Hamburger Rudelbildung um Ludovit Reis.

Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Erfolgreiche Hamburger.

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Kleine Party nach dem Teilerfolg.

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Berlin – Der Hamburger SV ist dank eines Traumtors von Ludovit Reis der Rückkehr in die deutsche Bundesliga ein großes Stück näher gekommen. Der Zweitligadritte gewann das vor allem auf den Rängen spektakuläre Relegationshinspiel beim Erstligisten Hertha BSC nicht unverdient mit 1:0 (0:0). Im Showdown am Montag (20.30 Uhr) hält der HSV zu Hause alle Trümpfe in der Hand.

Reis sorgte mit einem Heber von der linken Außenseite über den verdutzten Hertha-Torhüter Oliver Christensen hinweg für das Tor des Tages (57.). Durch den sechsten Sieg in Folge tankten die Rothosen weiteres Selbstvertrauen und haben nun beste Chancen, im vierten Anlauf aufzusteigen. Mit Schalke und Werder Bremen stehen zwei weitere Traditionsklubs bereits als Aufsteiger fest.

Der Bundesliga-16. Hertha steht dagegen mit dem Rücken zur Wand und muss im Rückspiel vor allem offensiv deutlich mehr anbieten als am Donnerstag, um den siebten Abstieg der Klubgeschichte und den ersten von Trainer Felix Magath noch zu verhindern. Der HSV-Ikone droht ausgerechnet bei seiner alten Liebe diese Demütigung.

75.500 Zuschauern im Olympiastadion

Die Kulisse mit 75.500 Zuschauern im Olympiastadion, darunter auch bis zu 20.000 Gästefans, ließ Pokalfinalstimmung aufkommen. Doch für beide Teams stand mehr auf dem Spiel als "nur" ein Titel. Vor allem Magath wirkte höchst angespannt. Immer wieder sprang der 68-Jährige von der Bank auf und diskutierte fast jede strittige Entscheidung des Schiedsrichters.

Das Selbstvertrauen der Berliner hat nach drei vergebenen Matchbällen zum Klassenerhalt deutlich gelitten, sie trauten sich anfangs nur selten in die Offensive. Auch im letzten Heimspiel der Saison schienen sie vor allem auf Konter und die Standardstärke von Linksfuß Marvin Plattenhardt zu setzten.

Allerdings war auch Torhüter Christensen bei seinem Pflichtspieldebüt für Hertha lange Zeit nahezu beschäftigungslos. Die Hamburger kamen zunächst über gute Ansätze nicht hinaus.

Pech hatte der HSV, als ihm von Schiedsrichter Harm Osmers in der 32. Minute ein Elfmeter nach Handspiel von Peter Pekarik verweigert wurde. Osmers hatte nach Studium der Videobilder auch ein Handspiel zuvor vom Hamburger Rohr erkannt. Eine Millimeter-Entscheidung zu Herthas Ungunsten gab es aber auch: Das Kopfballtor von Ishak Belfodil wurde wegen knappem Abseits nicht gegeben.

Magath reagierte zur Halbzeit auf den eher harmlosen Auftritt seines Teams und brachte in Stevan Jovetic für den unauffälligen Youngster Luca Wollschläger eine frische Offensivkraft. Der Mann aus Montenegro brachte viel Schwung mit und verzeichnete auch eine Chance (56.). Hertha schien besser im Spiel – doch dann traf Reis für den HSV. Die folgenden Angriffe der Gastgeber brachten kein Kapital mehr. (sid, 19.5.2022)