Die Zahl der 90-Jährigen wird sich in Italien bis 2050 verdoppeln, während die Geburtenrate am sinken ist.

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Rom – Der starke Geburtenrückgang in den vergangenen Jahren macht Italien zu schaffen. Werde die Entwicklung nicht durch strukturelle Maßnahmen ausgeglichen, wird das Land im Jahr 2050 fünf Millionen Einwohner weniger als heute zählen, warnte das Statistikamt Istat in seinem jüngsten Bericht über die demografische Lage. Nur etwas mehr als jeder Zweite wäre dann im erwerbsfähigen Alter. Derzeit zählt Italien 59 Millionen Einwohner.

Die Zahl der 90-Jährigen, die heute 800.000 beträgt, wird sich bis 2050 auf 1,7 Millionen mehr als verdoppeln. In diesem Zeitraum könnten die jährlichen Geburten im Jahr 2050 auf 298.000 sinken, geht aus Angaben des Statistikamts hervor. Ein Rekordtief von 399.000 Geburten wurden 2021 in Italien gemeldet. Im Pandemiejahr 2020 waren es noch 404.892 gewesen.

Blangiardo: Geburtenzahl soll auf 500.000 ansteigen

Die Regierung müsste sich als Ziel setzen, mit einer effizienten Familienpolitik die Geburtenzahl in zehn Jahren auf mindestens 500.000 pro Jahr zu erhöhen, ein Niveau, das in Italien zuletzt 2014 verzeichnet wurde, betonte Istat-Präsident Gian Carlo Blangiardo. "Ich habe den Eindruck, dass die Politik und auch die Gesellschaft endlich sensibilisiert sind und aktiv handeln wollen, um dem Geburtenrückgang entgegenzuwirken", so Blangiardo.

Dabei bezog sich der Chef des Statistikamtes auf die Worte von Staatschef Sergio Mattarella und von Papst Franziskus, die am Donnerstag einen eindringlichen Appell an die Regierung für eine einschneidende Familienpolitik hatten. "Wenn die Fruchtbarkeitsrate auf dem derzeitigen Niveau von 1,2 Kindern pro Frau bleibt, werden wir in 50 Jahren nur noch 250.000 Geburten pro Jahr zählen", warnte der Istat-Präsident.

Papst Franziskus hatte zuletzt wiederholt vor den Folgen des Geburtenrückgangs in Italien gewarnt. Er betonte in einem Schreiben am Donnerstag, dass konkrete Schritte notwendig seien, um "die wirkliche soziale Notlage" durch die sinkende Geburtenrate anzugehen und "den Trend dieses kalten demografischen Winters umzukehren". (APA, 13.5.2022)