Aktienanleger können sich freuen: Sie finden heuer reichhaltige Gaben in Form von üppigen Kursgewinnen unter dem Weihnachtsbaum.

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Geradezu rasant ging es an den Börsen im ersten Jahr der Erholung von der Corona-Krise bergauf. Im Gegensatz zum Jahr zuvor, als hauptsächlich Technologiewerte von der Pandemie angetrieben wurden, erfasste der Aufschwung die Aktienmärkte auf breiter Front. Fast alle Handelsplätze erzielten zweistellige Zuwächse, wobei die Wall Street unter den globalen Leitbörsen neuerlich das Tempo vorgab. Ein Plus von fast einem Viertel steht beim breit gefassten US-Index S&P 500 zu Buche.

Vergleichsweise schwach entwickelte sich der deutsche Aktienmarkt. Belastet wurde heuer vor allem die deutsche Industrie, die besonders stark unter den Problemen mit den Lieferketten zu leiden hatte. Der Dax liegt jedenfalls nur etwas mehr als zwölf Prozent in der Gewinnzone – wobei die Entwicklung des deutschen Leitindex dadurch rechnerisch aufgebessert wurde, dass bei diesem im Gegensatz zu den meisten anderen Indizes auch Dividenden in die Berechnung einfließen.

Wird der Aufwärtstrend auch im nächsten Jahr anhalten? Bereits seit Jahren lassen Experten wissen, dass an Aktien bei der Anlage wegen der Nullzinsphase kein Weg vorbeiführe. Nun ist im Vorjahr mit der wieder aufgeflammten Inflation ein weiterer Faktor ins Spiel gekommen, der für Unternehmensbeteiligungen spricht. Denn die Teuerung macht risikoarme Veranlagungen wie Sparbücher oder sichere Staatsanleihen noch weniger attraktiv, als sie zuvor schon waren.

Preisdruck hält an

Der hohe Preisdruck wird Anleger wohl auch heuer begleiten. "Die Inflation wird hartnäckiger sein als viele erwarten", sagt Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld vom Fondsanbieter Fidelity. Neben der expansiven Geldpolitik würden auch der Trend zur Deglobalisierung und die Energiewende für Preisdruck sorgen. Kurzfristig würden zudem Probleme mit Lieferketten, Engpässe bei Halbleitern und etlichen Rohstoffen die Inflation hoch halten, aber auch das für 2022 erwartete Wachstum bremsen. Laut einer IWF-Prognose ist die Weltwirtschaft heuer um fast sechs Prozent gewachsen.

Dennoch, zu Aktien sieht auch Roemheld kaum Alternativen. Allerdings erwartet er innerhalb der Anlageklasse einen Schwenk weg von Wachstumstiteln, etwa aus der Technologiebranche, hin zu etablierten Substanzwerten. Gut halten sollten sich dem Strategen zufolge besonders Unternehmen, welche die durch die Inflation erhöhten Kosten an Kunden weitergeben können.

Aufgestaute Probleme

Eine ähnlich starke Aktienperformance wie heuer erwartet Roemheld jedoch nicht. "Konjunkturell, geldpolitisch und regulatorisch haben sich viele Probleme angestaut, deren Effekte wir immer stärker zu spüren bekommen werden", sagt er – und lenkt ein: "Für Abgesänge ist es allerdings zur früh."

Das sieht auch Wolfgang Habermayer von der Wiener Finanzberatung Merito Financial Services so. "Für Aktien gibt es auch nächstes Jahr gute Rahmenbedingungen", sagt er. Denn auch ein weltweites Wachstum von vier oder fünf Prozent sollte die Börsen 2022 unterstützen, ebenso die Unternehmensgewinne. Allerdings warnt auch er vor überzogenen Erwartungen. So starke Zugewinne wie heuer erwartet er nächstes Jahr nicht.

Wenig hält Habermayer von einer Übergewichtung von Substanz- gegenüber Wachstumstiteln. Davon rät er ab, da Anleger sonst im Technologiesegment trotz etwas höherer Bewertungen etwas verpassen könnten. Seine Empfehlung lautet daher: "Im Sinne einer effizienten Diversifikation empfehlen wir, über einen ETF in einen weltweiten Index zu investieren."

US-Börsen hoch bewertet

Im Salzburger Fondshaus Iqam Invest verweist man darauf, dass Börsen der Eurozone oder aus Schwellenländern zwar deutlich niedriger als die Wall Street bewertet seien, erwartet jedoch, dass dieser Abstand auch nächstes Jahr nicht aufgeholt wird. Der eher teure US-Aktienmarkt werde von stark steigenden Unternehmensgewinnen und Produktivitätszuwächsen gut unterstützt. Iqam-Chef Thomas Steinberger fasst zusammen: "Trotz perspektivisch restriktiverer Geldpolitik erwarten wir für 2022 weiter steigende Aktienmärkte."

Ein europäischer Markt konnte heuer doch gegenüber der Wall Street Boden gutmachen, und zwar die Wiener Börse. Der ATX legte seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel, konkret 37 Prozent, zu. Noch höhere Zuwächse, nämlich annähernd 70 Prozent, erzielte die Kryptowährung Bitcoin, die endgültig in der Finanzwelt Fuß gefasst hat. (Alexander Hahn, 24.12.2021)