2009 war die Moskwa noch in einwandfreiem Zustand. An der Seite des Schiffes sieht man den kyrillischen Schriftzug.

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Die Moskwa ist untergegangen. Das hat am Donnerstagabend schlussendlich auch das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigt. Der Raketenkreuzer sei beim Versuch, ihn abzuschleppen, in einem Sturm gesunken. Laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti erlitt die Außenhülle das Kriegsschiff bei einem Brand nach einer Munitionsexplosion so schwere Schäden, dass seine Lage unstabil wurde. Den Bericht aus Kiew, wonach das ukrainische Militär die Moskwa mit zwei Anti-Schiff-Raketen getroffen habe, bestätigte Moskau nicht.

Russland gab allerdings an, dass die Crew evakuiert worden sei. Der Verbleib der rund 500 Mann starken Besatzung bleibt aber unklar. Das litauische Verteidigungsministerium sagte gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, dass lediglich 54 Crewmitglieder von einem türkischen Schiff gerettet werden konnten. Die Angaben konnten bisher nicht unabhängig überprüft werden.

Die Moskwa – der russische Name für die Hauptstadt Moskau – ist nicht irgendein Kreuzer: Das Kommandoschiff ist für Russland von großer symbolischer Bedeutung. 1983 lief es unter dem Namen Slawa (Ruhm) in Mykolajiw (damals Sowjetunion, heute Ukraine) vom Stapel. Im Jahr 2000 wurde der zuvor in Moskwa unbenannte Kreuzer rundum erneuert und als Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte in Dienst gestellt.

Eine Karte des Schiffs.

Das 186 Meter lange Kriegsschiff war mit 16 Seezielflugkörpern vom Typ Basalt/Wulkan – der Marineversion der Langstreckenraketen vom Typ S-300 – und Osa-Kurzstreckenraketen ausgerüstet. Es verfügte zudem über Raketenwerfer und Torpedos, und war in Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim, stationiert.

Versenkung mit Symbolwirkung

Bereits am Donnerstagnachmittag hatte der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch in sozialen Medien verkündet: "Wo ist die Moskwa? Sie ist gesunken" – und erntete dafür zunächst nur Dementi von russischer Seite.

Oberst Markus Reisner, Leiter der Entwicklungsabteilung der Theresianischen Militärakademie, wertet den Schlag als großen Erfolg für die ukrainischen Streitkräfte. Laut Reisner wurde das Schiff durch zumindest zwei ukrainische Antischiffsraketen vom Typ RK-360MC Neptun getroffen. "Dieser Erfolg der Ukraine hat eine sehr hohe Symbolwirkung alleine schon wegen seines Namens", sagt Reisner.

Auch für Alessio Patalano, Strategieexperte am King’s College in London, ist der Angriff auf die Moskwa von historischer Bedeutung in der Marinegeschichte. Die Moskwa habe zudem als Hauptstütze für russische Operationen in der Südukraine gedient – insbesondere seit der Bosporus-Blockade für russische Kriegsschiffe. Sobald die Ukraine über weitere schwere Waffen verfügt, könnten weitere Schläge gegen russische Schiffe folgen, so Patalano.

Die "New York Times" zitiert Lieutenant General Ben Hodges, einen ehemaligen Kommandeur der US-Armee in Europa: Der erfolgreiche Einsatz der Neptun-Raketen, die von der Ukraine noch nie im Gefecht eingesetzt worden sind, käme einer bedeutenden Abschreckung für Russland gleich und könnte die russische Armee womöglich davon abbringen, die Ukraine mit Landungsoperationen von See aus zu attackieren. Dies wäre tatsächlich ein "big deal", also eine große Sache, so Hodgens. Denn die Beschädigung der Moskwa würde russische Schiffe davon abhalten, der Ukraine zu nahe zu kommen.

Kampferprobtes Schiff: Georgien 2008, dann Syrien nun Ukraine

Erstmals in einem bewaffneten Konflikt kam das Schiff in Georgien im August 2008 zum Einsatz. Nachdem sich Russland auf der Seite des Machthabers Baschar al-Assad in den Syrien-Krieg einschaltete, wurde die Moskwa zwischen September 2015 und Jänner 2016 im östlichen Mittelmeer eingesetzt. Dort sicherte sie nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien ab.

CNN sendete im Jahr 2015 Bilder von Bord.

Seit dem 24. Februar ist der Raketenkreuzer auch an der russischen Offensive gegen die Ukraine beteiligt. Zu Beginn des Konflikts hatte das Schiff die nahe der rumänischen Grenze gelegene ukrainische Schlangeninsel attackiert.

Der Funkverkehr mit den ukrainischen Grenzschützern auf der Insel ging viral: Auf die Aufforderung, sich zu ergeben, antworteten die Grenzwächter: "Fickt euch!" Kurz darauf beschossen die Moskwa und das Schiff Wassili Bykow die Insel, die ukrainischen Soldaten wurden gefangengenommen.

Vor kurzem wurde in der Ukraine eine Briefmarke gedruckt, die einen Soldaten zeigt, der der Moskwa den Mittelfinger entgegenstreckt.
Foto: REUTERS/VALENTYN OGIRENKO

Das Schiff erfüllte in seiner langen Dienstzeit für Russland auch diplomatische Zwecke: So war der Raketenkreuzer an dem Einsatz rund um das Gipfeltreffen von Malta zwischen Michail Gorbatschow und dem US-Präsidenten George Bush im Dezember 1989 beteiligt, das auf dem Schiff Maxim Gorki stattfand.

Für diverse Militärmanöver reiste das Schiff um die Welt und ging in zahlreichen europäischen, asiatischen und afrikanischen Häfen vor Anker. Der russische Präsident Wladimir Putin nutzte den Kreuzer zudem, um seine engsten politischen Vertrauten mit militärischen Ehren zu empfangen, unter anderem im August 2014 in Sotschi den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi oder bei einem Besuch in Italien den dortigen damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi. (red, 14.4.2022)