzneimittelbehörde FDA. Demnach können die Pillen nach ärztlicher Verschreibung auch per Post versandt werden.

Mit der Maßnahme wird eine vorübergehende Änderung, die während der Covid-19-Pandemie eingeführt worden war, verstetigt. Die ACLU hatte zuvor geklagt, um den Zugang zu Abtreibungen permanent zu erleichtern. Die FDA-Entscheidung sei "ein riesiger Schritt nach vorne, der vielen Patientinnen den Zugang zu diesem sicheren Medikament ermöglichen wird", erklärte eine ACLU-Vertreterin. Das Charlotte Lozier Institute, das sich gegen Abtreibungen einsetzt, kritisierte hingegen, die Regierung von US-Präsident Joe Biden erlaube "gefährliche Abtreibungen, die man selbst zu Hause vornehmen kann".

Bis zur zehnten Woche

Konkret erlaubte die FDA, dass das Abtreibungsmedikament Mifepriston nicht mehr nur durch Kliniken, Arztpraxen oder Krankenhäusern abgegeben werden darf. Medikamentöse Abtreibungen sind in den USA von der FDA bis zur zehnten Schwangerschaftswoche zugelassen. Dabei werden zwei Medikamente eingenommen: zunächst Mifepriston, das das Fortschreiten der Schwangerschaft blockiert, und am nächsten Tag Misoprostol, das die Abtreibung einleitet. Experten betonen, dass Abtreibungen mit Mifepriston und Misoprostol sicher und Komplikationen sehr selten sind. Mifepriston ist auch jener Wirkstoff, der in der in Österreich erhältlichen Abtreibungspille Mifegyne enthalten ist.

Die Verwendung der Pillen hat nach Angaben des Guttmacher Institute in den Vereinigten Staaten stark zugenommen: Mittlerweile werden mindestens 40 Prozent der jährlich knapp 900.000 Abtreibungen in den USA medikamentös vorgenommen. 2001 waren es nur fünf Prozent.

In 19 Bundesstaaten, vor allem im konservativen Süden, sind medizinische Fernbehandlungen für eine Abtreibung allerdings untersagt. Trotz der FDA-Entscheidung wird hier der Versand per Post nicht möglich sein. Es wird aber erwartet, dass Bundesstaaten mit einem liberalen Abtreibungsrecht, wie New York oder Kalifornien, den Zugang zu den Abtreibungspillen auch für Betroffene aus anderen Bundesstaaten erleichtern. (APA, maa, 17.12.2021)