Falls noch jemand daran gezweifelt hat, dass sich wirklich alles in irgendeiner Art und Weise elektrifizieren lässt, der wird jetzt von japanischen Forschern eines Besseren belehrt. Forscher der japanischen Meiji University und den Kirin Holdings haben nämlich Essstäbchen unter Strom gesetzt.

Die Energieversorgung ist allerdings kein Selbstzweck, sondern erfüllt ein sehr konkretes Ziel. Sie dient dazu, Natrium-Ionen von Essen abzulösen, was dieses salziger schmecken lässt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass so auch salzarmes Essen "normales" Geschmacksempfinden bieten kann.

Foto: Reuters/Issei Kato

Essen schmeckt 50 Prozent salziger

In klinischen Tests erprobte man das mit Patienten, denen zuvor ärztlich salzarme Kost verordnet worden war. Sie verglichen Kostproben mit normalem Salzlevel mit solchen, die um 30 Prozent reduziert waren. Letztere vermittelten, mit den Elektrostäbchen konsumiert, einen um 50 Prozent salzigeren Geschmack. Laut Kirin handelt es sich um die erste Studie, in der man belegen konnte, dass diese Form der Geschmacksbeeinflussung möglich ist.

Der "Vater" des Projekts ist Homei Miyashita. Er ist kein Unbekannter und trat vor einigen Monaten mit einem ableckbaren Bildschirm in Erscheinung, der Fernsehinhalte schmeckbar machen soll. Das Konzept der Stäbchen möchte er auch auf andere Utensilien umlegen, beispielsweise Löffel und Schüsseln, um salzarme Ernährung zu erleichtern. Zuerst einmal sollen aber die Stäbchen zu einem marktreifen Produkt entwickelt werden und bereits 2023 auf den Markt gebracht werden.

Foto: Reuters/Issei Kato

Nach Angaben von Reuters werden in Japan pro Kopf im Schnitt täglich etwa zehn Gramm Salz verzehrt, was etwa dem Doppelten der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Menge entspricht. Erhöhter Salzkonsum wird mit gesundheitlichen Problemen wie hohem Blutdruck und gesteigertem Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht. (gpi, 20.4.2022)