Die Forschungsgruppe untersuchte rein männliche Elefantengruppen in Botswana.
Foto: Connie Allen

Die besänftigende Wirkung von älteren Artgenossen bekommen Elefanten zu spüren: Im Rahmen einer Studie der Universität Exeter und der Wohltätigkeitsorganisation "Elephants for Africa" stellte sich heraus, dass zumindest männliche Elefanten aggressiver sind, wenn sich nur wenige ältere Art- und Geschlechtsgenossen in der Nähe befinden. Das schreibt die Forschungsgruppe im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B".

Um mehr über das Sozialverhalten der Tiere herauszufinden, dokumentierte sie das Gebaren von 281 Elefanten über drei Jahre hinweg. Da sich im Untersuchungsgebiet, dem Makgadikgadi Pans Nationalpark in Botswana, nur Elefantenbullen aufhalten, lassen sich keine Aussagen über die Lage bei Weibchen ableiten. Die beobachteten Tiere fielen in vier Altersgruppen: Als jugendlich galten sie bis zum Alter von 20 Jahren (10-15 und 16-20 Jahre), darüber zählten sie als Erwachsene (21-25 oder 26 und älter).

Aggression und Vandalismus

Bei der Erhebung zeigte sich: Wenn wenige alte Bullen in der Nähe waren, legten die Elefanten aggressiveres Verhalten an den Tag – zumindest gegenüber allem, was kein Elefant ist. Dazu zählte das Forschungsteam unter anderem Fahrzeuge und andere Tierarten.

Sind nur wenige ältere Bullen in der Nähe, können die Jüngeren auch für andere Spezies zur Gefahr werden.
Foto: Connie Allen

Besonders deutlich zeigte sich dies bei Jugendlichen. Heranwachsende Elefanten verhalten sich offenbar vor allem dann aggressiv, aber auch ängstlich gegenüber den "nicht-elefantischen Zielen", wenn sie alleine sind. Daraus lässt sich unter anderem folgern, dass jugendliche Individuen, die sozial isoliert sind, auch Menschen gegenüber eine größere Gefahr darstellen.

Mit dem Projekt wollte die Forschungsgruppe einem eher selten analysierten Bereich der Verhaltensforschung Aufmerksamkeit schenken, nämlich den Beziehungen in rein männlichen Elefantengruppen. "Anscheinend spielt die Anwesenheit erfahrener, älterer Elefanten in den Gruppen eine Schlüsselrolle dabei, die jüngeren, weniger erfahrenen Männchen ruhig zu halten", sagt die Biologin Connie Allen, Hauptautorin der Studie.

Management und Jagd

Die älteren Tiere seien in der Lage, bei Jüngeren die Wahrnehmung von Bedrohungen zu reduzieren. Dadurch werden diese ruhiger und stellen ein geringeres Risiko für Menschen und andere Tierarten dar.

Ältere Tiere werden oft zur Beute von Wilderern.
Foto: Connie Allen

Das Wissen um diese ausgleichende Wirkung müsste besonders von Wildtiermanagern und Wilderern beachtet werden, sagt der Verhaltensforscher Darren Croft, der ebenfalls an der Studie mitwirkte: "Alte Elefantenbullen gelten oft als überflüssig und werden bei der Trophäenjagd zum Ziel." Wenn es weniger von diesen älteren Tieren gibt, die eine ausgleichende Wirkung auf junge Männchen haben, hat das auch für die Jäger Konsequenzen – etwa, wenn Elefanten häufiger Fahrzeuge attackieren. (red, 22.12.2021)