Mathematiker und Statistiker Erich Neuwirth war am Mittwoch zu Gast bei Armin Wolf in der "ZiB 2".

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Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie wirkt die Rollenaufteilung zwischen Politik und wissenschaftlicher Seuchenexpertise wie einzementiert. Neben der Figur der Kassandra, die manchem Politiker höchst unangenehm ist, hat sich etwa auch die Gestalt des Erklärers von Fehlleistungen der öffentlichen Hand herauskristallisiert – wenn sich keine Verantwortungsträgerin, kein Verantwortungsträger vor die Kamera traut.

Letztere Aufgabe fiel Mittwochabend in der "ZiB 2" dem Mathematiker und Statistiker Erich Neuwirth zu. Im Interview mit Armin Wolf versuchte er zu ergründen, woher die mehr als 3000 zusätzlichen Corona-Toten kommen, die das Gesundheitsministerium diese Woche nachgemeldet hat. Aus dem Ministerium war niemand ins Studio gekommen – ein weiterer Fall kommunikativer Talentlosigkeit der hohen Politik.

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Die Sache dürfte mit der Zahlenerfassung zusammenhängen, vermutete Neuwirth. Dafür zuständig seien die Bezirksgesundheitsbehörden, die diese Aufgabe jedoch "vielfach outgesourct" hätten. Die tatsächlich Tätigen dann hätten sich nicht immer an die Corona-Todesfall-Definition der EU-Gesundheitsbehörde ECDC gehalten, laut der nur ein Mensch als Seuchenopfer gilt, der innerhalb von vier Wochen nach einem Positivtest ohne zwischenzeitliche Genesung an dem Virus stirbt. Diese Fehler habe man rückwirkend korrigieren müssen.

Was das bedeutet? Subbeauftragte notorisch überlasteter Behörden haben schlicht falsch gezählt – und dieses Problem wurde mehr als zwei Jahre lang so stehengelassen. Was man dazu sagen kann? Der Föderalismus hat eindeutig Tücken. (Irene Brickner, 21.4.2022)