Seit Pandemiebeginn wird noch mehr via Internet bestellt als davor. Die Lockangebote führen nicht selten zur finanziellen Überlastung.

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Die Verlegung des Einkaufens ins Internet macht es möglich, rund um die Uhr zu shoppen. Ein Angebot hier, ein schneller Kauf da. Alles bequem von der Couch aus. Während der Corona-Lockdowns war das oft der einzige Weg, an Waren abseits von Lebensmitteln zu kommen.

Mit dem schnellen Shoppen häufen sich aber nicht selten die Rechnungen, die auch zum Problem werden können. Hinzu kommen verlockende Angebote wie "Kaufe jetzt, zahle später" oder die Möglichkeit der Teilzahlung.

Hoher Gesamtzinssatz

Wie teuer die Teilzahlung ist, wird vielen Kunden des Versandhandelsunternehmens Universal jetzt wohl bewusst. Das Angebot, seinen Einkauf beispielsweise über drei Jahre hinweg in Raten abzuzahlen, für einen Zinssatz von 1,65 Prozent pro Monat, klang für viele Kunden verlockend, also wurde diese Art der Bezahlung in den vergangenen Jahren oft gewählt. Übersehen wurde dabei, dass sich der monatliche Zinssatz im Jahr auf einen Satz von 19,8 Prozent summiert.

Die Teilzahlungskosten schlagen damit ordentlich zu Buche. Einschließlich der ebenfalls anfallenden Zinseszinsen ergibt das einen effektiven Zinssatz von 21,7 Prozent pro Jahr. Also gar nicht mehr so günstig wie geglaubt.

Auch wenn die Summe, von der die Zinsen berechnet werden, jeden Monat kleiner wird, summieren sich die Kosten für das Bezahlmodell im ersten Jahr auf über 200 Euro.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich dieses Teilzahlungsmodell genauer angesehen und befunden, dass diese Zinshöhe in Summe fragwürdig erscheint, und eine Klage gegen Universal Versand eingebracht. Gegenstand des Verfahrens waren unter anderem die Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu Zinseszinsen in Teilzahlungsvereinbarungen. Mit der Regelung sollte eine monatliche Verrechnung von Zinseszinsen bewirkt werden, die für den Durchschnittsverbraucher nicht erkennbar war, kritisiert der VKI.

Rückerstattung folgt

Der Oberste Gerichtshof (OGH) bestätigte die Rechtsansicht des VKI und erklärte die Klauseln für unzulässig, da diese Zinshöhe in Summe nicht klar ausgewiesen war – also für Kunden nicht klar erkennbar war, welche Kosten in Summe bei der Teilzahlung tatsächlich anfallen. Das hat zur Folge, dass Universal Versand bei Teilzahlungskaufverträgen nur die gesetzlichen Zinsen von vier Prozent verlangen darf und die Zinsdifferenz den betroffenen Konsumenten rückerstatten muss. Nicht geäußert hat sich der OGH zur Zinshöhe.

Der Spruch des OGH hat jedenfalls zur Folge, dass betroffene Kunden die zu viel bezahlten Zinsen zurückfordern können. Der VKI organisiert deshalb eine Sammelaktion für betroffene Kunden. Für die kostenlose Unterstützung des VKI ist eine Anmeldung unter verbraucherrecht.at/universalversand bis spätestens 30. April erforderlich.

Das Interesse an der Aktion ist groß. "Bereits eine Woche nach unserem Aufruf haben sich fast 200 betroffene Personen gemeldet", sagt Ulrike Wolf, Leiterin der Abteilung Sammelklagen des VKI.

Wer sich beim VKI meldet, für den wird der Verein die von Universal Versand unzulässig in Rechnung gestellten Teilzahlungskosten (Zinsen) zurückfordern. Potenziell betroffen sind all jene Konsumenten, die Verträge mit Teilzahlungen auf Basis der gesetzwidrigen Klauseln vereinbart hatten – also jedenfalls jene, die vereinbarte Teilzahlungsverträge bis Oktober 2020 haben.

Die kostenlose Sammelaktion umfasst sowohl beendete Abzahlungskäufe als auch aufrechte Verträge mit Teilzahlungsvereinbarungen. Universal darf sich nicht auf die gesetzwidrigen Klauseln berufen und hat bei Ratenzahlungsverträgen entsprechende Kompensationen zu leisten, heißt es im OGH-Spruch.

Der Rückerstattungsanspruch hängt klarerweise von der Höhe des zu bezahlenden Kaufpreises sowie der Laufzeit der Teilzahlungsvereinbarung ab. Beispielsweise würden Betroffene bei einem Abzahlungskauf von 1.000 Euro, mit einer Teilzahlungsvereinbarung von drei Jahren, rund 260 Euro an Zinsen rückerstattet bekommen.

Der Versandhändler hat seine Geschäftsbedingungen mittlerweile auch angepasst und schildert die zu bezahlenden Zinsen nun besser aus.

Wenn die Last zu groß wird

"Der Teilzahlkonsum führt oft zu großen Problemen", sagt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatung, der Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich. Die vermeintlich klein aussehenden Beträge würden oft zur Falle, wenn sich im Haushaltsbudget etwas verändert – etwa die Energiekosten steigen, was viele heuer noch treffen wird. Man darf laut Mitterlehner nicht vergessen, dass es eben oft jene Haushalte sind, bei denen das Geld ohnehin knapp ist, die auf "Kaufe jetzt, zahle später" oder Teilzahlung setzen.

Gudrun Steinmann von der Schuldnerberatung Wien ergänzt, dass auf die Teilzahlung oft erst gesetzt werde, wenn das Konto ohnehin schon überzogen ist. In Summe potenziere sich die Finanzlast oft über Jahre, bis sie kollabiert. Hinzu kommt, dass beim Onlineshopping Werbung viel gezielter ausgespielt wird – ein Produkt, das man sich einmal angesehen hat, begegnet einem immer wieder. Vor allem Jugendliche würden hier oft zum Konsum verleitet.

Zudem wächst das Angebot für Teilzahlungen. Der als Zahlungsabwickler gestartete Dienstleister Klarna bietet bereits 30 Tage Zahlpause an – per Knopfdruck. Wie hoch die Mahngebühren in dem Fall sind, ist der Homepage von Klarna nicht zu entnehmen. Im Punkt "Kosten und Gebühren" findet sich dieser Passus: "Mahngebühren werden in einem angemessenen Verhältnis zum geschuldeten Betrag erhoben". Auch der Verweis auf Paragraf 1333 Absatz 2 ABGB sagt dem Klarna-Kunden nicht, wie hoch die Mahnspesen sein werden – dieser Auszug aus dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch teilt dem Kunden lediglich mit, warum es zu einer Zinszahlung kommen kann. (Bettina Pfluger, 24.2.2022)