Seine Ex-Mitarbeiter lassen kein gutes Haar an Elon Musk.

Foto: Reuters/Michele Tantussi

Computer kraft der Gedanken steuern, mit künstlicher Intelligenz interagieren, die Folgen von Hirnverletzungen rückgängig machen und auch neurologische Erkrankungen heilen: Das und noch viel mehr, verspricht der umstrittene Tech-Manager Elon Musk, wird in Zukunft durch das Hirnimplantat seines Unternehmens Neuralink möglich werden.

Ob und wie schnell sich das bewahrheitet, dürfte sich in naher Zukunft zeigen. Heuer sollen die ersten klinischen Tests an Menschen erfolgen. Doch Musk, der seit 2014 auf jährlicher Basis vollautonom fahrende Autos für das nächste Jahr ankündigt, sieht sich gleich aus mehreren Richtungen in der Kritik. Zum einen gibt es ethische Bedenken ob des Implantats, zum anderen erheben nun ehemalige Neuralink-Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen ihn und die Unternehmensführung, berichtet "Fortune".

Ein Affe, der dank Neuralink "Pong" spielen kann.
Neuralink

Musk habe eine Firmenkultur etabliert, in der Angst und Schuldzuweisungen vorherrschen. Eine Person, die 2019 für das Unternehmen gearbeitet hat, erklärt, dass Musk "erbarmungslos" Druck ausübe, weil er mit dem Fortschritt der Entwicklung nicht zufrieden sei. Obwohl man bereits sehr gut unterwegs gewesen sei, sei ständig dazu gedrängt worden, unrealistische Deadlines einzuhalten.

Schuldfragen

Gleichzeitig sei eine Vorschrift erlassen worden, die es Angestellten verbat, externe Zulieferer oder Verkäufer für Verspätungen verantwortlich zu machen. Selbst wenn eine Deadline etwa aufgrund eines unvorhersehbaren Lieferengpasses nicht eingehalten werden konnte, habe die Person, die mit dem jeweiligen Anbieter in Kontakt war, die Schuld auf sich nehmen müssen.

Angestellte seien auch ständig auf der Hut davor, Musk mit verpassten Vorgaben zu verärgern. "Jeder in diesem ganzen Imperium wird nur von Angst angetrieben", meint ein anderer Ex-Mitarbeiter in Bezug auf Musks Firmengeflecht, zu dem bekanntlich nicht nur Neuralink gehört.

Dementsprechend weise Neuralink eine hohe Personalfluktuation auf, die selbst die Crew betreffe, die das Unternehmen 2016 gestartet hatte. Musk holte damals acht Wissenschafter an Bord, von denen heute nur noch zwei dabei sind.

Forschungsmissverhältnis

Der einzige ehemalige Angestellte, der gegenüber "Fortune" nicht anonym bleiben wollte, ist Tim Hanson, der die Firma 2018 verließ. Er arbeitet heute am Janelia Research Campus des Howard Hughes Medical Institute und gehörte zum Gründungsteam von Neuralink, wo er am Operationsroboter arbeitete und an Tierversuchen beteiligt war. Es gebe ein Missverhältnis zwischen der Lösung von Technikproblemen und der Geschwindigkeit wissenschaftlicher Grundlagenforschung, sagt er. Letztere sei von Natur aus langsam.

Teilweise hätten Techniker Entscheidungen über Dinge wie Elektrodenaufbau treffen müssen, noch bevor es die dafür notwendigen Daten aus den Versuchsreihen gegeben habe. Letzteres dauere Monate bis Jahre, während die Ingenieure unter Druck gesetzt worden seien, Ergebnisse im Tages- oder Wochentakt zu liefern. (gpi, 1.2.2022)