"Rund 70 bis 80 Prozent der Fälle im Setting Freizeit sind der Après-Ski-Aktivität zuzurechnen", heißt es im Ergebnisprotokoll der jüngsten Sitzung der Corona-Kommission.

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Wien – Auf der Website des Sozialministeriums werden in einem ausführlichen Text – mit Aktualisierung vom 11. Jänner 2022 – allerhand Fragen und Antworten zum Themenbereich "Wirtschaft, Veranstaltungen und Arbeitsrecht" aufgeführt. Unter anderem werden zur selbst gestellten Frage "Was ist in der Gastronomie nicht erlaubt?" aktuell folgende Punkte angeführt: "Nachtgastronomie inkl. Après-Ski, Stehgastronomie, Barbetrieb".

Das ist insofern beachtenswert, weil es laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) Après-Ski in Österreich weiterhin gibt. Im nichtöffentlichen Protokoll der Sitzung der Corona-Kommission vom Donnerstag, das dem STANDARD vorliegt, weist nämlich eine Ages-Expertin deutlich darauf hin. Zunächst wird angeführt, dass der Anteil der Corona-Fälle mit Reisebezug sowie jener im Setting Freizeit rezent zugenommen habe. Dann folgt eine bemerkenswerte Feststellung: "Rund 70 bis 80 Prozent der Fälle im Setting Freizeit sind der Après-Ski-Aktivität zuzurechnen." Dasselbe gelte "für einen relevanten Anteil der Fälle im Setting Hotel und Gastronomie."

Bereich "Freizeit" deutlich hinter "Haushalt" auf Rang zwei

Um das besser einordnen zu können: Betreffend Abklärung und Setting der Corona-Übertragung befindet sich der Bereich "Haushalt" klar auf Platz eins – mehr als drei Viertel aller abgeklärten Ansteckungen passierten laut Ages in diesem Bereich. Das Setting "Freizeit" folgt – mit 12,7 Prozent in der ersten Kalenderwoche dieses Jahres – auf Rang zwei. Laut Ages beträgt der Anteil der abgeklärten Fälle in der laufenden Woche insgesamt nur noch rund 40 Prozent.

Dass der Bereich Après-Ski eine erhebliche Rolle bei der Analyse von Clustern spielt, wird vonseiten der Corona-Kommission bestätigt. Demnach wurden "auffällig viele Cluster, und hier Cluster großen Ausmaßes, im Bereich von Après-Ski-Aktivitäten identifiziert", heißt es im Protokoll vonseiten der Ages. "Dies umfasst auch Personen mit Wohnsitz in Wien, die im Anschluss an Skifahr-Aktivitäten in anderen Bundesländern im Wohnbundesland als Fälle identifiziert wurden." Die Ansteckungen seien aber überwiegend "nicht im Zuge des Transports oder der Sportausübung, sondern direkt im Setting Après-Ski" passiert.

Zahlreiche Cluster über ganz Österreich hinweg würden "ihren Ursprung in Salzburg und/oder Tirol haben", wie es weiter heißt. Laut dem Vertreter Tirols in der Corona-Kommission seien auch Touristinnen und Touristen fallweise unmittelbar nach positivem Test abgereist, um einer Quarantäne vor Ort zu entgehen. (David Krutzler, 14.1.2022)