Im Gespräch mit der "Kronen Zeitung" rekapitulierte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) sein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

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Mit seinen Reisen in die Ukraine und insbesondere zu Russlands Präsident Wladimir Putin sorgte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) für internationale Schlagzeilen – aber auch harte Kritik. "Stolz bin ich darauf nicht", sagte Nehammer (ÖVP) nun in einem Interview mit der "Kronen Zeitung". Dennoch sei es ihm "wichtig" gewesen, sowohl mit Wolodymyr Selenskyj als auch Wladimir Putin gesprochen zu haben.

"Klare Botschaften" von Putin

Im Gespräch mit Russlands Präsident Putin hätten beide Seiten im diplomatischen Sinne "keinerlei Rücksichtnahme" gezeigt. Das Gespräch sei "sehr direkt" und "mitunter hart" gewesen. Putin habe sich entsprechend der "Kriegslogik" sehr entschlossen gezeigt, sagte Nehammer im Interview.

Auch gegenüber ihm habe Putin wiederholt, wie der Westen vermeintlich Russland ungerecht behandelt, sagte der Kanzler. Die Nato-Osterweiterung bezeichnete Putin laut Nehammer als "Bruch der Vereinbarungen".

Abseits der üblichen und bereits bekannten Standpunkte attestierte der Kanzler dem russischen Präsidenten "sehr klare Botschaften". Putin sei in "bester Verfassung" gewesen – und habe keine Anzeichen von psychischen Krankheiten gezeigt, wie es der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, unterstellte.

Diplomatisch schwierigstes Gespräch

Das Gespräch sei simultan übersetzt worden, nur einmal soll Putin – der aufgrund seiner Stationierung als russischer Agent in der DDR auch Deutsch spricht – auch auf Deutsch geantwortet haben. Zum Abschluss habe Nehammer gesagt: "Der Krieg muss aufhören". Putin soll daraufhin geantwortet haben: "Besser früher als später."

Für Nehammer habe dieser Satz "eher auf eine neue Offensive hingedeutet". Putin sei "total in seiner Kriegslogik angekommen". Die Sanktionen würden ihn nicht von weiteren Angriffen abhalten.

Abgesehen davon sei es Nehammers diplomatisch schwierigstes Gespräch gewesen. Es gab keinen Handschlag, man saß sechs Meter voneinander entfernt und sprach in ein Mikrofon. Zehn Minuten habe Putin den Kanzler warten lassen, nicht eine Stunde, wie es mancherorts hieß. Am Treffen hätte seine außenpolitische Beraterin, Botschafterin Barbara Kaudel-Jensen "den Hauptteil geleistet". Auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) sei involviert gewesen.

Disput mit "Bild"-Journalisten

Nehammer bestätigte zudem, dass der "Bild"-Journalist Paul Ronzheimer die Reise zu Putin "geleaked" habe, bevor das Bundeskanzleramt den Veröffentlichungstermin selbst entscheiden konnte. Ronzheimer entgegnete jedoch auf Twitter, dass er Quellen und nicht Vereinbarungen gehabt hatte – und deswegen vorzeitig über das Treffen berichtet hatte.

Dass mit Kai Diekmann der ehemalige Chefredakteur der "Bild"-Zeitung bei der Reise dabei war, liege auch an seiner Frau Katharina Nehammer. Diese habe Diekmann ihrem Mann als Berater vorgeschlagen. (balm, 17.4.2022)