Experten warnen vor einem Anstieg der Infektionszahlen. Die Regierung will aber auch den Weihnachtsfrieden wahren.

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Selbst in Regierungskreisen geben manche zu: Aus epidemiologischer Sicht könne man über die Feiertagsregeln schon streiten. Aber – es gehe ja auch um das Miteinander, um den gesamtgesellschaftlichen Auftrag, darum, dass die Stimmung im Land nicht völlig kippe.

Deshalb könne und wolle die Regierung auch Ungeimpfte über die Feiertage nicht einsperren. In der Koalition habe man sich recht rasch darauf verständigen können, dass an den Weihnachtstagen und zu Silvester die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. Ein Mitarbeiter eines Ministeriums fügt an: Es lasse sich ohnehin kaum kontrollieren, was die Menschen in Privatwohnungen tun.

So traten am Freitag Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) vor die Medien. Raab, weil Kanzler Karl Nehammer bis frühmorgens beim EU-Gipfel in Brüssel weilte. Dessen Vorgänger, der damalige Kanzler Alexander Schallenberg, ließ vor wenigen Wochen noch wissen, Weihnachten werde für Ungeimpfte heuer "ungemütlich".

Nun sind Treffen im kleineren Rahmen doch für alle möglich. Auch wenn Mückstein jedem empfiehlt, sich vor Feiern testen zu lassen. Raab fügt an: Österreich erlebe derzeit "eine gewisse Atempause". Aber die Pandemie ist nicht vorbei – und wer auf aktuelle Prognosen schaut, muss fast befürchten: im Gegenteil.

Große Unbekannte

"Einerseits gehen die Inzidenzen hinunter", erklärt der Mathematiker Erich Neuwirth. "Aber unser Hauptproblem ist, dass die neue Variante Omikron eine große Unbekannte ist." Auch der Epidemiologe Hans-Peter Hutter warnt: "Man darf nicht blind sein und glauben, dass wir mit den niedrigen Zahlen durchkommen." Durch vermehrte Kontakte komme es auch zu einem Anstieg an Infektionen. Hutter rät dennoch zu "Gelassenheit, die mit Umsicht und Vorsicht gepaart ist".

Ein Restrisiko bestehe bei Feierlichkeiten zwar immer, aber man könne Vorsichtsmaßnahmen treffen, erläutern die Experten: Eine Möglichkeit sei es, schon vor den Feiertagen die Kontakte zu reduzieren. Außerdem müsse sich jeder die Frage stellen: "Machen wir ein Fest wie immer oder reichen kleinere Gruppen?", sagt Hutter. Bei Zusammenkünften empfiehlt er regelmäßiges Lüften.

Große Treffen seien jedenfalls "ein Spiel mit dem Feuer", ist Neuwirth überzeugt, auch wenn natürlich nicht zwangsläufig etwas passiere. Es sei auch eine "Frage der persönlichen Vorsicht", ob man die Regeln für die Feiertage – Ungeimpfte können bis zu neun Erwachsene treffen, Geimpfte und Genesene bis zu 24 – wirklich ausreizt. Neuwirth sieht für sich selbst ein Treffen mit zehn Personen als Obergrenze – und: "Ich würde mich nur mit Menschen treffen, die geimpft und getestet sind."

Aber wie lauten die Regeln für die Weihnachtsfeiertage nun im Detail?

  • Weihnachten und Silvester
    Die Gastronomie ist ab 20. Dezember in ganz Österreich (also ab dann auch in Wien) wieder geöffnet. Geimpfte und Genese können in den Weihnachtsferien also Essen gehen. Für Ungeimpfte wird der aktuelle Total-Lockdown hingegen verlängert. Bedeutet: keine Gastrobesuche, kein Shopping abseits des Lebensnotwendigen. Von 24. bis 26. Dezember sowie zu Silvester gibt es dennoch eine Lockerung für Ungeimpfte: Sie dürfen hinaus. Die ganztägigen Ausgangsbeschränkungen werden an diesen Tagen gelockert. Ungeimpfte können somit im Kreis von maximal zehn Personen Weihnachten oder in das neue Jahr hinein feiern – wenn auch bloß zu Hause.
  • Gastronomie
    Die Sperrstunde in der Gastronomie – die ohnehin nur für Geimpfte und Genesene offen hat – bleibt 23 Uhr. Außer zu Silvester, da wird sie aufgehoben. Es gelten an diesem Tag somit die üblichen Sperrstunden je nach Bundesland. Die FFP2-Maske muss grundsätzlich überall im Lokal außer am Sitzplatz getragen werden, zudem sollen alle Gäste ihre Kontaktdaten angeben. Die Nachtgastronomie bleibt weiterhin geschlossen – auch zu Silvester.
  • Hotellerie und Handel
    Ein Shoppingtrip sowie Hotelaufenthalte sind immer noch nur mit 2G-Nachweis möglich. Man muss also geimpft oder genesen sein – auch in den Weihnachtsferien.
  • Ausgangsbeschränkungen
    Abgesehen von den vier Ausnahmetagen gelten für Ungeimpfte (beziehungsweise Menschen ohne 2G-Nachweis) weiterhin generelle und ganztägige Ausgangsbeschränkungen. Sie dürfen nur unter den bekannten Voraussetzungen – wie etwa für die Arbeit, Ausbildung oder den Lebensmitteleinkauf – außer Haus gehen.
  • Kinder und Jugendliche
    Kinder, die jünger als zwölf Jahre alt sind, brauchen keinen 2G- oder Testnachweis, um etwa ins Restaurant zu gehen oder Ski zu fahren. Anders lautet die Regelung in Wien: In der Hauptstadt müssen Kinder bereits ab dem sechsten Lebensjahr einen Nachweis erbringen. Der sogenannte Ninja-Pass, mit dem Schülerinnen und Schüler jede Woche ihre drei Corona-Tests dokumentieren, gilt aber auch in den Weihnachtsferien. Damit sollen Kinder und Jugendliche über der Altersgrenze, die nicht oder nicht vollständig geimpft sind, Zugang zu allen Bereichen bekommen, in denen die 2G-Regel gilt. Sie müssen sich dafür dreimal pro Woche testen lassen.

Neue Krisenkoordination

Zudem will die Bundesregierung nun eine neue, "gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination" einrichten. Diese soll Generalmajor Rudolf Striedinger und Chief Medical Officer Katharina Raich an der Spitze haben.

Die Expertinnen und Experten sollen sofort ihre Arbeit aufnehmen und kommende Woche erstmals zusammenkommen. "Das Virus entwickelt sich weiter und damit auch das Pandemiemanagement", sagte Mückstein dazu. (Oona Kroisleitner und Katharina Mittelstaedt, 18.12.2021)