Ein Blick auf Kitzbühel im April 2020.

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Kitzbühel – "I just don’t care what you have done in your life" – es ist mir einfach egal, was du in deinem Leben getan hast: Zu diesen Songzeilen von Gigi D’Agostino tanzten am Wochenende zahlreiche Gäste in einem Kitzbüheler Après-Ski-Lokal. So egal war das der Öffentlichkeit allerdings nicht: Angesichts der aktuell hohen Corona-Zahlen gingen die Wogen in sozialen Medien hoch. Für zusätzlichen Redestoff sorgte der Urheber des Videos – hochgeladen wurde es von Florian Gschwandtner, Gründer der Fitness-App Runtastic.

Die gefilmten Gäste dürften gegen so einige der aktuellen Covid-Bestimmungen verstoßen haben. Was derzeit erlaubt ist und was nicht, zeigt ein Blick auf die Website des Sozialministeriums: Ein gültiger 2G-Nachweis ist die Eintrittskarte in Lokale. Diese müssen um spätestens 22 Uhr zusperren. Darüber hinaus ist abseits des Verabreichungsplatzes eine FFP2-Maske zu tragen; Stehgastronomie und Barbetrieb sind untersagt.

Anders sieht das auf besagtem Video aus: Viele Gäste tanzen, einige stehen an der Bar – Masken sind dabei nicht zu sehen. Ob der Runtastic-Gründer selbst gegen die Regeln verstoßen hat, ist auf dem kurzen Clip hingegen nicht zu erkennen. Gschwandtner dürfte, so denn er das Video selbst gedreht hat, am Tisch stehen – und sich damit an seinem Verabreichungsplatz befunden haben.

Auf Twitter beschwerten sich mehrere User über das Video.

Laufendes Verfahren

Der Lokalbetreiber selbst möchte sich zu den Vorfällen nach Anfrage des STANDARD nicht äußern. "Mein Anwalt ist eingeschaltet. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, werde ich dazu keine Stellungnahme abgeben." Am Wochenende rechtfertigte er sich damit, dass es sich um ein altes Video aus Vor-Pandemie-Zeiten handeln müsse. Auch dazu wollte er am Montag keinen Kommentar abgeben.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) verurteilte die Szenen am Montag im Ö1-Journal. "Ich habe absolut kein Verständnis für Gastronomen, die mit solchen Regelverstößen die gesamte Wintersaison aufs Spiel setzen." Aus Sicht der Ministerin müsse hart durchgegriffen werden, die Verantwortung liege bei den Betreibern. "Dieses Verhalten ist eine Gefahr für die gesamte Branche." Jeder Betrieb, der gegen die Auflagen verstoße, "muss bestraft werden", sagte Köstinger. Bei Verstößen müssen zudem die Wirtschaftshilfen zurückbezahlt werden.

Den Eigentümer des Lokals könnte das teuer zu stehen kommen: Er hat 2021 vom Staat über 137.000 Euro an Corona-Hilfen erhalten, wie die APA meldete. Das geht aus der EU-Beihilfentransparenzdatenbank hervor, in der Hilfen über 100.000 Euro veröffentlicht werden müssen. Die Summe wollte der Betreiber nicht bestätigen.

Auch vor Ort sorgt das Video für Unmut. Auf der Sonnbergstuben, hoch über Kitzbühel, macht die berühmte "singende Wirtin" Rosi Schipflinger ihrem Ärger Luft: "Es ist eine Unverschämtheit, dass hier trotz Corona einige Après-Ski-Party machen. Ich bin stinksauer, so was macht man nicht."

Schnitzel für die Promis

Die Gastronomin betreibt seit 54 Jahren ihr bekanntes Gasthaus, in das an den Hahnenkamm-Wochenenden die Promis zum Schnitzelessen einkehren. Schipflinger ist mit allen auf Du und Du – von Franz Beckenbauer bis Arnold Schwarzenegger. Doch derzeit ist ihr nicht zum Feiern zumute, wie sie sagt: "Von meinen 32 Mitarbeitern sind derzeit 16 krank oder in Quarantäne. Einige sind seit zwölf Tagen isoliert, obwohl sie bereits negativ getestet wurden." Vergangenes Wochenende musste sie mangels Personals bereits am Sonntag zusperren. Die Buchungen der Hausgäste, die bereits Zimmer reserviert hatten, wurden ebenfalls storniert. "Jetzt mag ich dann nimmer, wenn das so weitergeht. Das ist furchtbar", sagt Schipflinger tief enttäuscht. Partys während der Omikron-Welle hält sie für falsch und unentschuldbar. Zugleich fordert sie von Behörden klarere und einheitliche Vorgaben.

Das Land Tirol verurteilte die Vorgänge "aufs Schärfste" und ließ wissen, dass die Gesundheitsbehörde rechtliche Schritte und die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Betreiber prüfe. Der Strafrahmen betrage bis zu 30.000 Euro. Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler (ÖVP) zeigte sich indes erzürnt. "Wir sind richtig sauer", sagte er zur APA. Solche Verstöße seien "völlig inakzeptabel" und hätten ihn "überrascht".

Polizei: Lokal "unter Beobachtung"

Seitens der Polizei hieß es am Montag, dass das Lokal "bekannt" sei und Anzeigen an die Behörde erstattet würden. Es stehe unter "Beobachtung" und soll regelmäßig kontrolliert werden. Dies sei in der Vergangenheit bereits geschehen und habe auch schon einige Anzeigen zur Folge gehabt. Diese seien aber wegen kleinerer Vorkommnisse erfolgt, etwa wegen Nichteinhaltung der Sperrstunde oder weil gegen die Maskenpflicht verstoßen worden war.

"So extrem haben wir das noch nie festgestellt", sagte Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein. Die Exekutive betonte, dass in Kitzbühel und Umgebung Après-Ski-Lokale laufend überprüft würden. "Verstöße wurden festgestellt, welche auch der Behörde angezeigt wurden", hieß es.

Gschwandtner selbst hat sich mittlerweile in einem Statement entschuldigt: "In der heutigen, für uns alle schwierigen Zeit war es ein Fehler, nach einem Skitag noch mit Freunden am Après-Ski teilzunehmen." Es tue ihm leid, seiner "Vorbildfunktion" hier nicht gerecht geworden zu sein. (Steffen Arora, Andreas Danzer, Nora Laufer, APA, 17.1.2022)