Robert Sedlacek war Bundesliga-Schiedsrichter und seit zwölf Jahren Präsident des Wiener Fußballverbandes.

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Der Vorfall vom Wochenende auf einem Wiener Fußballplatz schlug hohe Wellen.

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Wien – "Das ist ein Akt der Gewalt, den wir aufs Schärfste verurteilen, das ist nicht zu tolerieren." Robert Sedlacek ist Präsident des Wiener Fußballverbandes (WFV), und natürlich ist auch er entsetzt darüber, was sich am Sonntagnachmittag auf einem Fußballplatz in der Heuberggstättenstraße in Favoriten abgespielt hat.

Beim Spiel GS United gegen den SV Penzing in der 1. Klasse A im Unterhaus des Wiener Fußballs wurde ein Penzinger Spieler mit einem Kopftritt schwer verletzt. Zuerst von zwei Gegenspielern mit einem Kopfstoß und einem Faustschlag attackiert, wurde der 28-Jährige schließlich von einem Zuschauer mit Fußtritten gegen den Kopf bewusstlos geschlagen. Ein Rettungshubschrauber transportierte das Opfer ins Spital, am Montag ging es ihm laut einem Sprecher des Wiener AKH bereits besser.

Der Trainer des SV Penzing, Helmut Cesnek, war geschockt. "Ich bin seit 33 Jahren im Fußball, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Vor allem nicht in dieser Rohheit und Unmenschlichkeit."

Keine Regelmäßigkeit

Robert Sedlacek ist seit mehr als 20 Jahren im WFV tätig, seit zwölf Jahren steht er ihm als Präsident vor. "So etwas passiert nicht dauernd, und das ist auch kein spezielles Problem des Wiener Fußballs. Ich will mich nicht wichtig machen, aber mich würde interessieren, was der ÖFB zum Thema Gewalt auf dem Fußballplatz zu berichten hat, nämlich österreichweit", sagt der 66-Jährige zum STANDARD.

Erfahrungsberichte ehemaliger Spieler aus dem Unterhaus zeugen von gehäuften Fällen von Gewalt. Sedlacek sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Die Zeiten haben sich geändert. Wir haben Kriege in Europa und auf der ganzen Welt, die Aggression steigt. Warum soll es im Sport sanft zugehen? Man braucht sich nicht wundern, wenn sich das auch im Fußball niederschlägt. Das entschuldigt natürlich niemals ein derartiges Fehlverhalten."

Am Mittwoch tagt der Strafausschuss des WFV. Er wird aber wohl noch zu keinem Urteil kommen, da die Ermittlungen von der Polizei bis dahin noch nicht abgeschlossen sein dürften. Das Spiel wurde auch per Livestream ins Internet übertragen, die Polizei wertet das Videomaterial aus. Sedlacek: "Ich will niemanden vorverurteilen oder freisprechen, aber alle Schuldigen werden zur Rechenschaft gezogen werden." (Florian Vetter, 5.4.2022)