Im Vorjahr verlängerte die OMV ihre jahrzehntelange Gaspartnerschaft mit Gazprom, zu sehen ein Bild von Dezember 2016.

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Die enge Verzahnung mit Russland hat rote Spuren durch die Bilanz des ersten Quartals der OMV gezogen. Der teilstaatliche Ölkonzern muss wegen des Ukraine-Krieges insgesamt zwei Milliarden Euro abschreiben. Davon entfällt eine Milliarde auf die umstrittene, inzwischen auf Eis gelegte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist. Eine weitere Milliarde wird für den Viertel-Anteil der OMV am Juschno-Russkoje-Gasfeld fällig, gab die OMV am Freitag in ihrem Quartalszwischenbericht bekannt.

Damit fallen die Abschreibungen deutlich höher aus, als es Konzernchef Alfred Stern Mitte März erwartet hatte. Damals ging er noch von Wertberichtigungen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro aus. "Wir haben das Risiko unterschätzt, das sich mit Russland ergibt", sagte er, aber so sei es vielen ergangen. Schon zuvor hatte die OMV erklärt, dass Russland künftig keine Kernregion mehr sei und man dort keine Investitionen mehr tätigen wolle.

Verlängerte Gasverträge

Aufrecht bleiben jedoch die jahrzehntelangen Gaslieferverträge mit dem russischen Gaskonzern Gazprom, an dem der Staat die Mehrheit hält. Die seit Jahrzehnten laufenden Lieferverträge wurden erst vor einem Jahr bis 2040 verlängert. Die Lieferverträge mit Russland seien "wichtig für die Versorgungssicherheit". Ein Ausstieg aus dem Vertrag werde nicht geprüft, sagte Stern Mitte März. Dennoch, nach dem am Donnerstag vereinbarten EU-Boykott von russischer Kohle rücken auch Öl- und in weiterer Folge wohl auch Gaslieferungen zunehmend in die Diskussionen über mögliche weitere Sanktionen der Union gegen Russland.

Da passt es gut, dass die unter Sterns Vorgänger Rainer Seele mit dem Kauf der Mehrheit an dem Kunstoffkonzern Borealis bereits jenen Strategieschwenk eingeleitet hatte, der heuer endgültig abgesegnet wurde: Dieser sieht eine schrittweise Abkehr von Öl und Gas vor, im Gegenzug soll das Kunststoffgeschäft ausgebaut werden. Zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen will die OMV bis 2030 fünf Milliarden Euro in neue Geschäftsfelder investieren, vor allem in Geothermie und in die Abscheidung und Speicherung von CO2.

Im ersten Quartal 2022 sorgte just das heikle Erdgas bei der OMV für einen Rückgang der Gesamtproduktion auf 457.000 Fass Öl-Äquivalent pro Tag, was um sieben Prozent unter dem Vorquartal liegt. Gegenüber dem ersten drei Monaten des Vorjahres ist der Rückgang noch etwas stärker. Dabei wurde um zwölf Prozent weniger Gas gefordert, während die Öl-Erzeugung sogar um ein Prozent zulegte.

Preise emporgeschnellt

Kräftig emporgeschnellt sind dafür die im ersten Quartal im Durchschnitt von der OMV realisierten Preise. Mit etwas mehr als 102 US-Dollar lagen sie um mehr als ein Viertel über dem Mittel der vorangegangenen drei Monate. Bei Erdgas betrug der Durchschnittspreis mit fast 101 Euro je Megawattstunde um sechs Prozent mehr als im Mittel des Vorquartals.

Neben den rasant gestiegenen Öl- und Gaspreisen profitierte die OMV auch von einer höheren Raffinerie-Referenzmarge, die auf 9,75 Dollar je Barrel kletterte. Das entspricht einem Anstieg um mehr als die Hälfte verglichen mit dem Wert des Vorquartals von 6,25 Dollar je Fass. Die positiven Effekte seien aber durch höhere Energiekosten und Rohölpreisunterschiede mehr als aufgehoben worden, erklärte die OMV. Die Ergebnisse für das erste Quartal wird der Ölkonzern am 29. April veröffentlichen. (Alexander Hahn, 08.04.2022)