Frédéric Sinistra (links, hier bei einem Kampf 2015 in Zagreb) verstarb mit nur 40 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion.

Foto: imago/Pixsell

Hochmut kommt vor dem Fall, heißt es. Frédéric Sinistra hätte wohl nicht gedacht, dass ihn diese Redewendung je tangieren würde und schon gar nicht auf so tragische Weise. Denn der dreifache Weltmeister und viermalige Europameister im Kickboxen bezeichnete sich selbst gern als "stärksten Mann Belgiens", und als solcher fühlt man sich wohl nahezu unverwundbar. Mitte Dezember erlag der Corona-Leugner jedoch den Folgen einer Covid-19-Infektion. Im Alter von 40 Jahren.

Sinistra, ein vor Kraft strotzendes Muskelpaket aus Seraing in der Nähe von Lüttich, war ein vehementer und überzeugter Corona-Leugner. "Das Virus gibt es nicht", betonte er immer wieder bei seinen Auftritten. Das ging so weit, dass er den Namen des Virus nicht einmal aussprechen wollte.

Im November machte das gemeine Virus aber auch vor ihm nicht Halt. Er musste einen geplanten Kampf in Frankreich absagen, wurde mit akuter Atemnot in ein Krankenhaus eingeliefert und musste in der Folge künstlich beatmet werden.

"Gesund und stark"

Sinistra war nicht geimpft, den vergleichsweise harmlosen Stich hielt er nicht für nötig. "Ich muss mich nicht impfen lassen. Das Virus kann mir nichts anhaben. Ich bin gesund und stark", gab er zu verstehen.

Selbst in Zeiten höchster Not wich er nicht von seiner Meinung ab. Über Instagram ließ er hoffnungsfroh ausrichten: "Ich lebe und werde noch stärker sein, wenn ich wieder draußen bin."

Versuche des Trainers, seinen Schützling zur Vernunft zu bringen, scheiterten. Selbst die Androhung, die Zusammenarbeit zu beenden, wenn Sinistra das Krankenhaus verlassen würde, halfen nichts. Der Vater zweier Kinder entließ sich selbst aus dem Spital. In sozialen Medien gab er an, sich zu Hause kurieren zu wollen, so wie sich das gehöre.

Mitteilung der Ehefrau

Doch das Virus hatte seine Lunge angegriffen und längst schwer in Mitleidenschaft gezogen. So hing Sinistra auch zu Hause an der Sauerstoffflasche oder um es in der Boxsprache zu formulieren: ordentlich in den Seilen. Letztlich verlor er diesen Kampf und verstarb drei Wochen nach seinem Krankenhausaufenthalt in seinem Haus.

Daraufhin trat seine Frau auf den Plan und veröffentlichte in Großbuchstaben eine Mitteilung auf dem Instagram-Account ihres verstorbenen Mannes: "MEIN EHEMANN IST NICHT AN COVID VERSTORBEN." Und weiter: "Er hätte nie akzeptiert, dass das, was ihm passiert ist, dazu dient, Angst zu verbreiten und die Impfung zu bewerben."

Bereits im kommenden Jahr soll der brisante Stoff in einem Kinofilm aufgearbeitet werden. Ob der Streifen dazu dienen kann, überzeugte Corona-Leugner und Impfverweigerer zum Nachdenken zu bewegen, darf bezweifelt werden. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. (Thomas Hirner, 29.12.2021)