Die Sanktionen gegen Russland bringen die VTB Europe unter Druck.

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Bei den Europa-Töchtern der russischen Banken geht es Schlag auf Schlag. Die Sberbank Europe AG mit Sitz in Wien wird wie berichtet abgewickelt. Und auch um das Schicksal der Europa-Tochter von Russlands zweitgrößter Bank VTB ist es schlecht bestellt. Behörden bereiten Insidern zufolge eine Schließung der VTB-Europa-Tochter vor. Grund seien die wachsenden Sorgen vor den Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf das Geldhaus nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine.

Die VTB Bank (Europe) SE ist in Frankfurt ansässig. Sie steht unter der unmittelbaren Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Der Betrieb könnte innerhalb von Tagen durch die Aufsichtsbehörden eingestellt werden. Die Bafin beobachte die Entwicklung sehr genau und sei bereit, zu handeln, falls dies notwendig werden sollte. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht getroffen worden, heißt es.

Die VTB hat in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass die Bank voll funktionsfähig ist. "Die wirtschaftliche Lage der VTB Bank (Europe) SE ist stabil und die Bank ist voll funktionsfähig", heißt es in der Mitteilung. Auf ihrer deutschen Internetseite schrieb die VTB, dass das Geld der Kunden sicher und die wirtschaftliche Lage der Bank stabil sei.

Österreich kaum betroffen

Zur Einordnung: Die VTB Bank ist mit 247 Milliarden Euro Bilanzsumme die zweitgrößte börsennotierte russische Bank. Sie gehört zu 61 Prozent dem Staat. Die Europa-Tochter in Frankfurt wies zuletzt eine Bilanzsumme von 6,8 Milliarden Euro aus. Sie entstand in ihrer heutigen Struktur im Jahr 2017, als die österreichische VTB-Tochter und die französische auf die Frankfurter Entität verschmolzen wurden. Die VTB Direktbank ist eine Zweigniederlassung der VTB Bank Europe SE und dient als Kundenstelle vor allem bei Sparprodukten.

In Österreich hat die VTB kein nennenswertes Geschäft mehr, die Konzession für Österreich ist mit der Überführung des Geschäfts ebenfalls nach Deutschland gewandert. Die VTB Europe hat mehr als vier Milliarden Euro Einlagen in Europa, hauptsächlich in Deutschland. Die Einlagen der Sparer sind durch die deutsche Einlagensicherung bis zu einer Summe von jeweils 100.000 Euro geschützt.

Schauplatzwechsel: In Österreich wird derzeit die Sberbank Europe AG abgewickelt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte der Bank in der Nacht auf Mittwoch die Fortführung ihres Geschäftsbetriebs untersagt, DER STANDARD berichtete ausführlich. Ein Regierungskommissär wurde von der FMA in die Bank geschickt, dieser prüft nun auch, ob und wann ein Insolvenztatbestand erfüllt ist.

Einlagen gesichert

Für die Einlagen der Sberbank Europe haftet die Einlagensicherung Austria (ESA). Es kommt immer die Einlagensicherung von dem Land zum Zug, in dem die Bank ihre Konzession hat. Im Fall der Sberbank wird die Haftung für die heimischen Banken teuer, weil mit Erste Bank und Raiffeisen auch jene Institute mitzahlen müssen, die eigene Auffangnetze für ihre Kunden gespannt haben.

Der vorläufige Aufwand beläuft sich auf rund 913 Millionen Euro. Dieser muss nun von allen Sicherungssystemen – also der ESA sowie den Sicherungssystemen der Raiffeisen-Gruppe und der Sparkassen – gedeckt werden. Die rund 35.000 Kunden der Sberbank Europe sind fast ausschließlich deutsche Privatkunden. Dass diesmal nicht nur die ESA, sondern alle Banken in Österreich für die gesicherten Sberbank-Einlagen einstehen müssen, liegt daran, dass die Sberbank Europe zum sogenannten gesonderten Rechnungskreis gehöre, erklärt ESA-Chef Stefan Tacke.

Die Auszahlung muss laut Gesetz innerhalb von zehn Tagen erfolgen. "In den nächsten Tagen werden alle Einleger einen Brief erhalten, in dem die erforderlichen weiteren Schritte erklärt werden", sagt Tacke.

Kommt es bei der Sberbank Europe zu einem Insolvenzverfahren, geht man bei der ESA davon aus, den größten Teil der für die Entschädigung verwendeten Mittel wieder zurückzubekommen.

In der Schweiz arbeitet die Sberbank nach eigenen Angaben wie gewohnt weiter. Der Pressedienst der Bank in Moskau teilte mit, die Schweizer Tochter sei nicht Teil der Sberbank Europe. (Reuters, bpf, 4.3.2022)