Nach der Tat erhöhte die New Yorker Polizei ihre Präsenz in den U-Bahnen.

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New York – Nach den Schüssen in der New Yorker U-Bahn ist eine Belohnung von 50.000 Dollar (rund 46.000 Euro) für Hinweise zur Festnahme des Tatverdächtigen ausgelobt worden. "Wir tun alles, was wir können, um den Mann zu fassen, der für diesen abscheulichen Angriff auf unsere Fahrgäste verantwortlich ist", sagte der Chef der New Yorker Verkehrsbetriebe (MTA), Janno Lieber. Eine Großfahndung sei eingeleitet worden.

"Wir bitten jeden mit Informationen um Hilfe", sagte Chefermittler James Essig. Handyvideos, Zeugenhinweise oder Hinweise zur Identität des Täters oder des Kleinlaster-Mieters seien wichtig. Die Belohnung kam mit Beiträgen der MTA, der Verkehrsbetriebe-Gewerkschaft und der Polizeistiftung zustande.

Laut Polizeichefin Keechant Sewell wird ein "dunkelhäutiger" Mann als "Person von Interesse" gesucht. Er habe sich in der U-Bahn-Garnitur im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine Gasmaske aufgesetzt und zwei Kanister geöffnet, aus denen Rauch austrat, als der Zug in den Bahnhof einfuhr, sagte Sewell. Dann habe er auf Passagiere geschossen. Zehn Menschen erlitten Schussverletzungen, 13 erlitten Rauchgasvergiftungen oder verletzten sich auf der Flucht.

Weitere Munition gefunden

Es sei großes Glück, dass nicht noch Schlimmeres passiert sei, erklärte Sewell. Laut Polizei feuerte der Mann mit einer Glock-Pistole 33 Schüsse ab. Am Tatort fanden die Ermittler zudem weitere Pistolenmagazine und eine Axt.

Sewell zufolge hat der gesuchte 62-Jährige vor der Tat mehrere Videos auf Youtube veröffentlicht, in denen er lange und teilweise aggressive politische Tiraden von sich gibt und New Yorks Bürgermeister Eric Adams kritisiert. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es den Ermittlern zufolge nicht. Adams' Polizeischutz werde aber vorsichtshalber aufgestockt, hieß es. Der Bürgermeister ist derzeit wegen einer Corona-Infektion in Isolation in seiner Residenz auf der Upper East Side Manhattans.

Schüsse in U-Bahn

Der Verdächtige hatte laut den Ermittlern in Philadelphia einen Kleinlaster gemietet. Der Schlüssel des Fahrzeugs sei in einer Tasche am Tatort gefunden worden, die möglicherweise dem Täter gehört. Der Klein-Lkw war nach dem Vorfall in einem anderen Teil von Brooklyn gefunden worden. Ob es sich bei dem Verdächtigen, der Wohnsitze in Philadelphia und Wisconsin haben soll, auch um den Täter handelt, war aber noch unklar.

Bei dem Vorfall während der Hauptverkehrszeit Dienstagfrüh hatte ein Mann ersten Erkenntnissen zufolge in der U-Bahn das Feuer eröffnet. Er saß demnach im zweiten Wagen eines Zugs der Linie N auf dem Weg nach Manhattan zwischen der Station 59 St und 36 St in einer hinteren Ecke, trug eine orange-grüne Bauarbeiterweste, eine Corona-Schutzmaske, einen grauen Kapuzenpullover und einen neongrünen Bauarbeiterhelm.

Dann soll er sich eine Art Gasmaske übergezogen und zwei Kanister geöffnet haben, aus denen Rauch oder Nebel strömte. Daraufhin eröffnete er das Feuer. Insgesamt soll er 33-mal geschossen haben. Der Mann konnte fliehen – wie ihm das gelang, war ebenso wie sein Tatmotiv zunächst noch unklar.

23 Verletzte

In der Station 36 St im Viertel Sunset Park hielt der Zug. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen aus dem Wagen strömten, umgeben von Nebel- oder Rauchschwaden, einige blieben am Boden liegen, Blut war zu sehen, andere kümmerten sich um Verletzte.

Mindestens 23 Personen wurden verletzt. "Zehn Menschen wurden durch Schüsse verletzt, und weitere 13 wurden entweder verletzt, als sie aus dem Bahnhof eilten, oder sie erlitten eine Rauchvergiftung", sagte Polizeichefin Sewell. Keiner von ihnen befinde sich aber in Lebensgefahr. Die New Yorker Polizei erhöhte ihre Präsenz in der U-Bahn.

Der Schütze sei gefährlich, sagte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul. Die Behörden forderten alle Bürger auf, "sehr vorsichtig und wachsam" zu sein. Wer Hinweise habe, solle die Polizei verständigen.

Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen im U-Bahn-System. Die Schulen in der Umgebung der Station schlossen vorübergehend. Es durften nur noch Schulkinder hinein, niemand durfte mehr hinaus. (APA, 13.4.2022)