Zum Lichtermeer am Sonntagabend auf dem Wiener Ring twitterte der Medienexperte Peter Plaikner: "Ich hoffe, die #zib2 zeigt auch solch beeindruckende Bilder, wie sie Twitter zuhauf liefert. Wäre wichtig fürs kollektive Bewusstsein. #yeswecare".

Der ORF verabsäumte es, das Lichtermeer in den richtigen Fokus zu rücken.
Foto: APA/LPD WIEN

Die Hoffnung blieb vergeblich. Die ZiB 2 strengte sich genauso wenig wie die ZiB 1 an, das Lichtermeer von etwa 30.000 Menschen in den richtigen Fokus zu rücken. Ausgehend von zwei Aktivisten der Zivilgesellschaft, Daniel Landau und Roman Scamoni, hatten sich ziemlich kurzfristig und ohne Mobilisierung durch einen großen Apparat ein paar Zehntausend Bürgerinnen und Bürger auf der Ringstraße versammelt. Um der Covid-Toten zu gedenken. Und, natürlich, um zu den aggressiven Covid-Schwurblern einen Kontrapunkt zu setzen.

Puls 24 und sogar Oe24-TV berichteten mit vielen Bildern. Online-Ausgaben von Zeitungen brachten sofort beeindruckende Luftaufnahmen der Wiener Polizei. Der ORF hingegen versäumte die Gelegenheit nicht, eine Gelegenheit zu versäumen. In der ZiB 1 und in der ZiB 2 kam je ein öder Pflichtbeitrag. Lieblos, behäbig, gestrig. Ohne Dynamik, ohne Kamerashots, die das Ausmaß der Demo gezeigt hätten.

Der ORF sollte das "kollektive Bewusstsein" Österreichs notieren. Er sollte festhalten, was die österreichische Gesellschaft berührt. Er sollte zeigen, was zu zeigen ist. An diesem Sonntagabend hat der ORF versagt. (Hans Rauscher, 20.12.2021)