Noel lag bis zum vorletzten Tor auf Siegkurs.

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Am Ende setzte sich mit Foss-Solevaag der Weltmeister durch.

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Die ersten drei in Madonna: Jakobsen, Pinturault und Foss-Solevaag.

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Madonna di Campiglio – Österreichs Slalom-Männerteam hat am Mittwochabend im Trentino eine herbe Enttäuschung hinnehmen müssen und für ein veritables Debakel gesorgt. Nach den Ausfällen von Manuel Feller und Marco Schwarz war Michael Matt beim Flutlicht-Klassiker in Madonna di Campiglio als 20. bester Österreicher. Johannes Strolz überraschte zwar als Halbzeit-Elfter, fädelte aber in der Entscheidung ein. Der Sieg auf der Piste Canalone Miramonti ging in 1:34,59 Minuten an den Norweger Sebastian Foss-Solevaag, nachdem der zur Halbzeit führende Franzose Clement Noel im Finale ausgerutscht war.

Der Sieger des ersten Saisonslaloms in Val d'Isère sah erneut wie der sichere Sieger aus, doch wenige Meter vor dem Ziel lag der Franzose plötzlich im Schnee und rutschte auf der falschen Seite des letzten Tores vorbei über die Ziellinie. "Wahrscheinlich dachte ich, es ist schon vorbei", sagte Noel. "Das ist der Skirennsport." Der neunfache Weltcupsieger war nach Lauf eins mit komfortablen 53 Hundertstel voran gelegen. Für Foss-Solevaag war es nach dem Erfolg im Jänner in Flachau der zweite Weltcupsieg. Der Weltmeister setzte sich um 0,1 Sekunden vor dem Franzosen Alexis Pinturault und 0,11 vor dem Schweden Kristoffer Jakobsen durch.

Prominente Ausfälle

Neben Noel erwischte es im Finale auch noch den forsch attackierenden Halbzeitsiebenten Henrik Kristoffersen und den zunächst viertplatzierten Briten Dave Ryding. Feller und Schwarz wurde im ersten lauf eine Welle vor dem Ziel zum Verhängnis. Feller war schon in Val d'Isere ausgeschieden, Schwarz hat nach einer Sprunggelenksverletzung noch etwas Trainingsrückstand.

Insgesamt schafften es so nur vier Österreicher ins 30er-Finale, darunter allerdings mit Strolz (38) und Dominik Raschner (52) zwei Außenseiter mit hohen Startnummern. Beim schlechtesten ÖSV-Abschneiden in Madonna war letztlich Matt als enttäuschender 20. bester Österreicher. Dahinter reihte sich Raschner auf Platz 22 ein, Fabio Gstrein beendete das Rennen als 24.

Ursachensuche

"Irgendwas passt da nicht ganz zusammen", meinte Matt, der sich selbstkritisch gab: "Da fährst eh nur eine Disziplin und dann bringst du erst recht nichts hin. Das müssen wir gut analysieren."

Auch Schwarz war freilich enttäuscht. "Sehr, sehr schade. Ich wusste, dass unten noch Zeit drin ist, war aber nicht zu hundert Prozent parat bei der letzten Haarnadel. Dann ist sich das Ganze nicht mehr ausgegangen", erklärte er seinen Ausfall. Er werde nun eine Weihnachtspause einlegen und Kräfte tanken. "Und vor allem den Fuß hundertprozentig ausheilen lassen und dann gut motiviert weitertrainieren."

Feller waren schon bei der Besichtigung die unterschiedlichen Verhältnisse – oben eisig und glatt, unten aggressiv – aufgefallen. "Wir wissen, dass wir uns bei solchen Bedingungen nicht so einfach tun", verwies Feller auf das offensichtliche Problem. Er habe deshalb auch rasch bemerkt, dass es nicht nach Plan laufe.

"Deshalb wollte ich unten noch was gut und besonders gut machen. Das war dann aber ein bissl zu viel. Selber schuld", sagte der Tiroler. Er habe gehofft, seinen "Quoten-Ausfall" schon in Frankreich erledigt zu haben.

Kritik und Hoffnung

ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher sieht das Slalomteam aber nicht in der Krise. "Okay, wir haben jetzt in zwei Slaloms nicht gut geliefert und sicher einen Rückstand. Aber im Slalom kann es sehr schnell nach unten, aber auch nach oben gehen", so der Tiroler. "Mit guten Trainingstagen über Weihnachten sollten wir im Slalommonat Jänner also wieder dabei sein", hofft Puelacher, der die Pistenbeschaffenheit kritisierte. "Wir haben heute wie viele andere geglaubt, dass mehr Wasser in der Piste ist."

Die Qualifikation für die Entscheidung verpasst hatte Marc Digruber. Der 33-jährige Niederösterreicher war für Christian Hirschbühl ins ÖSV-Team gerutscht, da der Sieger des Parallelrennens in Lech/Zürs wegen eines positiven Corona-Tests nicht dabei sein konnte. Slalom-Vizeweltmeister Adrian Pertl kann nach einem Kreuzbandriss diesen Winter nicht mehr mitwirken. (honz, APA, 22.12.2021)

Weltcup-Slalom am Mittwochabend in Madonna di Campiglio

Endstand:

1. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 1:34,59
2. Alexis Pinturault (FRA) 1:34,69 +0,10
3. Kristoffer Jakobsen (SWE) 1:34,70 +0,11
4. Alex Vinatzer (ITA) 1:34,85 +0,26
5. Timon Haugan (NOR) 1:35,44 +0,85
6. Loic Meillard (SUI) 1:35,53 +0,94
7. Giuliano Razzoli (ITA) 1:35,59 +1,00
8. Yohei Koyama (JPN) 1:35,66 +1,07
9. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 1:35,74 +1,15
10. Simon Maurberger (ITA) 1:35,79 +1,20
11. Albert Popow (BUL) 1:35,92 +1,33
12. Tommaso Sala (ITA) 1:36,14 +1,55
13. Erik Read (CAN) 1:36,17 +1,58
14. Armand Marchant (BEL) 1:36,18 +1,59
15. Joaquim Salarich (ESP) 1:36,20 +1,61
16. Filip Zubcic (CRO) 1:36,25 +1,66
17. Luca Aerni (SUI) 1:36,28 +1,69
18. Ramon Zenhäusern (SUI) 1:36,30 +1,71
19. Kamen Zlatkow (BUL) 1:36,41 +1,82
20. Lucas Braathen (NOR) 1:36,45 +1,86
. Michael Matt (AUT) 1:36,45 +1,86
22. Dominik Raschner (AUT) 1:36,47 +1,88
23. Alexander Choroschilow (RUS) 1:36,51 +1,92
24. Fabio Gstrein (AUT) 1:36,53 +1,94
25. Laurie Taylor (GBR) 1:36,55 +1,96
26. Matej Vidovic (CRO) 1:37,03 +2,44

Ausgeschieden im 1. Durchgang:
Marco Schwarz (AUT), Manuel Feller (AUT), Linus Straßer (GER)

Ausgeschieden im 2. Durchgang:
Johannes Strolz (AUT), Henrik Kristoffersen (NOR), Clement Noel (FRA), David Ryding (GBR)

2. Durchgang:

1. Loic Meillard (SUI) 47,65
2. Yohei Koyama (JPN) 48,01 +0,36
3. Giuliano Razzoli (ITA) 48,15 +0,50
4. Alexis Pinturault (FRA) 48,16 +0,51
5. Timon Haugan (NOR) 48,19 +0,54
6. Alex Vinatzer (ITA) 48,20 +0,55
7. Kristoffer Jakobsen (SWE) 48,27 +0,62
8. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 48,33 +0,68
9. Simon Maurberger (ITA) 48,38 +0,73
10. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 48,43 +0,78
Armand Marchant (BEL) 48,43 +0,78
12. Filip Zubcic (CRO) 48,44 +0,79
13. Kamen Zlatkow (BUL) 48,46 +0,81
14. Joaquim Salarich (ESP) 48,47 +0,82
15. Erik Read (CAN) 48,72 +1,07
weiter:
21. Michael Matt (AUT) 48,88 +1,23
23. Dominik Raschner (AUT) 48,98 +1,33
24. Fabio Gstrein (AUT) 49,15 +1,50

1. Durchgang:

1. Clement Noel (FRA) 45,73
2. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 46,26 +0,53
3. Kristoffer Jakobsen (SWE) 46,43 +0,70
4. David Ryding (GBR) 46,46 +0,73
5. Alexis Pinturault (FRA) 46,53 +0,80
6. Alex Vinatzer (ITA) 46,65 +0,92
7. Henrik Kristoffersen (NOR) 47,07 +1,34
8. Luca Aerni (SUI) 47,11 +1,38
9. Albert Popow (BUL) 47,18 +1,45
10. Timon Haugan (NOR) 47,25 +1,52
11. Johannes Strolz (AUT) 47,29 +1,56
12. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 47,31 +1,58
13. Ramon Zenhäusern (SUI) 47,37 +1,64
14. Fabio Gstrein (AUT) 47,38 +1,65
15. Tommaso Sala (ITA) 47,40 +1,67
weiter:
19. Dominik Raschner (AUT) 47,49 +1,76
20. Michael Matt (AUT) 47,57 +1,84

U.a. nicht qualifiziert:
41. Marc Digruber (AUT) 48,34 +2,61
52. Joshua Sturm (AUT) 57,18 +11,45

Weltcup – Gesamtwertung (nach 13 Rennen):

1. Marco Odermatt (SUI) 633
2. Matthias Mayer (AUT) 405
3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 329
4. Alexis Pinturault (FRA) 314
5. Henrik Kristoffersen (NOR) 287
6. Vincent Kriechmayr (AUT) 277
7. Beat Feuz (SUI) 255
8. Luca de Aliprandini (ITA) 207
9. Manuel Feller (AUT) 181
10. Dominik Paris (ITA) 174

Slalom Männer (2):

1. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 140
2. Kristoffer Jakobsen (SWE) 140
3. Clement Noel (FRA) 100
4. Alexis Pinturault (FRA) 80
5. Filip Zubcic (CRO) 75
6. Timon Haugan (NOR) 65
7. Giuliano Razzoli (ITA) 65
8. Armand Marchant (BEL) 54
9. Daniel Yule (SUI) 50
Alex Vinatzer (ITA) 50

Mannschaft Männer (13):

1. Österreich 1930
2. Schweiz 1783
3. Norwegen 1327
4. Frankreich 928
5. Italien 886
6. Deutschland 578
7. USA 518
8. Kanada 400
9. Slowenien 318
10. Schweden 183

Nationencup (27):

1. Österreich 3784
2. Schweiz 3276
3. Italien 2637
4. Norwegen 2018
5. USA 1763
6. Frankreich 1367
7. Deutschland 958
8. Slowenien 876
9. Schweden 701
10. Kanada 625