Budapest – Die Beteiligung an den ungarischen Parlamentswahlen am Sonntag ist um 15.00 Uhr bei 52,75 Prozent gelegen. Bei den Wahlen 2018 betrug die Zahl laut Nationalem Wahlbüro (NVI) 53,64 Prozent. Aktuell stimmten über vier Millionen Wahlbürger ab, was bisher ohne größere Zwischenfälle erfolgte, schrieb das Onlineportal "index.hu". Letzte Umfragen sahen die Fidesz von Premier Viktor Orbán vor dem Sechs-Parteien-Bündnis mit Spitzenkandidat Péter Márki-Zay in Führung.

Laut Medienberichten gibt es auch im Ausland ein großes Interesse bei dort lebenden und arbeitenden ungarischen Bürgern hinsichtlich der Stimmabgabe sowie lange Schlangen vor ungarischen Auslandsvertretungen. In 97 Ländern kann in 145 Vertretungen abgestimmt werden. Es gab häufig Kritik wegen erschwerter Abstimmung.

Schwankende Umfragewerte

Meinungsforschungsinstitute hatten im Vorfeld der Wahl zwischen Fidesz und der Oppositionsallianz Stimmenunterschiede von zwei bis 13 Prozent prophezeit: Politico 50:44 %, Median 49:43 %, Nézöpont 50:43 %, Reál PR 54:41 %. Dabei wurde Fidesz das Erreichen von 110 bis 120 der insgesamt 199 Mandate prophezeit, womit die Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlt würde.

Ausgehend von den aktuellen Zahlen rechnet der Analyst Ervin Nagy mit einer Wahlbeteiligung von 65 Prozent, die hinsichtlich vergangener Wahlen als durchschnittlich gelte, schrieb das Onlineportal. Eine niedrige Wahlbeteiligung würde vor allem die Regierungskräfte begünstigen.

Premier Viktor Orbán bei der Stimmabgabe mit seiner Frau Anikó Lévai.
Foto: FERENC ISZA / AFP

Orbán zeigte sich in Budapest zuversichtlich, als Gewinner aus der Abstimmung hervorzugehen. Márki-Zay hofft indes, dass die Wahl den Verlauf der ungarischen Geschichte ändere, sagte der 49-Jährige bei der Stimmabgabe. "Wir kämpfen für Demokratie, wir kämpfen für Anstand", betonte er.

Die Wahllokale schließen um 19 Uhr. Erste Ergebnisse werden einige Stunden später erwartet. Bei der letzten Wahl im April 2018 lag die Wahlbeteiligung bei 70 Prozent und damit höher als bei den Urnengängen zuvor. Damals holte Orbán eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Seine Fidesz-Partei kam auf 133 des 199 Sitze umfassenden Parlaments.

Ein offizielle Wahlergebnis hinsichtlich der Einzelwahlkreise soll es spätestens am 9. April geben, das offizielle Landesergebnis spätestens am 22. April, wobei das neue Parlament bis zum 3. Mai konstituiert werden muss.

Parallele Volksabstimmung

Gleichzeitig mit den Parlamentswahlen findet eine Volksabstimmung über das umstrittene "Anti-Pädophilie-Gesetz" statt, das auch internationale massive Kritik fand. Das Gesetz umfasst auch strenge Verbote der Darstellung von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit in Bildungseinrichtungen und jugendfreien Medieninhalten. Bis 15.00 Uhr stimmten 52,18 Prozent der Wähler für das Gesetz. (APA, Reuters, red, 3.4.2022)