Matura bestanden, und jetzt? Diese Frage stellen sich wohl viele nach dem Schulabschluss. Eine Lehre ziehen nur wenige in Betracht. Warum sie sich gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden haben, erzählen eine Konditorin, ein Mechatroniker und eine kaufmännische Angestellte. Über den Wunsch nach einem sicheren Job und Tortenbacken in Paris.

Dieser Text ist am 4. April 2022 in unserem Magazin "Mein Job. Mein Leben." erschienen.
Foto: DER STANDARD

Maximilian Felbermayer (22): "Ich habe meine Entscheidung nie bereut"

Viele sehen die Lehre nicht als Alternative zu einem Studium – und das meiner Meinung nach zu Unrecht. Ich habe 2018 meine Matura an einer Handelsakademie gemacht. Wie die meisten meiner Klassenkolleginnen und -kollegen konnte ich der Idee zu studieren zunächst etwas abgewinnen. So richtig festlegen wollte ich mich aber trotz Schnuppertagen und Info-Veranstaltungen an Unis und FHs nicht. Ich habe dann erst einmal meinen Zivildienst gemacht und habe die Zeit genutzt, um herauszufinden, was ich wirklich will.

Ich interessiere mich sehr für Technik und dachte mir, dass ich mir eine Berufsausbildung in diesem Bereich gut vorstellen könnte. Meine Eltern haben mich schon unterstützt, aber ein bisschen Skepsis war gerade anfangs doch dabei. Ich habe mich dann beim Arbeitsmarktservice beraten lassen, weil ich mir nicht sicher war, ob eine Lehre wirklich eine gute Wahl für mich wäre. Dort habe ich durchwegs positive Rückmeldungen erhalten und konnte damit auch meine Familie überzeugen.

Maximilian Felbermayer ist derzeit im dritten Lehrjahr als Mechatroniker.
Foto: Marie Haefner

Kurz darauf habe ich meine Lehre als Mechatroniker für Automatisierungstechnik begonnen und bin nun im dritten Lehrjahr bei Siemens in Wien. Für mich war es definitiv die richtige Entscheidung, und ich habe sie nie bereut. Von meinen ehemaligen Klassenkollegen habe ich schon den ein oder anderen schiefen Blick bekommen. Obwohl sich hier zum Glück etwas tut, denken viele immer noch, für einen guten Job müsse man studieren. Gerade bei dem aktuellen Fachkräftemangel finde ich diese Ansicht total veraltet. Und wenn man dann doch studieren will, gibt es immer noch die Möglichkeit der Erwachsenenbildung.

Lena Zachs (20): "Über die Lehre wurde nie so richtig gesprochen"

In meinem Jahrgang war ich die Einzige, die nach der Matura nicht studiert hat. Zu meiner Lehrstelle bin ich über ein Praktikum bei der Patisserie Crème de la Crème in Wien gekommen, das ich in den Sommerferien vor meinem letzten Schuljahr gemacht habe. Ich habe mich damals initiativ beworben, weil es mir dort einfach so gut gefallen hat. Während der Vorbereitung auf die Matura habe ich lange überlegt, was ich danach machen möchte. Trotz der vielen Info-Veranstaltungen und der großen Auswahl an Studiengängen hat mich nichts so richtig angesprochen. Und dann dachte ich: Warum werde ich nicht Konditorin?

Kurz darauf bin ich vom Burgenland nach Wien gezogen und habe die Lehre begonnen. Durch die verkürzte Lehrzeit habe ich im Herbst meinen Abschluss gemacht und mich dann nach Weiterbildungen umgesehen – und bin fündig geworden. Anfang April geht es für mich nach Paris an die renommierte Akademie Ferrandi. Das Programm besteht sowohl aus Theorie als auch aus einem praktischen Teil in einer französischen Patisserie. Manchmal frage ich mich, ob ich mich schon früher für eine Lehre mit Matura hätte entscheiden sollen. In meiner Branche ist es auch möglich, Teilzeit zu arbeiten und nebenbei zu studieren.

Im April geht es für Lena Zachs nach Paris. Das Foto zeigt sie bei ihrem alten Arbeitgeber.
Foto: Marie Haefner

Aber über die Lehre als Bildungsweg wurde nie so richtig gesprochen. Auch meine Schulkolleginnen und -kollegen haben sich damals über meine Entscheidung gewundert. Ich könnte mir aber keinen Job vorstellen, der besser zu mir passt, und im Nachhinein sind einige auf mich zugekommen und haben mich nach meinen Erfahrungen gefragt. Wenn ich zurück nach Österreich komme, möchte ich meinen Meister machen, um irgendwann meine eigene Konditorei zu eröffnen.

Carina Luisser (22): "Ich habe versucht, die Erwartungen anderer zu erfüllen"

Nach meiner Matura 2018 habe ich mich voller Zuversicht ins Studentenleben gestürzt. Weil ich schon immer in der Apotheke arbeiten wollte, habe ich mich für Pharmazie inskribiert. Bereits nach kurzer Zeit habe ich aber gemerkt, dass das Studium sehr lernintensiv ist und mir nicht wirklich liegt. Danach habe ich mich für einen anderen Studiengang angemeldet und dort dieselbe Erfahrung gemacht. Dass ich eigentlich nicht wirklich gut im klassischen Lernen bin, wusste ich zwar schon lange. Dennoch wollte ich meiner Familie zuliebe an der Uni bleiben. Sogar mit einem dritten Studium habe ich es versucht. Bis ich letztendlich den Entschluss gefasst habe, dass ich eine Lehre machen möchte.

Carina Luisser hat im Herbst ihre Lehre in einer Grazer Apotheke begonnen.
Foto: Lena Prehal

Um schnell einen Ausbildungsplatz zu finden, habe ich gefühlt jede Apotheke in Graz angeschrieben und viele Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Im September habe ich dann meine Lehre als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte begonnen. Die Erwartungen meiner Familie rührten wahrscheinlich daher, dass ich in der Schule immer gut war. Ich musste aber nie viel lernen und bin eher so durchgerutscht. Als ich mich mit 15 nach einer Lehrstelle umsehen wollte, hielten meine Eltern das für keine gute Idee. Sie meinten, ich solle lieber weiter zur Schule gehen.

Meine Freunde haben mir immer geraten, dass ich das machen soll, was mich wirklich glücklich macht. Ich glaube, dass das schlechte Image der Lehre auch daher kommt, dass Titel in Österreich so einen hohen Stellenwert haben. Nachdem meine Familie gemerkt hat, wie zufrieden ich jetzt bin, sehen sie das Thema Lehre auch anders. (Anika Dang, 5.4.2022)