Ein Universalimpfstoff müsste auf jene Teile des Virus abzielen, die immer unverändert bleiben – egal, wie sehr das Virus mutiert.

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326 Tage hat es von der ersten Sequenzierung des Coronavirus bis zur Zulassung des ersten Impfstoffs gedauert. Forschung, Entwicklung und Verteilung von Vakzinen liefen auf Hochtouren und die Zulassungsstudien oft parallel zur Produktion, um Prozesse möglichst kurz zu halten.

Jetzt, knapp zwei Jahre nach Pandemiebeginn, ist das Virus mehrmals mutiert. Die Impfstoffe sind auf Basis des ursprünglichen Virusstamms entwickelt worden und schützen dementsprechend am besten vor dem Corona-Wildtyp. Auch bei Omikron-Infektionen schützen die zugelassenen Impfstoffe zwar noch gut vor schweren Verläufen, der Schutz vor Ansteckung ist allerdings deutlich gesunken. Im Vergleich zum ursprünglichen Wildtyp weist Omikron rund 50 genetische Mutationen auf, es kann daher den Impfschutz besser umgehen.

Pharmaunternehmen arbeiten bereits an angepassten Impfstoffen. Eine klinische Studie zu einem Vakzin von Biontech/Pfizer, das speziell auf Omikron abzielt, läuft aktuell. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Impfstoff bis März fertig sein wird. Die Omikron-Welle wird dann laut Schätzungen und Modellrechnungen den Höhepunkt aber längst überschritten haben.

Angepasste Impfstoffe reichen nicht aus

Auf Dauer reiche es nicht aus, dem Virus hinterherzujagen und bei jeder neuen Variante den Impfstoff anzupassen, glaubt Anthony Fauci, US-Immunologe und Berater von US-Präsident Joe Biden. Ein Universalimpfstoff, der vor allen Coronaviren und ihren möglichen Mutationen schützt, sei ein "sehr, sehr wichtiges wissenschaftliches Ziel", sagte er vor wenigen Tagen bei einer virtuellen Diskussionsrunde des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Hoffnung auf einen solchen Universalimpfstoff gibt es. Linfa Wang ist Professor und Forscher am Emerging-Infectious-Diseases-Programm der Duke-NUS Medical School in Singapur und veröffentlichte im Oktober 2021 eine entscheidende Studie im Kampf gegen Coronaviren. Seine Forschung lieferte die ersten Daten, die darauf hindeuten, dass die Entwicklung eines weitgehend schützenden Universalimpfstoffs möglich sei.

Die Entwicklung eines solchen Impfstoffs ist allerdings wesentlich komplexer als die Entwicklung der Impfstoffe gegen den Wildtyp, weil bei Letzterem die genetische Sequenz des Virus bekannt war. Ein Universalvakzin müsste auch gegen virale Gensequenzen arbeiten, die noch gar nicht bekannt sind.

Neue Herangehensweise in der Forschung

Die erste Generation von Impfstoffen basierte auf Antikörpern, die das Spike-Protein, das das Virus verwendet, um in Zellen einzudringen, neutralisieren. Durch die Mutationen hat sich aber genau dieser Schlüsselteil des Virus verändert. Dem menschlichen Immunsystem fällt es zunehmend schwerer, das Virus zu erkennen.

In der Entwicklung eines Universalimpfstoffs braucht es einen anderen Ansatz. Forscher und Forscherinnen arbeiten daran, jene Teile des Virus zu identifizieren, die immer gleich bleiben – egal, wie sehr das Virus mutiert. Der künftige Universalimpfstoff soll dann den menschlichen Körper trainieren, diesen sogenannten konservierten Teil des Virus zu erkennen und eine Immunantwort auf eine Vielzahl an Coronaviren auszulösen.

Ein Team des Walter Reed Army Institute of Research des US-Militärs hat bereits seit April 2021 eine Studie zu einem möglichen Universalimpfstoff laufen. Erste Ergebnisse werden in Kürze erwartet.

Jeffery Taubenberger, Forscher am US National Institute of Allergy and Infectious Diseases, zeigt sich weniger optimistisch. Ein Universalimpfstoff sei eine "zu hohe Messlatte", zitiert die "Financial Times" den Wissenschafter. Schließlich habe das Coronavirus ähnlich wie das Influenzavirus die Fähigkeit, neue Stämme zu entwickeln, die einer bereits bestehenden Immunität entkommen. Bei der Influenza sei ein Universalimpfstoff auch noch nicht gelungen. Ein realistischerer Vorschlag sei ein Impfstoff gegen mehrere Varianten des Coronavirus, der alle fünf bis zehn Jahre aufgefrischt werden müsse.

Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (Cepi), eine Non-Profit-Stiftung, die die Entwicklung von Impfstoffen für neu auftretende Krankheiten finanziert, zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch, "im Laufe des Jahres 2023" einen variantensicheren Impfstoff zu haben. Ein bis zwei Jahre würde es dann noch bis zur Zulassung dauern. Einen möglichen Universalimpfstoff gegen alle für den Menschen gefährlichen Corona-Mutationen gäbe es demnach frühestens 2024 oder 2025: "Es ist ein langer Weg." (Magdalena Pötsch, 10.2.2022)