Christian Eriksen verspürt "überhaupt keine Angst, dass es wieder passieren könnte."

Foto: REUTERS/Hannah Mckay/File

Kopenhagen – Christian Eriksen, weißes T-Shirt und schwarze Hose, scheint lässig und entspannt im Sessel zu sitzen, doch dann werden seine Augen schon ein bisschen feucht. Zu groß sind die Emotionen, als der Däne erstmals über seinen Herzstillstand bei der EM spricht. "Fünf Minuten tot" sei er gewesen, sagt Eriksen – doch aufgeben gilt nicht. Der 29-Jährige hat einen Traum.

"Mein Ziel ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft", sagt Eriksen in dem Interview mit dem TV-Sender DR: "Ich möchte wieder Fußball spielen. Es gibt keinen Grund, dies nicht zu tun."

Im Sommer war daran überhaupt nicht zu denken. Was waren das für bange Minuten im Kampf um Leben und Tod im Kopenhagener Parken-Stadion. Wie vom Blitz getroffen sackte Eriksen im Vorrundenspiel gegen Finnland kurz vor der Halbzeit zusammen. Regungslos lag der dänische Fußball-Star auf dem Rasen, Notärzte kämpften minutenlang mit einem Defibrillator um sein Leben.

Als die Fußball-Welt den Atem anhielt

"Die Leute haben es gesehen und in den Wohnzimmern geweint, oder sie haben geweint, wo immer sie es gesehen haben", sagt Eriksen nun. Die Fußball-Welt hielt den Atem an – erst nach gut einer Stunde kam aus dem Krankenhaus die erlösende Entwarnung.

Eriksen ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er dank der schnellen Hilfe heute noch mit seinen Kindern spielen kann. "Ich will mich bei allen bedanken, die geschrieben und an meine Familie und mich gedacht haben", sagt der 109-fache Nationalspieler. Am Tag nach dem Zusammenbruch wurde ihm bereits ein fester Herzschrittmacher eingesetzt. "Seitdem ist nichts mehr passiert, obwohl das Herz auf jede erdenkliche Weise getestet wurde", sagt Eriksen.

Vertragsauflösung mit Inter Mailand

Kürzlich einigte sich der Mittelfeldspieler mit seinem bisherigen Klub Inter Mailand auf eine Vertragsauflösung. In Italien ist Fußballspielen mit einem eingesetzten Defibrillator verboten. Der Spielmacher schuftet seitdem in der Heimat bei seinem Jugendklub Odense BK für sein Comeback – und für die Teilnahme an der WM.

"Das ist die Denkweise, die ich die ganze Zeit hatte", betont Eriksen. Er hoffe natürlich auf die Nominierung durch Nationaltrainer Kasper Hjulmand, aber es sei nochmal etwas ganz anderes, "ob man wirklich ausgewählt wird". Der "Traum" von einem Comeback sei da. "Ich kann zurückkommen", sagt Eriksen – angeblich sind Klubs aus Dänemark, den Niederlanden und England an einer Verpflichtung interessiert.

Seine Ärzte halten eine Rückkehr offenbar für realistisch. "Sie haben gesagt, dass es okay ist", sagt Eriksen. Er habe "überhaupt keine Angst, dass es wieder passieren könnte". Der Gedanke an das Szenario, in dem er nicht wieder aufgewacht wäre, sei jedoch "speziell. Stell dir vor, ich wäre nicht hier. Aber glücklicherweise bin ich hier und kann mit meinen Kindern spielen." (sid, 4.1.2022)