Viele Kryptobegriffe sorgen bei Außenstehenden für Stirnrunzeln. Auch das Tierreich wird bemüht.

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Auch wenn das Interesse an Bitcoin steigt, bleibt die Kryptowelt für viele undurchschaubar und unverständlich. Während mehr schlecht als recht importierte Begrifflichkeiten wie "Währung" oder "Münze" für Grundsatzdiskussionen sorgen, aber zumindest vertraut klingen, verstehen die meisten Menschen bei Bezeichnungen wie "Altcoins", "Hodln", "Fomo" oder "Defi" nur Bahnhof. DER STANDARD erklärt einige der wichtigsten Begriffe, damit man beim nächsten Smalltalk mit einem Krypto-Enthusiasten zumindest erahnen kann, wovon das Gegenüber redet.

Altcoins

Unter Altcoins fasst man die alternativen Kryptowährungen abseits von Bitcoin zusammen. Sie gelten als noch riskanter, da die Kursentwicklung deutlich volatiler als bei Bitcoin ist, versprechen gleichzeitig aber größere Gewinne in kurzer Zeit. Auch wenn manche größeren Altcoins dabei sind, sich zu emanzipieren, ist deren Preis stark von Bitcoin abhängig. Die wellenartigen Preisbewegungen sind manchmal aber auch um einige Wochen verschoben.

Crasht Bitcoin, crashen die Altcoins meist noch stärker. Explodiert der Bitcoin-Wert, tun sich die Altcoins ebenfalls schwer, da das Geld dann ebenfalls in die weniger riskante größte Kryptowährung fließt. Ist Bitcoin stabil und die Stimmung positiv, ist die Zeit für die fetten Altcoins-Gewinne gekommen. Das wird dann als "Altcoin-Season" bezeichnet.

Shitcoin

Auch Menschen mit geringen Englischkenntnissen können sich denken, was der Begriff Shitcoin bedeutet. Meist bezeichnet man damit eine Kryptowährung, die nicht einmal vorgibt, einen besonderen Zweck erfüllen zu wollen, sondern nur als Scherz oder Satire gegründet wurde. Hundereferenzen in der Bezeichnung ("Dogecoin", "Shiba Inu") sind gute Hinweise darauf. Dass diese Projekte, die liebevoller auch Memecoins genannt werden, Marktkapitalisierungen von 25 Milliarden Dollar und mehr haben können, sorgt in der Kryptocommunity teilweise für Frustration.

Dogecoin ist einer der sogenannten Shitcoins bzw. Memecoins, die mittlerweile aber eine Marktkapitalisierung von über 25 Milliarden Dollar haben.
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Stablecoin

Stablecoins sollten – wie der Name schon sagt – vor allem eines sein: stabil. Das bezieht sich im Normalfall auf die Korrelation mit einer Geldwährung, etwa dem US-Dollar oder dem Euro. Die größten Dollar-Stablecoins sind Tether (USDT), der USD Coin (USDC) sowie die digitale Dollar-Entsprechung auf der Kryptobörse Binance (BUSD). Der Preis ist an den Preis der Referenzwährung gekoppelt. Für jeden Kryptodollar sollten die ausgebenden Firmen dahinter echte Dollar auf der Seite haben. Soweit die Theorie.

Hodl

Der beliebte Begriff Hodl bzw. Hodln ist kein Fachbegriff, der einen elaborierten technischen Vorgang beschreibt, sondern ist schlichtweg aus einem Tippfehler entstanden. Der Bitcoin-Besitzer "GameKyuubi" postete 2013 einen Forenbeitrag, in welchem er zum Behalten von Bitcoin ("Hold") aufrief und versehentlich einen Buchstabendreher verursachte. Der Begriff wurde schnell zum Sprachinventar der Kryptocommunity und beschreibt die Strategie, Kryptowährungen im Zweifelsfall zu halten, gerade wenn der Kurs total abstürzt, und diese als Langzeitanlage zu betrachten.

Fomo, Fud

Die beiden Akronyme Fomo ("fear of missing out" – Angst, etwas zu verpassen) und Fud ("fear, uncertainty and doubt" – Angst, Ungewissheit und Zweifel) stammen ursprünglich gar nicht aus der Kryptoszene, werden dort aber besonders häufig verwendet. Während Fomo das gesellschaftliche Phänomen beschreibt, man sei bei einem Thema oder einer Entwicklung nicht auf dem Laufenden oder mit von der Partie, wird der Begriff Fud seit den 70er-Jahren eher einer Marketing- und PR-Strategie zugeordnet. Dabei werden bewusst Zweifel und Desinformation gesät, um Leute zu verunsichern bzw. sie zu einem politischen Wechsel oder zum Kauf eines Konkurrenzproduktes zu bewegen.

Übersetzt auf Krypto heißt das: Schießt der Wert eines Coins in die Höhe, bilden sich viele Leute ein, sie müssten unbedingt auch in diesen investieren – eben aus Angst, am Schluss mit leeren Händen dazustehen bzw. die Gewinnrallye zu verpassen. In der Praxis führt Fomo zum bekannten Phänomen, dass Menschen kopflos in Krypto investieren, wenn die Preise schon extrem gestiegen sind, und in Panik verkaufen, wenn der Kurswert bereits abgestürzt ist.

Fud wird in der Szene eher dazu verwendet, um Negativberichte zu beschreiben, die von Influencern, Medien, aber auch traditionellen Finanzinstituten, Großanlegern und Politikern in Umlauf gebracht werden. Nicht selten führen Meldungen über das 700. Verbot von Kryptowährungen in China, oder dass Bitcoin wieder einmal für tot erklärt wird, zu zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen. In der Community wird der Begriff mittlerweile recht inflationär verwendet, um jegliche Kritik an Krypto pauschal als Fud abzutun.

