Unterstützerinnen und Unterstützer der CDU hatten am Sonntagabend (zumindest in NRW) Grund zu Jubeln.

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Ob es Umschläge für die Wahlzettel gebe, wollte Hendrik Wüst (CDU) am Sonntagnachmittag in einer Grundschule in Rhede wissen. Dorthin war der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gekommen, um seine Stimme abzugeben.

Nein, keine Umschläge, wurde ihm beschieden, er müsse den Zettel "richtig falten". Das sorgte für einige Heiterkeit, denn viele erinnern sich noch an den Fauxpas von Wüsts Vorgänger Armin Laschet (CDU). Der hatte den Stimmzettel bei der Bundestagswahl falsch zusammengelegt. Alle konnten sehen, was er gewählt hatte.

Der 46-jährige Wüst wollte diesen Fehler nicht machen, wenngleich man annehmen kann, dass er sein Kreuz bei der CDU gesetzt hat. Dies taten nach ersten Prognosen mehr Wählerinnen und Wählerinnen, als zuvor in Umfragen erwartet wurde.

Getrübte Freude bei der CDU

Auf 33 Prozent war die CDU 2017 gekommen, nun schaffte sie 35 Prozent und blieb damit die stärkste Kraft. Doch die Freude war getrübt, denn der bisherige Koalitionspartner, die FDP, verlor so stark, dass ein neues Bündnis aus CDU und FDP rechnerisch nicht mehr möglich ist.

Die FDP war 2017 auf 12,6 Prozent gekommen. Dies war ihr bisher stärkstes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen, was sie auch Christian Lindner zu verdanken hatte. Damals war der heutige Finanzminister Spitzenkandidat der FDP bei der Wahl, der Wahlkampf war stark auf ihn zugeschnitten.

Nach dem knappen Sieg von Schwarz-Gelb verhandelte Lindner mit Laschet ein Bündnis aus CDU und FDP. Doch dann wechselte Lindner nach Berlin. Und nun kamen die Liberalen nur auf 5,5 Prozent, waren also bei den ersten Prognosen so nahe an der Fünf-Prozent-Hürde, dass viele FDP-Leute zitterten.

Rotes Minus

Ein Minus musste auch die SPD in ihrer roten Herzkammer verzeichnen. Sie war im Jahr 2017 von 39 auf 31 Prozent abgesackt, die rot-grüne Landesregierung unter Führung von Hannelore Kraft (SPD) wurde damals abgewählt. Kraft trat zurück und hinterließ eine geschwächte und zerstrittene SPD. Thomas Kutschaty, der nun als Spitzenkandidat, antrat, brauchte einige Zeit, um die Genossinnen und Genossen hinter sich zu versammeln.

"Trümmermann" wurde er genannt. Im Wahlkampf hatte der 53-Jährige versucht, mit seiner Nähe zu Kanzler Olaf Scholz (SPD) zu punkten. Er ließ immer wieder durchblicken, dass er einen direkten Draht ins Kanzleramt habe.

Ende von Schwarz-Gelb

Doch es reichte laut ersten Prognosen nur noch für 28 Prozent. "Man kann sich immer mehr wünschen", erklärte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert in Berlin. Er wies aber darauf hin, dass man ein Wahlziel erreicht habe – nämlich die Abwahl des CDU-FDP-Bündnisses.

Eindeutig steil hinauf gingen die Balken am Sonntagabend jedoch bei den Grünen. Vor fünf Jahren haben sie mit 6,4 Prozent schwach abgeschnitten. Diesmal jedoch kamen sie ersten Prognosen zufolge auf 18 Prozent.

Schon vor der Wahl hatte die grüne Fraktionschefin im nordrhein-westfälischen Landtag, Verena Schäffer, selbstbewusst erklärt: "Es wird keine Koalition ohne uns geben." Auf die Frage, ob die Grünen lieber mit der CDU oder mit der SPD regieren würden, ließ Schäffer keine Präferenz erkennen, sondern meinte: "Am Ende kommt es darauf an, in welcher Konstellation wir einen sozialökologischen Aufbruch für NRW hinbekommen."

Nächste Ampel?

SPD-Mann Kühnert warb schon wenige Minuten nach dem Schließen der Wahllokale für ein rot-grünes Bündnis. Doch zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob es für ein solches reichen würde. Doch so manch einer bei der SPD rechnete die FDP noch ein und träumte von einer Ampelregierung, wie es sie auch im Bund gibt. Genauso gab es bei der CDU Überlegungen, mit den Grünen die Regierung zu bilden.

Die AfD sank von 7,4 auf 5,5 Prozent. Die Linke bekam wieder kein Bein auf den Boden. Sie verpasste, wie schon 2017 den Einzug in den Landtag. Vor einer Woche, bei der Wahl in Schleswig-Holstein, war die AfD erstmals aus einem Landtag geflogen. Die Linke hatte den Einzug dort auch nicht geschafft. (Birgit Baumann aus Berlin, 15.5.2022)