Bernhard Raimann hat es geschafft.

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Las Vegas – Bernhard Raimann ist als erster österreichischer Footballer im NFL-Draft ausgewählt worden. Nach langem Warten entschieden sich die Indianapolis Colts an der 77. Stelle für den Offensive Tackle. Damit winkt Raimann ein Vertrag in Höhe von etwa fünf Millionen Euro, dazu gibt es noch etwa eine Million zusätzlich als "Signing Bonus". Der Zwei-Meter-Mann rutschte unerwartet in die dritte Runde des Drafts, fast alle Prognosen hatten ihn in der ersten oder zweiten Runde erwartet. Eine mögliche Erklärung könnten medizinische Gründe sein: Die Website "WalterFootball" berichtete einige Tage vor dem Draft, dass mehrere Teams Raimann von ihrer Kandidatenliste gestrichen hätten, nachdem er beim Medizin-Check durchgefallen war.

Im Rahmen des alljährlichen Drafts werden die jungen Liga-Neuzugänge in sieben Runden auf die 32 NFL-Teams verteilt. Das schwächste Team der Vorsaison hat das jeweils erste Wahlrecht, der Super-Bowl-Sieger das letzte.

Bei den Colts soll Raimann nun Quarterback-Routinier Matt Ryan den Rücken freihalten. In der vergangenen Saison verpasste die Franchise aus Indianapolis das Playoff erst durch eine Niederlage am letzten Spieltag der Regular Season, für die kommende Spielzeit gelten die Colts als knapper Favorit auf den Division-Sieg in der AFC South.

Historisch

"Ich hatte wirklich gute Gespräche mit (Offensive-Line-)Coach Chris Strausser, habe während des Prozesses auch einige Scouts kennengelernt. Aber ich hatte keine Idee, dass sie mich nehmen würden. Ich habe ein bisschen darauf gehofft, aber es gibt natürlich keine Garantien", sagte Raimann in einer ersten Reaktion auf der Colts-Webseite. "Ich und meine Familie haben nur gehofft, dass Indy anruft, und gewartet, dass die entsprechende Vorwahl aufleuchtet." Er könne seine Emotionen im Moment nicht beschreiben.

"Wir können Football. Das ist ein unglaublich historischer Moment für den österreichischen Football", sagte AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck voller Euphorie bei Puls24: "Gutes Team, gute Station, mir ist ein richtiger Stein vom Herzen gefallen." Raimann habe vorgezeigt, dass man "mit harter Arbeit und entsprechenden Willen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten NFL-Spieler als 'kleiner' Österreicher'" werden könne. "Ich freue mich für Bernhard Raimann und seine Familie." Raimann erlebte den historischen Moment gemeinsam mit seinen Eltern sowie seiner Freundin Calli im Haus ihrer Familie in der Nähe von Detroit im Bundesstaat Michigan.

Colts glauben an Raimann

Wir glauben, dass er das Talent dazu hat (Left Tackle zu spielen/Anm.), aber wir wollen die besten fünf Spieler auf dem Feld haben. Wenn er einer der besten fünf ist, wird er dabei sein, ob als Tackle oder als Guard – was immer die Trainer als die besten fünf Spieler sehen, die werden auf dem Feld stehen. Wir glauben, dass er das Talent für die Startformation hat", sagte Chris Ballard, der General Manager der Colts. "Mit meiner Arbeitseinstellung habe ich ein ums andere Mal gezeigt, dass ich nur eine Chance brauche, und ich werde das Meiste daraus machen. Ich bin einfach nur aufgeregt, dass ich mich jetzt an die Arbeit machen und meine Fertigkeiten verbessern kann", meinte Raimann.

Raimann hatte vier Jahre an der Central Michigan University absolviert und nach den ersten zwei Jahren von Tight End auf Tackle umgeschult. Schafft er es in einen Matchkader – was zu erwarten ist – wäre er der erste österreichische Spieler auf einer anderen Position als der des Kickers, der ein NFL-Bewerbsspiel macht. Österreichs Exporte beschränkten sich bisher auf die Kicker Toni Fritsch, Toni Linhart und Raimund "Ray" Wersching, die allesamt in der Regular Season zum Einsatz kamen.

Zudem spielten in den frühen 70er-Jahren der Kicker Günther Enz sowie in den vergangenen Jahren Sandro Platzgummer (Running Back/New York Giants) und Bernhard Seikovits (Tight End/Arizona Cardinals) in der Preseason. Letztere kamen über das "International Pathway Program" zu ihren Teams und stehen auch heuer im erweiterten Kader. (schau, 30.4.2022)