Spürbar besser gestellt ist der ukrainische Pass seit Ausbruch des Krieges. Während sein russisches Pendant quasi auf Ramschstatus heruntergestuft wurde.

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London – "Sechs Wochen nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine sind die Auswirkungen auf die Reisefreiheit und Mobilität dramatischer, als selbst die pessimistischsten Kommentatoren zu Beginn des Krieges vorausgesagt hatten." So resümieren die Macher des Henley Passport Index – einer Rangliste aller Reisepässe der Welt nach der Anzahl der Reiseziele, zu denen ihre Inhaber ohne vorheriges Visum Zugang haben. Der Index zeigt deutlich die tiefgreifenden Auswirkungen des Krieges auf die Reisefreizügigkeit in der Region.

Die EU, die USA, Kanada und andere westliche Länder haben ihren Luftraum für Russland geschlossen, strenge Reiseverbote für einzelne russische Staatsbürger verhängt und in vielen Fällen die Bearbeitung von Visumanträgen ganz eingestellt: Der russische Pass habe in weiten Teilen der entwickelten Welt Ramschstatus, heißt es bei Henley und Partner.

Ukrainischer Pass aufgewertet

In krassem Gegensatz dazu hat die EU einen Notfallplan verabschiedet, der es Ukrainern erlaubt, bis zu drei Jahre lang in jedem ihrer 27 Mitgliedsstaaten zu leben und zu arbeiten, während andere westliche Länder ihre Visapolitik zugunsten von Inhabern ukrainischer Pässe angepasst oder die Visumpflicht ganz aufgehoben haben.

Laut dem jüngsten Henley Passport Index, der sich auf exklusive Daten der International Air Transport Association (IATA) stützt, hat der ukrainische Pass derzeit einen Wert von 143. Das heißt, man darf mit ihm in 143 Länder visumfrei einreisen beziehungsweise bekommt man damit problemlos ein Visum bei der Einreise. Das sei ein Rekordhoch für das Land, das nun auf Platz 34 des Index steht (und sich seit 2012 um 26 Plätze verbessert hat), während Russland mit einem Wert von 117 auf Platz 49 zurückgefallen ist. Ein Abstand, der sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich noch vergrößern wird, heißt es.

Japan und Singapur teilen sich weiterhin den ersten Platz in der Rangliste, da die Inhaber ihrer Reisepässe zu 192 Zielen in der ganzen Welt visumfrei einreisen können, wobei vorübergehende Beschränkungen durch Covid-Maßnahmen nicht berücksichtigt werden.

Kluft wird größer

Deutschland und Südkorea liegen gemeinsam auf Platz zwei mit einem Wert von 190 für visafreie Einreise, während sich Finnland, Italien, Luxemburg und Spanien den dritten Platz teilen. Die Inhaber dieser Reisepässe können 189 Reiseziele auf der ganzen Welt besuchen, ohne im Voraus ein Visum beantragen zu müssen. Der österreichische Pass landet mit einem Wert von 188 gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden und Schweden auf Rang vier.

Das Vereinigte Königreich, das vor kurzem alle verbleibenden Covid-bezogenen Beschränkungen aufgehoben hat, liegt nun mit einer Punktzahl von 187 auf Platz fünf, während die USA mit einer Punktzahl von 186 nur einen Platz dahinter auf Platz sechs rangieren. Afghanistan bleibt am unteren Ende des Index, da seine Staatsangehörigen nur in 26 Länder visumfrei einreisen können.

Christian H. Kaelin, Chairman von Henley und Partner, sagt in der entsprechenden Aussendung, dass die jüngste Aktualisierung eine einzigartige Momentaufnahme einer unbeständigen und sich schnell verändernden Welt darstellt: "Da der Wert des russischen Passes rapide abnimmt und die Welt ihre Türen für Ukrainer öffnet, ist es mehr als deutlich, dass der Pass, den man besitzt, über das eigene Schicksal entscheidet und die Chancen, die man hat, drastisch beeinflusst. Es ist zwar unmöglich vorherzusagen, wie die Welt im Schatten eines neuen Kalten Krieges aussehen wird, aber der jüngste Index deutet darauf hin, dass die Kluft zwischen Russland und einem Großteil der westlichen Welt nur noch größer werden wird", wird er zitiert. (red, 5.4.2022)

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