In der Gestik ist er ganz der Alte, aber die Leistung stimmt bei Cristiano Ronaldo aktuell nicht.

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Lionel Messi macht aus wenig Licht viel Schatten.

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Die Szene in Minute 79 im Wanda Metropolitano zu Madrid war symptomatisch. Manchester United, im Achtelfinalhinspiel der Champions League bei Atlético Madrid mit 0:1 im Rückstand, setzt seine Hoffnungen auf die Schusskraft von Cristiano Ronaldo. Zumindest wird dem Portugiesen die Ausführung eines Freistoßes aus aussichtsreicher Distanz nicht streitig gemacht, obwohl sich kaum noch jemand an den letzten direkt verwandelten Versuch von CR7 erinnern kann.

Tor der Jugend

Und auch diesmal streicht der scharfe Schuss weit übers Tor. Nur eine Minute später ist Ronaldo selbst weit vom Schuss, als der 19-jährige Wechselspieler Anthony Elanga den Ausgleich zum 1:1 besorgt, das den Engländern für das Rückspiel am 9. März alle Aufstiegsmöglichkeiten offenlässt.

Nicht undenkbar ist, dass ausgerechnet Ronaldo, der unangefochtene Rekordtorschütze der sogenannten Königsklasse, keine Rolle spielen darf. Die Euphorie über das Comeback des fünfmaligen Weltfußballers in Manchester ist der Ernüchterung gewichen. Zwar ist Ronaldo der aktuell erfolgreichste Torschütze beim englischen Rekordmeister, aber der 37-Jährige kann kaum mehr verhehlen, dass er im Spätherbst seiner Karriere stürmt. Coach Ralf Rangnick bemüht sich redlich, Diskussionen im Keim zu ersticken, die er selbst befeuert hatte, indem er dem Star öffentlich geraten hatte, mehr Tore zu schießen.

Lediglich vier Treffer gelangen Ronaldo, nachdem er Anfang Dezember des Vorjahres mit einem Doppelpack gegen Arsenal die Karriereschallmauer von 800 Pflichtspieltoren durchbrochen hatte. Was zählen schon die 450 Treffer für Real Madrid, 133 für ManUtd., 115 für Portugal, 101 für Juventus Turin und fünf für Sporting Lissabon, wenn er in diesem Jahr erst ein Erfolgserlebnis hatte?

In der vergangenen Woche war in der britischen Presse von einem Machtkampf zwischen Ronaldo und Kapitän Harry Maguire zu lesen, der gegen Atlético selbst immer wieder schlecht aussah. Coach Rangnick sah sich bemüßigt, den englischen Internationalen seines Amtes als Teamkapitän zu versichern. Dass die Frage für nächste Saison noch nicht geklärt sein soll, ist allerdings auch kein großer Triumph für Ronaldo.

Und es ist ihm wohl auch kein Trost, dass es Lionel Messi bei Paris Saint-Germain um nichts besser geht. Auch der Stern des Argentiniers ist am Verblassen. Zwar ist PSG trotz des jüngsten 1:3 in Nantes klar auf Titelkurs, sehr viel beitragen konnte der sechsmalige Weltfußballer aber nicht. Mit sieben Treffern aus 22 Pflichtspielen ist der 34-Jährige unter Schnitt.

Schmelz der Jugend

Wenn geschwärmt wird, dann von Kylian Mbappé. Dem Jungstar gehörten auch die Schlagzeilen nach dem Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Real Madrid. Während der 23-Jährige in der Nachspielzeit mit seinem Treffer eine Überlegenheit in den 1:0-Heimsieg umgemünzt hatte, blieb von Messi vor allem – auch ungerechterweise – ein vergebener Elfmeter in Erinnerung. Coach Mauricio Pochettino verweist auf eine nachwirkende Corona-Infektion Messis. Saisonfüllend ist das aber nicht. (Sigi Lützow, 24.2.2022)