Familien sollen durch die Software die Möglichkeit haben, vom Verlust eines Familienmitglieds zu erfahren.

Foto: Bernat Armangue

Die Ukraine setzt Gesichtserkennungssoftware von Clearview AI ein, um die Leichen gefallener russischer Soldaten zu identifizieren und ihre Familien ausfindig zu machen, sagt der ukrainische Vizepremierminister Mykhailo Fedorow.

Künstliche Intelligenz

"Aus Höflichkeit gegenüber den Müttern dieser Soldaten verbreiten wir diese Informationen über die sozialen Medien, damit die Familien zumindest wissen, dass sie ihre Söhne verloren haben, und damit sie die Möglichkeit haben, die Leichen abzuholen", sagt Fedorow in einem Reuters-Interview. Gegner der Gesichtserkennung, darunter auch Bürgerrechtsgruppen, haben die Einführung der Clearview-Software in der Ukraine abgelehnt. Sie verweisen auf mögliche falsche Identifizierungen.

Umstrittene Software

Nicht nur in der Ukraine ist die Software umstritten. Auch EU-Aktivisten reichten im Jahr 2021 Beschwerde gegen die Gesichtserkennungssoftware ein. Der Vorwurf damals: die künstliche Intelligenz würde aus Milliarden an Fotos im Netz eine Biometrie-Datenbank für Behörden erstellen. "Nur weil etwas online ist, ist es nicht automatisch Freiwild, das sich andere auf beliebige Weise aneignen können – das ist weder moralisch noch rechtlich zulässig", sagte damals auch Alan Dahi, Datenschutzjurist der österreichischen Datenschutzorganisation noyb. Dahl hatte sich mit seiner Organisation der Beschwerde ebenfalls angeschlossen. (Reuters, 24.3.2022)