Unmittelbar nach dem Tod des jungen Mannes durch Schüsse eines Polizisten versammelten sich Hunderte in den Straßen von Minneapolis zu Demonstrationen.

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Washington– Nach dem erneuten Tod eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz in der US-Metropole Minneapolis will die Staatsanwaltschaft den Fall nicht weiter strafrechtlich verfolgen. Nach einer gründlichen Prüfung gebe es dafür keine ausreichenden Beweise, teilten die zuständigen Ermittler am Mittwoch mit. Nach dem Gesetz sei es Polizeibeamten gestattet, in Ausübung ihres Dienstes tödliche Gewalt anzuwenden.

Eine Schusswaffe, die das 22-Jährige Opfer in der Hand gehalten habe, habe für die Polizei eine konkrete Bedrohung dargestellt, hieß es. Der Fall hatte im Februar landesweit Bestürzung ausgelöst. Der 22-Jährige wurde damals von einem Beamten erschossen, nachdem die Polizei aufgrund eines Durchsuchungsbefehls eine Wohnung betreten hatte. Auf einem Körperkameravideo des Einsatzes war zu sehen, wie sich Beamte Zutritt zur Wohnung verschaffen und dann lautstark ihre Anwesenheit ankündigten. Nur wenige Sekunden später trat ein Polizist gegen ein Sofa. Daraufhin begann der 22-Jährige, der in eine Decke gehüllt auf dem Sofa lag, sich zu bewegen. Er hatte eine Pistole in der Hand. Ein Beamter feuerte daraufhin sofort mehrere Schüsse ab.

Eltern des Opfers sprechen von Hinrichtung

Die Staatsanwaltschaft stellte nun klar, dass das Opfer weder ein Verdächtiger in den Ermittlungen gewesen noch in den Durchsuchungsbefehlen genannt worden sei. "Er sollte heute am Leben sein, und sein Tod ist eine Tragödie", hieß es in der Mitteilung. Bei dem 22-Jährigen handle es sich um ein Opfer. Die Gesamtheit der Umstände ließe aber keine Strafverfolgung zu. Dazu zählen der Staatsanwalt nach die Tatsachen, dass die Beamten in einem Mordfall ermittelten, die Verdächtigen sich noch auf freiem Fuß befanden, die Verdächtigen als gewalttätig galten und eine unbekannte Person eine Schusswaffe in Richtung eines Beamten hielt.

Bürgerrechtler hatten die Art und Weise, wie die Durchsuchung ablief, kritisiert. Die Eltern des 22-Jährigen warfen den Beamten vor, ihren Sohn beim Aufwachen hingerichtet zu haben. In Minneapolis wurde vor rund zwei Jahren der Schwarze George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet. Dies führte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus – und auch international zu viel Kritik. (APA, 6.4.2022)