Bären, Bullen, Wale – beliebte Metaphern für den Kryptomarkt und seine Teilnehmer.
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Whale

Als hätten Wale nicht schon genug Leid durch den Menschen erfahren, müssen die Meeresbewohner auch noch als Bezeichnung für Großbesitzer von Kryptowährungen herhalten. Die sogenannten Whales – im Deutschen wird meist der englische Begriff verwendet – sind jene Accounts, die den Preis von Bitcoin, aber auch anderen Kryptoprojekten durch einzelne Transaktionen stark bewegen können. Ihr Verhalten auf Kryptobörsen wird genau beobachtet, weil es Rückschlüsse geben kann, ob etwa eine nachhaltige Kurskorrektur nach unten oder eine Preisrallye nach oben ansteht.

Bear, Bull

Der Wal ist nicht das einzige Tier, das metaphorisch missbraucht wird, um Vorgänge im Markt zu beschreiben. Die Begriffe Bear (Bär) und Bull (Bulle) stammen eigentlich aus dem Börsenjargon. Während Bären mit ihrer Tatze nach unten schlagen und so den Markt bzw. die Preisentwicklung nach unten drücken, ziehen die Bullen in die Höhe – so lautet zumindest die gängige Erklärung, wie die Tierreferenz zu verstehen ist.

Daraus abgeleitet, spricht man bei einem mittel- und längerfristigen Abwärtstrend von einem Bärenmarkt, bei einer Wachstumsphase von einem Bullenmarkt. Die Begriffe sind von der traditionellen Börse zu Krypto nicht eins zu eins umlegbar, da die Preisentwicklung und Zeitspannen im Kryptouniversum viel heftiger und kürzer ausfallen. Generell gibt es aber auch bei Krypto Trader, die eher auf steigende Kurse setzen (Bulls), und andere, die immer mit dem Absturz liebäugeln und daher gern auf sinkende Preise wetten (Bears).

Bitcoin-Maximalist

In der Kryptoszene tobt seit längerem ein Glaubenskrieg, auf welchen digitalen Coin man für die goldene Zukunft setzen soll. Einige, die schon seit mehreren Jahren dabei sind und den Totalabsturz vieler Altcoins nach 2018 erlebt haben, schwören ganz auf Bitcoin. Sie gelten als Bitcoin-Maximalisten und glauben nicht, dass eine andere Kryptowährung langfristig Erfolg haben wird bzw. eine gute Anlage ist. Da sich rund um Projekte wie Ethereum mittlerweile eigene Ökosysteme an Währungen (Tokens) und Anwendungen gebildet haben, werden die Bitcoin-Maximalisten tendenziell weniger.

Mining, Staking

Auf die teils komplexen technischen Hintergründe kann hier im Detail nicht eingegangen werden. Das würde den ohnehin langen Artikel sprengen. Im Prinzip sind dies die Begriffe, die bei der Erzeugung von Kryptoeinheiten ins Spiel kommen.

Während ganz grob gesagt beim Mining ("Schürfen") Rechenleistung (und viel Energie) benötigt wird, um mathematische Aufgaben zu lösen und so neue Coins zu produzieren, sichert man beim Staking die darunterliegende Infrastruktur und validiert somit auch neue Coins, indem man selbst bereits vorhandene Kryptowährung zur Verfügung stellt.

Das Schürfen von Bitcoin (Mining) benötigt viel Rechenleistung und Strom.
Foto: PAVEL MIKHEYEV/Reuters

Defi, Farming, Lending

Der Begriff Defi ist die Abkürzung für "Decentralized Finance" und fasst aus der Finanzwelt bekannte Konzepte und Vorgänge zusammen, die im Kryptouniversum aber dezentral abgewickelt werden. Stark vereinfacht gesagt: Kryptobesitzer können Liquidität für andere bereitstellen und bekommen über das dezentral organisierte Netzwerk fixe "Zinsen" ("Farming") oder können sich über das Netzwerk auch einen Kredit leihen ("Lending").

NFT

Die Abkürzung NFT steht für "Non-Fungible Token", was übersetzt ungefähr "nicht ersetzbarer Bon" heißt. In der Praxis handelt es sich dabei um ein einzigartiges, fälschungssicheres digitales Zertifikat, das auf einer Blockchain – also einer dezentralen, öffentlichen Datenbank – liegt. NFTs sind aktuell gefragt, um den Wert digitaler Kunstwerke abzubilden. Künftig könnten sie auch im Gaming bzw. in virtuellen Welten eine wichtige Rolle spielen, etwa um digitale Objekte zu erzeugen, die dann tatsächlich einem Nutzer und nur diesem "gehören".

Wallet

Wer Krypto besitzen möchte, benötigt eine sogenannte Wallet. Da digitale "Brieftasche" oder "Geldbörse" spießig klingen, hat sich auch in diesem Fall der englische Begriff etabliert. Mit der Wallet können Kyptowährungen empfangen, versendet, aber auch aufbewahrt werden. Sie verfügen über eine eindeutige Adresse, über die Transaktionen abgewickelt und zugeordnet werden. Die Wallets werden auf Kryptobörsen automatisch angelegt. Es gibt aber auch Apps und externe Hardware, mit denen man sie selber erstellen und verwalten kann. (Martin Stepanek, 2.1.2022)

Welche Kryptobegriffe kennen Sie?

Nachdem diese Liste nur einen unvollständigen Überblick bieten kann: Welche Begriffe waren für Sie neu? Welche Wortkreation finden Sie lustig oder daneben? Und nicht zuletzt: Was haben wir vergessen, was unbedingt erklärt werden sollte? Gerne lesen wir Ihr Feedback im Forum.