Haushalt und Kinder sind während der Pandemie noch mehr auf die Frauen zurückgefallen.

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Wien – Obwohl die Arbeitslosenzahlen sinken und die Corona-Maßnahmen erst vor kurzem gelockert wurden, hat die Pandemie weiterhin Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – besonders für Frauen. Sie haben Probleme, wieder in die Arbeitswelt einzusteigen, sagt Arbeiterkammer-Wien-Expertin Silvia Hofbauer im Gespräch mit der APA. Sie beobachtet einen Rückfall in klassische Geschlechterrollen.

Auf 376.861 Arbeitslose und Personen in Schulungen kam das AMS im Februar. 161.405 von ihnen waren Frauen, 215.456 Männer. Genau ein Jahr zuvor waren noch 508.923 Menschen arbeitslos oder in Schulungen; die Kurve zeigt also nach unten. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei aber nach wie vor hoch, erklärt Hofbauer.

Mehr langzeitarbeitslose Frauen

Im Februar waren 46.766 Frauen und 58.883 Männer langzeitarbeitslos oder langzeitbeschäftigungslos, also bereits seit mehr als einem Jahr ohne Job. Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit berücksichtigt auch Schulungen und lässt kurze Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit zu. Der Anteil an Langzeitarbeitslosen oder Langzeitbeschäftigungslosen unter den arbeitslosen Frauen betrug laut AMS im Februar 38,2 Prozent und war damit höher als bei den Männern (32,7 Prozent). Die Mehrheit der langzeitarbeitslosen Frauen (53,5 Prozent) hat seit einem bis zwei Jahren keinen Job – ein Zeitraum, der von der Pandemie abgedeckt wird –, bei den Männern ist die Mehrheit (56,8 Prozent) bereits mehr als zwei Jahre arbeitslos.

Hofbauer spricht von einem "Rückschritt in alte Verhaltensmuster". So seien Frauen bereits vor der Pandemie diejenigen gewesen, die ihre Arbeitszeit für die Kinderbetreuung reduzierten und in Karenz gingen. Haushalt und Kinder seien während der Corona-Krise noch mehr auf die Frauen zurückgefallen, die auch häufiger im Homeoffice arbeiteten. War die Kinderbetreuung nicht klar geregelt, weil Schulen und Kindergärten unvorhergesehen schlossen, konnten Frauen ihre Beschäftigungen nicht wieder aufnehmen oder sich eine Beschäftigung suchen. "Auch von außen wird das zur Aufgabe der Frauen gemacht", berichtet Hofbauer. Kindergarten und Schulen hätten sich an Mütter anstatt an Väter gewandt.

Pandemie verschlimmert Probleme

Bei Branchen wie Gastronomie und Tourismus – in denen überwiegend Frauen arbeiten – gebe es derzeit große regionale Unterschiede, so die AK-Expertin. Während viele Hotels Arbeitskräfte suchen würden, habe die Stadthotellerie in Wien weiter große Probleme. Diese Situation werde sich durch den Krieg in der Ukraine weiter verschlechtern.

Die Pandemie mache Themen, die für Frauen immer schon schwierig waren, noch problematischer, drückt es Hofbauer aus. Frauen mit Kindern würden unter der vor allem in ländlichen Gegenden nicht optimalen Kinderbetreuungssituation leiden. Sie seien weniger flexibel und könnten beispielsweise nicht einfach ein halbes Jahr lang in einem von ihrem Wohnort weit entfernten Hotel arbeiten. Außerdem habe nicht jede Familie zwei Autos, somit wird im ländlichen Raum auch die Mobilität beim Wiedereinstieg zum Problem.

"Weg in die Altersarmut"

Der Rückfall in alte Geschlechterrollen sei bis heute spürbar, erklärt Hofbauer, es werde noch "einiges an Unterstützungsarbeit für die Frauen brauchen". Die Gesellschaft müsse erkennen, dass es schwierig sei, in der Arbeitswelt Anschluss zu finden, wenn man lange zu Hause geblieben ist oder in geringer Teilzeit gearbeitet hat. Hofbauer spricht hier von einem "Weg in die Altersarmut". Sie plädiert für einen Ausbau der Kinderbetreuung, Ausbildungsgeld und eine Motivation für Mädchen, weniger gängige und besser bezahlte Berufe zu ergreifen.

Mit Ausbildungsprogrammen und der Corona-Joboffensive habe man bereits während der Krise versucht, der negativen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuarbeiten. "Damit darf man aber auch jetzt nicht aufhören, diese Perspektiven muss es weiterhin geben", sagt Hofbauer. Die Angebote müssten so gestaltet werden, dass sie auch für Frauen zugänglich sind. (APA, 7.3.2022)