Der übliche Krankheitsverlauf sei laut dem Virologen Steininger bei Affenpocken viel milder als bei klassischen Pocken.

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Seit Anfang Mai melden Gesundheitsbehörden in europäischen Ländern sowie den USA und Kanada vermehrt Infektionen mit dem Affenpockenvirus. Zuvor war der Erreger vor allem in Zentral- und Westafrika bekannt. Die WHO plant wohl laut Medienberichten ein Notfalltreffen, Großbritannien habe zudem Pocken-Impfstoff bestellt. Wie groß ist die Gefahr? Eine Einordnung.

Frage: Kommt nach Corona nun die nächste Pandemie auf uns zu?

Antwort: Expertinnen und Experten beobachten die Häufung von Infektionen genau, der Virologe Christoph Steininger von der Med-Uni Wien schätzt die Gefahr, die von den Fällen ausgeht, allerdings als "sehr gering" ein. Die Behörden seien deshalb aufmerksam geworden, weil es aktuell vergleichsweise viele Fälle in einem kurzen Zeitraum gibt. "Wir sehen immer wieder vereinzelt Affenpocken-Fälle, die vor allem Menschen, die aus Afrika zurückreisen, betreffen", erklärt Steininger. Im Grunde sei die Viruserkrankungen eine "extrem seltene", die ein- bis zweimal jährlich in Europa auftreten würde.

Frage: Aber warum häufen sich die Fälle aktuell? Ist das Virus so ansteckend und leicht übertragbar?

Antwort: "Nein", sagt der Virologe. Das Virus würde sehr schwer übertragen werden, hauptsächlich von Tieren auf Menschen – "und da auch nur durch sehr engen Kontakt, etwa wenn man einen Affen streichelt".

Der Begriff Affenpocken kann allerdings irreführend sein. Nicht Affen seien der Wirt des Virus, Wirt und Überträger seien Nagetiere. "Vor einigen Jahren gab es einen Ausbruch von Affenpocken in den USA. Da waren ursprünglich Nagetiere infiziert. Diese wurden an Präriehunde verfüttert, und von diesen Präriehunden wurde das Virus auf den Menschen übertragen", erklärt der Virologe.

Das Ungewöhnliche an den aktuellen Fällen sei, dass jetzt auch Menschen betroffen seien, die nicht in Kontakt mit Tieren, sondern wahrscheinlich mit anderen infizierten Menschen waren: "Dabei sprechen wir von sehr engem bis sexuellem Kontakt", sagt Steininger.

Frage: Wie verläuft die Krankheit? Und wie schnell merkt man, dass man möglicherweise infiziert ist?

Antwort: Der übliche Krankheitsverlauf sei laut Steininger viel milder als bei klassischen Pocken: "Anfangs hat man einen grippalen Infekt, etwa sechs bis zehn Tage nach der Infektion. Die Inkubationszeit ist relativ lang." Dann beginnen sich langsam Bläschen zu bilden, die aussehen wie Windpocken. "Bei Pocken schauen allerdings alle Bläschen gleich aus, sie sind im gleichen Stadium und entwickeln sich meist ausgehend vom Mund", erklärt Steininger. Bei den aktuell gemeldeten Fällen waren hingegen die Genitalien als Erstes und am stärksten betroffen.

Frage: Trotzdem kann die Krankheit auch tödlich verlaufen. Was passiert dann im Körper?

Antwort: In seltenen Fällen führt eine schwere Erkrankung zu einer Sepsis, das ist eine Ganzkörper-Entzündungsreaktion, "weil das Virus dann nicht mehr nur auf die Haut beschränkt bleibt, sondern etwa auch die Lunge betrifft", erklärt Steininger.

Frage: Sind Pockenviren nicht eigentlich ausgerottet? Lässt die Impfwirkung nach, oder warum gibt es Affenpocken noch?

Antwort: "Die Pocken sind ausgerottet und mausetot", stellt Steiniger klar. Die aktuellen Fälle würden nicht mit der Impfung zusammenhängen – ganz im Gegenteil, sagt der Virologe: "Die Impfung zeigt, wie wirksam Impfungen sein können, sodass wir sogar ganze Viren ausrotten können." Die Affenpocken sind eine Zoonose, die immer wieder auftreten könne, "aber das Schöne an Viren ist: Sie sind sehr spezifisch für ihren Wirt und Pockenviren noch einmal stärker als etwa Coronaviren, sodass es viel unwahrscheinlicher ist, dass es Infektionen von Tier zu Mensch gibt." (poem, 20.5.2022)