Aleksander Aamodt Kilde schwingt mit Bestzeit ab.

Foto: APA/EXPA/JOHANN GRODER

Der Norweger erhielt erstmals eine goldene Gams und zudem ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro.

Foto: REUTERS/Lisi Niesner

Französische Feier in Kitzbühel: Johan Clarey und Blaise Giezendanner.

Foto: Reuters/Niesner

Das Podium.

Foto: APA/EPA/Bruna

Kitzbühel – Der Sport schreibt immer wieder auch schöne Geschichten. Aleksander Aamodt Kilde landete ein Jahr, nachdem er die Hahnenkammrennen in Kitzbühel wegen eines im Training auf der Reiteralm erlittenen Kreuzbandrisses verpasst hatte, seinen ersten Sieg auf der Streif. Der Norweger setzte sich am Freitag in 1:55,92 Minuten vor den Franzosen Johan Clarey (+0,42) und Blaise Giezendanner (0,63) durch. Damit ist Kilde der erste Läufer seit dem Schweizer Didier Defago 2009, der die Klassiker am Lauberhorn und in Kitzbühel in einer Saison gewinnen konnte, wenn auch beide Male auf verkürzter Strecke.

Überraschungen

Der 30-jährige Giezendanner bugsierte mit Startnummer 43 noch Matthias Mayer vom Podest und verbuchte erstmals einen der drei besten Plätze, nachdem er in der Saison bisher stets weit hinterhergefahren war.

Kilde feierte auf der wegen Windes von oberhalb der Mausefalle gestarteten Abfahrt nach Siegen in Beaver Creek und Wengen seinen dritten Saisonerfolg in der schnellsten Disziplin. Der 29-Jährige konnte es sich leisten, auf dem neu gestalteten Hausberg deutlich von der Ideallinie abzukommen. Er gewann dennoch klar, weil er bis zur vierten Zwischenzeit bereits einen Vorsprung von respektablen 1,24 Sekunden auf den zu diesem Zeitpunkt voranliegenden Mayer hatte.

Kildes zwölfter Weltcupstreich

Der Triumphator im Gesamtweltcup 2019/20 hält nunmehr bei sechs Saisonerfolgen und hat mit Marco Odermatt gleichgezogen. Der Schweizer wurde Fünfter und führt im Gesamtweltcup mit 1120 Punkten 335 Zähler vor Kilde. Der nunmehrige zwölffache Weltcupsieger aus Norweger war in Kitzbühel zuvor lediglich einmal auf dem Podest gelandet: 2020 im Super-G als Ex-aequo-Zweiter mit Mayer hinter seinem Landsmann Kjetil Jansrud.

Als zweitbester Österreicher reihte sich Daniel Hemetsberger vor 1000 Zuschauern als Zehnter ein. Dieselbe Platzierung hatte er auch 2021 in der zweiten Kitzbühel-Abfahrt geholt. Clarey war vor einem Jahr übrigens auch Zweiter.

Geschlagene Mitfavoriten

Zahlreiche Kapazitäten in der schnellsten Disziplin strauchelten. So musste sich der Schweizer Doublegewinner von 2021, Beat Feuz, mit Platz acht begnügen, Doppelweltmeister und Wengen-Sieger Vincent Kriechmayr kam nicht über Rang 13 hinaus. Und Dominik Paris wurde als 27. nur fünftbester Italiener.

Kilde hatte sich am Morgen noch ein Foto aus dem vergangenen Jahr von sich mit Krücken zu Gemüte geführt, es sollte kein Fehler gewesen sein. "Unglaublich, dass ich so schnell gewesen bin. Es war so geil zu fahren. Ich bin so stolz", sagte der Sieger. Mayer haderte ein wenig mit seiner "nicht optimalen" Startnummer sieben. Immerhin sei ihm von der Seidlalm weg eine "Topfahrt" gelungen. Auch der mit Nummer drei gestartete Kriechmayr bedauerte, keine höhere Nummer gewählt zu haben. Er habe die Steilhangausfahrt nicht ideal erwischt. Außer einem gelungenen Mittelteil sei seine Fahrt "bescheiden" gewesen.

Glück im Unglück

Zu Sturz kamen Daniel Danklmaier und Christian Walder. Letzterer rutschte mit Startnummer 40 nach sechstbester Zwischenzeit am Hausberg aus. Beide blieben nahezu unverletzt. Chancenlos war Max Franz mit Startnummer eins. Der Kärntner (3,62) belegte nur Platz 40.

Nach dem klassischen Slalom am Samstag am Ganslern (10.15 und 13.45 Uhr) ist für Sonntag (13.30 Uhr, alle ORF 1) eine weitere Abfahrt auf der Streif geplant. (Thomas Hirner, 21.1.2022)