Intelligent, geschickt, kommunikativ, promiskuitiv: der Delfin.

Foto: AP/Chris O'Meara

An beeindruckenden Fähigkeiten mangelt es dem Delfin nicht. Der Meeressäuger, der mit gut 40 Arten die größte Familie der Wale stellt, ist äußerst intelligent, hochsozial und ein wahres Kommunikationstalent. Vielleicht schaffte er es deshalb auf die lange Liste mit Namensvorschlägen für die vorliegende, 1988 gegründete Zeitung. In die engere Auswahl kam "Delphin" nicht, DER STANDARD bekanntlich schon.

Besser eignet sich der Meeresbewohner offenbar als politische Projektionsfläche: Schon früh tauchte er auf Wappen auf, lange war "Dauphin" (Französisch für Delfin) sogar ein offizieller Titel der französischen Kronprinzen.

Aber nicht nur designierte Monarchen durften sich über Assoziationen mit dem klugen Säugetier freuen, Jahrhunderte später gelang es auch einem österreichischen Bundeskanzler, in die Nähe der Delfine zu rücken: Bei einer mit Steuergeld finanzierten Umfrage für das Finanzministerium fragte die Meinungsforscherin Sabine B. ab, welchen Tieren gewisse Politikerinnen und Politiker ähneln würden. Die im Zuge der Inseratenaffäre jüngst publik gewordene "Studie" stellte Kurz ein gutes Zeugnis aus: Demnach sahen die Befragten Parallelen zwischen Kurz und Delfinen.

Wozu auch immer solch ein Tiervergleich gut sein mag, schlechter ausfallen könnte er allemal. Nicht erst seit Flipper ab den 1960er-Jahren über die Fernsehschirme flimmerte, genießen die kleinen Zahnwale einen überaus guten Ruf. Das liegt zum Beispiel an ihrem großen Geschick: Sie nutzen Werkzeuge wie Meeresschwämme und große Muscheln, um an schwer zugängliche Beute zu gelangen. Bei interessanten Funden rufen die Artgenossen mit Pfiffen oder Klicklauten herbei – oft aber auch aus Langeweile.

Zum Spielen muss dann schon einmal ein vorbeischwimmender Buckelwal herhalten: Delfine werden immer wieder bei Versuchen beobachtet, auf ihren größeren Verwandten zu "surfen", offenbar aus reinem Vergnügen. Apropos Vergnügen: Die Meeressäuger haben auch auffallend viel Sex – und längst nicht nur zu Fortpflanzungszwecken, wie jüngere Untersuchungen nahelegen.

Delfine meistern auch den Standardtest zur Selbstwahrnehmung, den nur sehr wenige Tierarten bestehen: Sie erkennen sich selbst im Spiegel. Eitelkeit darf man ihnen deshalb nicht unterstellen, auch wenn das vielleicht gut zu manchem ihrer politischen Vergleichsmenschen passen würde. (David Rennert, 21.1.2022)