Zwei Jahre Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine oder der Klimawandel – bedrückende Nachrichten kommen von vielen Seiten. Wenn dann auch noch berufliche oder private Herausforderungen dazukommen, gelangt man schnell an seine Grenzen. Dass gerade psychische Belastungen in den letzten Jahren zugenommen haben, zeigen aktuelle Umfragen. Zusätzlich zur psychischen Belastung durch die Pandemie ist nach dem Wiederanspringen der Wirtschaft auch der Arbeitsaufwand gestiegen, zeigt eine Umfrage des Instituts für empirische Sozialforschung (Ifes) im Auftrag der Gewerkschaft GPA.

Mit Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können belastende Faktoren reduziert werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von gesunder Ernährung in der Kantine oder einem Obstkorb beim Empfang zur freien Entnahmen über die Gestaltung der Arbeitsplätze bis hin zu Angeboten für mehr Bewegung und Fitness.

Um gesund zu bleiben, spielt auch die Psyche eine maßgebliche Rolle. Seit der Novelle zum Arbeitnehmerschutzgesetz 2013 sind Unternehmen verpflichtet, psychische Belastungen und Gefährdungen am Arbeitsplatz zu ermitteln und zu beurteilen. Der Fokus liegt hier aber auf dem unmittelbaren Arbeitskontext. Dazu zählen etwa beeinträchtigte Konzentration durch zu viel Umgebungslärm, schlecht funktionierende Arbeitsmittel, häufige Arbeitsunterbrechungen oder auch unklare Arbeitsaufträge und mangelnde Unterstützung.

Immer häufiger werden sogenannte Employee Assistance Programs (EAP) in Firmen implementiert. Hilfe gibt es dort auch bei privaten Problemen wie Trennungen.
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Ursprung in den USA

Als erste Ansprechpartner bieten viele Firmen Arbeitspsychologen und Coaches für ihre Mitarbeiter an. Immer häufiger werden auch sogenannte Employee Assistance Programs (EAP) in Unternehmen implementiert. Das Beratungsangebot bei diesem Programm ist breiter gefasst. Nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch Familienangehörige, die im gleichen Haushalt leben, können sich bei externen Beratungspartnern auch bei privaten Problemen Hilfe holen.

Entstanden sind dieses Programme in den 1940er-Jahren in den USA – vorwiegend, um Beschäftigte mit Suchtproblemen zu unterstützen. Kriegsrückkehrer kamen oft traumatisiert zurück und suchten nicht selten Trost im Alkohol. Dazu kam, dass Alkoholsucht als Krankheit, die behandelbar ist, erkannt wurde. Als Form der betrieblichen Sozialarbeit sollten mit diesen Programmen Mitarbeiter angesprochen werden, die sonst eher selten Beratungsangebote in Anspruch nahmen. In den USA gehören EAPs heute in den meisten Firmen zum Unternehmensalltag. In Österreich sei diese Art der Unterstützung noch nicht so alltäglich, wenn auch das Interesse der Betriebe im Steigen sei, sagt Cornelia Martens, Geschäftsführerin des EAP-Instituts in Wien.

Breites Angebot

"Die Themenpalette bei EAPs ist viel breiter. Unterstützung gibt es auch für private Probleme wie Trennungen, Trauerbegleitung oder bei Schwierigkeiten mit den Kindern." In der Regel werde nach sechs Beratungsstunden das Thema einer Lösung zugeführt. "Das hängt von dem jeweiligen Rahmenvertrag mit dem Unternehmen ab." In manchen Fällen kann auch Rechtsberatung in Anspruch genommen werden. Klar abgrenzen möchte sich Martens von der Psychotherapie. "Wenn der Klient an schweren Depressionen, Angstzuständen oder Ähnlichem leidet, reichen sechs Stunden nicht aus. Da braucht es dann eine längerfristige Therapie." In solchen Fällen gebe es für den Klienten aber Unterstützung, das richtige Angebot zu finden. "Denn die Berater sind Therapeuten im Grundberuf."

Die Hemmschwelle, psychologische Unterstützung anzunehmen, ist bei diesem Programm niedrig. Nach einem telefonischen Erstgespräch werde die Problemlage definiert, um die bestmögliche Unterstützung zu finden. Danach trifft man sich außerhalb des Büros, und wenn es die Corona-Situation erlaubt, auch Face to Face. Es werde eng mit den betriebsinternen Angeboten von Arbeitsmedizinern und Arbeitspsychologen zusammengearbeitet.

Zwei Drittel der Themen sind aus dem privaten Bereich. "Die Klienten sind oft ganz erstaunt, wie wenig es braucht, um wieder gefestigt zu sein", ergänzt sie. Durch die Pandemie habe sich aber der Themenschwerpunkt Kinder betreffend stark verändert. Waren es früher Dinge wie die Abklärung von Legasthenie oder Rechenschwäche, sind es mittlerweile stärker psychotherapeutische Fragen, die Eltern beschäftigen. (Gudrun Ostermann, 1.4.2022)