Daniil Medwedew wird ab Montag als Nummer eins der Weltrangliste geführt.

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Man muss die Feste gar nicht feiern, wie sie fallen. Am Montag wird Daniil Medwedew Novak Djokovic an der Spitze der Tennisweltrangliste ablösen. Dafür hat der 26-jährige Russe sein Leben lang gearbeitet, davon hat er seit seiner Kindheit geträumt. Die Korken lässt Medwedew trotzdem nicht knallen. "In Zeiten wie diesen", sagt er, "versteht man, dass Tennis manchmal nicht so wichtig ist."

Während das russische Militär Richtung Kiew vorrückt, spielt Medwedew in Acapulco Tennis. "Hier in Mexiko aufzuwachen und die Nachrichten zu sehen war nicht einfach", beschreibt der letztjährige US-Open-Champion seinen Gemütszustand. Als Profi sei man in aller Herren Länder zu Hause. "Wir spielen in so vielen Städten, ich war schon als Junior in so vielen Ländern. Es ist nicht leicht, all diese Neuigkeiten zu hören." Als Tennisspieler werbe er für Frieden auf der ganzen Welt, er ist also eine Art Waluliso mit Filzkugel.

Daniil Sergejewitsch Medwedew wurde 1996 in Moskau geboren. Im Alter von sechs Jahren schlug der Sohn eines Computeringenieurs erstmals auf den Tennisball. Aber Sport ist nicht alles im Leben, man muss auch etwas Anständiges lernen. Medwedew widmete sich zunächst der Mathematik, ehe er sich in Moskau am Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen einschrieb. Irgendwann ließ der Lulatsch den alternativen Bildungsweg hinter sich und konzentrierte sich auf den Sport. 23 Millionen Dollar später lässt sich sagen: keine dumme Entscheidung.

Medwedew ist seit 2018 verheiratet, lebt mit seiner Frau Daria in Monte Carlo und trainiert in der Nähe von Nizza. Den Tennisfans gibt er Zuckerbrot und Peitsche. Medwedew provoziert, um sich später mit dem Publikum zu versöhnen. Daraus schöpft er Energie, das stachelt ihn an. Mit Stuhlschiedsrichtern gerät der Russe regelmäßig in Konflikt. Zuletzt fuhr er bei den Australian Open aus der Haut. "Bist du dumm? Oh mein Gott, du bist so schlecht", brüllte Medwedew den Umpire an. Und der Tennisstar hat sogar eine noch dunklere Seite: Er ist Fan des FC Bayern.

Zurück zu Krieg und Frieden. "Die Menschen müssen zusammenhalten", sagt Medwedew und verweist auf den jüngsten Erfolg einer russisch-ukrainischen Tennispaarung: "Das ist großartig." Die Armee wird Medwedew weiterhin nur aus der Ferne sehen: Er ist wegen gesundheitlicher Probleme im Kindesalter untauglich. Ein Schläger steht ihm auch besser als eine Waffe. Freilich: Wem nicht? (Philip Bauer, 25.2.2022)