Langläuferin Carina Edlinger ...

Foto: APA/HANS PUNZ

... kann sich auch in Peking auf ihre "ausgelagerten Augen" verlassen. In die Loipe darf Assistenzhund Riley aber natürlich nicht mit.

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"Alles noch gesund." Die dieser Tage wichtigste Nachricht schickte Maria Rauch-Kallat, die Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committees (ÖPC), voraus, ehe sie am Montagvormittag in Wien das Team vorstellte, das Österreich bei den Winterspielen der Sportlerinnen und Sportler mit körperlichem Handicap ab 4. März in Peking vertritt. Das Aufgebot ist mit 22 Aktiven, darunter sechs Guides, klein und steht somit zahlenmäßig in keinem Verhältnis zu seinen paralympischen Ambitionen.

332 Medaillen, davon 104 in Gold gehalten, sicherten sich österreichische Teilnehmerinnen bisher bei Paralympischen Winterspielen, die erstmals 1976 in Örnsköldsvik, Schweden gegeben wurden. Und es spricht nicht gegen die Arbeit des ÖPC, sondern für die Entwicklung der Bewegung insgesamt, dass von Mal zu Mal weniger dazukommen. Seit die Spiele unter der Patronanz des IOC stehen und am selben Ort stattfinden wie die vorhergehenden Olympischen Spiele – winters also seit 1992 (Albertville) –, widmen sich wesentlich mehr Nationen ernstlich dem paralympischen Sport, im besten Fall als Ausdruck des Strebens nach Inklusion.

Nachtprogramm

Dass sie ernst genommen werden, liegt auch Carina Edlinger besonders am Herzen. Die Langläuferin, die wegen einer Erkrankung namens Morbus Stargardt sukzessive an Sehvermögen verliert, hält es für höchst angemessen, dass der ORF trotz der ungünstigen Sendetermine für Peking so viele Liveübertragungen wie noch nie bei Winterparalympics eingeplant hat. "Es ist höchste Zeit, dass die Leute sehen, was Para-Sport eigentlich ist", sagte die Salzburgerin aus Fuschl, die vor vier Jahren in Pyeongchang zur Bronzemedaille über 7,5 Kilometer im klassischen Stil gelaufen war.

In Peking nimmt Edlinger erstmals auch am Biathlon teil. Auch einen Guide muss die 23-Jährige erstmals in Anspruch nehmen – abgesehen von ihrem ständigen Begleiter namens Riley ("meine ausgelagerten Augen, mein Ein und Alles"), der als Assistenzhund die Reise nach China mitmacht.

Das erhöhte Interesse an den Paralympics belebte die Konkurrenz derart, dass Österreich vor vier Jahren mit nur zweimal Silber und fünfmal Bronze so schlecht wie nie zuvor abschnitt. Auch in Peking liegt ein ähnliches Ergebnis, wie es das Olympiateam nach Hause brachte, völlig außer Reichweite. Einerseits, weil wesentlich weniger Medaillenchancen geboten werden – 82 in sechs Sportarten –, vor allem aber, weil sich das ÖPC auf einige wenige Gelegenheiten konzentriert. Zwei Drittel des Aufgebots sind Alpine. Einen Anhaltspunkt, wohin die Reise gehen könnte, lieferten daher die erst im Jänner in Lillehammer und Hafjell, Norwegen, aufgeführten Para-Ski-Weltmeisterschaften, die Österreich zehn Medaillen, davon fünf Goldene, bescherten.

Erfolgreichster österreichischer Para-Skisportler war Markus Salcher, der mit zweimal Gold (Sotschi 2014, Abfahrt und Super-G) sowie dreimal Bronze auch der erfolgreichste noch aktive Winter-Paralympionik des ÖPC ist. Der seit seiner Geburt vor 30 Jahren halbseitig gelähmte Klagenfurter stand in den vergangenen Tagen in engem Austausch mit seinem Kärntner Landsmann Matthias Mayer.

Der dreifache Olympiasieger, der in Peking Gold im Super-G und Bronze in der Abfahrt gewonnen hatte, bestärkte Salchers Optimismus. "Der Schnee in China ist ein bisschen wie in Nordamerika. An sich taugt mir das."

Auch in anderen Sparten funktioniert der Austausch. Snowboard-Cross-Olympiasieger Alessandro Hämmerle unterstützt etwa den wegen einer Tibiaaplasie (fehlender Schienbeinknochen) unterschenkelamputierten Boardercrosser Rene Eckhart, der als Kaunertaler die Verabschiedung des Teams am Montagnachmittag durch seinen engeren Landsmann Alexander Van der Bellen besonders genoss. Heute (18.20, ORF 1) tritt übrigens das erfolgreiche Olympiateam zur Feier beim Bundespräsidenten an. (Sigi Lützow, 21.2.2022)