Der Totimpfstoff von Valneva arbeitet mit dem inaktivierten Virus. Entwickelt wurde er unter anderem in Wien.

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Der Totimpfstoff ist die Hoffnung so mancher Impfkritiker, die beim mRNA-Vakzin skeptisch sind. Doch die Zulassung eines solchen Impfstoffs lässt auf sich warten. Am Montag entscheidet die europäische Arzneimittelagentur EMA erst einmal über die Zulassung des Impfstoffs des US-Konzerns Novavax. Bei dem Vakzin handelt es sich allerdings nicht um einen Totimpfstoff im klassischen Sinn, sondern um einen rekombinanten Proteinimpfstoff, für den das Spike-Protein in Mottenzellen hergestellt wird.

Für einen echten Totimpfstoff, jenen des österreichisch-französischen Konzerns Valneva, wird im ersten Quartal 2022 die Zulassung erwartet, kurz darauf soll es auch grünes Licht für den Booster damit geben. Das Vakzin von Valneva ist ein Impfstoff mit dem Virus in seiner natürlichen Form, das chemisch inaktiviert wird und sich im Körper der Geimpften nicht vermehren kann – eine klassische, seit bald 70 Jahren eingesetzte Impfstofftechnologie mit sehr hoher Sicherheit, wie die EU-Kommission im Rahmen eines Kaufvertrags kürzlich feststellte.

Der Körper reagiert beim Kontakt mit derselben Immunantwort wie beim aktiven Coronavirus und bildet Antikörper. Damit nutzt das Valneva-Vakzin eine ähnliche Technologie wie klassische Grippe-Impfstoffe und Vakzine für Kinderkrankheiten und kann in normalen Kühlschränken gelagert werden. Er sei der derzeit einzige Impfstoffkandidat gegen Covid-19 auf Basis inaktivierter Viren, der in Europa in klinischen Studien getestet werde, hieß es. Im Oktober hatte Valneva "positive" erste Ergebnisse aus der klinischen Phase-3-Studie mit dem Impfstoff bekanntgegeben. Das Mittel sei wirksamer als der Astra-Zeneca-Impfstoff und gut verträglich.

"Zögern ethisch inakzeptabel"

Aber: Niemand sollte nun darauf warten, dass dieser Impfstoff auf den Markt kommt. Das betont der Chef von Valneva selbst, Thomas Lingelbach, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "'Der Spiegel": "Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten. Das wäre ethisch inakzeptabel." Er empfehle Verwandten und Bekannten zurzeit Impfstoffe der anderen Hersteller, selbst habe er sich kürzlich mit dem mRNA-Vakzin von Biontech boosten lassen.

Erste Ergebnisse weisen zwar darauf hin, dass sich der Totimpfstoff auch als Booster für eine bereits erfolgte Impfung mit einem anderen Vakzin eignet. Lingelbach sieht das Vakzin seines Konzerns deshalb auch als Alternative für Menschen, bei denen nach den ersten Impfungen signifikante Nebenwirkungen aufgetreten wären. Allerdings ist angesichts der drohenden Infektionswelle mit Omikron Eile beim Impfen geboten. Lingelbach: "Wir sind leider spät dran, aber hoffentlich nicht zu spät." Derzeit würden in der EU, Großbritannien und in Bahrain gleichzeitig Zulassungsverfahren laufen. Bis der Impfstoff von Valneva in der EU auf den Markt komme, werde es wohl noch mehrere Wochen oder auch Monate dauern.

Omikron in den Startlöchern

Aufgrund der Omikron-Variante solle man aber keinesfalls den Booster-Stich hinauszögern, egal ob man auf das Valneva-Vakzin oder auf ein angepasstes mRNA-Vakzin warte. Dieses wird zwar vorbereitet, die EU will 180 Millionen Dosen davon beschaffen. Doch Kommissionschefin Ursula von der Leyen betont: "Wir wissen, dass die Omikron-Variante uns wirklich bedroht." Schon jetzt seien die Gesundheitssysteme überlastet. Dies sei auf die hohe Zahl Ungeimpfter zurückzuführen. Die Antwort darauf könne nur sein, das Impfen auszubauen, Kinder ab fünf zu impfen, sich zu boosten und Schutzmaßnahmen zu befolgen.

Das betonen auch zahlreiche Experten wie etwa der Impfstoffforscher Florian Krammer: "Warten hat keinen Sinn. Der Winter wird hart, was Infektionen betrifft." Dazu kommt, dass der Schutz vor einer symptomatischen Infektion mit Omikron laut vorläufigen Daten sechs Monate nach dem Zweitstich nur noch bei etwa 35 Prozent liegt. Das spiegelt sich auch in den Prognosen des Corona-Konsortiums wider, die im Jänner mehr als 16.000 Neuinfektionen für möglich halten. Solche enormen Infektionszahlen würden das System sehr rasch wieder überlasten, wenn man keine schützenden Maßnahmen ergreift.

Eine jetzige Booster-Impfung schützt sehr effizient vor symptomatischer Infektion, auch wenn die Wirkung speziell gegen Omikron bereits nach wenigen Monaten wieder nachlassen sollte, wie erste Daten andeuten. Da immerhin ist Österreich auf einem guten Weg. Laut "Our World in Data" liegen wir EU-weit auf Platz eins, was die Booster-Stiche anbelangt. (APA, Reuters, kru, 17. Dezember 2021)