Zu feiern gibt es wenig am heutigen Equal Pension Day. Es ist jener Tag, an dem Männer rein rechnerisch so viel Pension erhalten haben, wie Frauen bis Jahresende auf ihrem Konto verbuchen können. Immerhin ist es eine kleine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr – denn er hat sich um zwei Tage nach hinten verschoben, wie eine Aufstellung von den Statistikern der MA 23 und des Frauenservice der Stadt Wien für den Österreichischen Städtebund zeigt.

Wenig im Vergleich zum Unterschied zwischen Frauen- und Männerpensionen, der laut dieser Rechnung einer Differenz von durchschnittlich 41,1 Prozent entspricht. Während Männer 14-mal pro Jahr eine monatliche Durchschnittspension von 2103 Euro beziehen, sind es bei Frauen 1239 Euro. "Das macht betroffen, weil es die Summe der Leistungen eines Erwerbslebens ist", sagt ÖGB-Vizepräsidentin und -Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann.

Vor allem Frauen leisten nach wie vor unbezahlte Familienarbeit, weswegen sie oft in der berüchtigten Teilzeitfalle stecken.
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Das steile Gefälle bei den Alterseinkommen ist seit Jahren ein Thema, bei dem sich vergleichsweise wenig bewegt. Geht es in diesem Tempo weiter, werden Frauen erst im Jahr 2118 gleich hohe Pensionen beziehen wie Männer, moniert Sophie Achleitner, Ökonomin am gewerkschaftsnahen Momentum-Institut.

Die Gemengelage ist komplex, die Auswirkungen sind oft dramatisch. Karenzzeiten, Teilzeitarbeit, weniger Verdienst als Männer: Am Ende eines Erwerbslebens schlägt sich all das deutlich nieder. Frauen kämpfen im Alter viel eher mit finanziellen Schwierigkeiten als Männer.

Unbezahlte Arbeit

Unbezahlte Familienarbeit leisten immer noch überwiegend Frauen, die nicht zuletzt deswegen oft in der berüchtigten Teilzeitfalle stecken. Dazu kommen Lohnschere und der Umstand, dass typische "Frauenjobs" schlecht bezahlt sind. Schumann hält eine "Neubewertung der Arbeit" deswegen für dringend erforderlich.

Das fehlende Angebot an flächendeckender ganztägiger Kinderbetreuung ist einer der Faktoren, die dafür sorgen, dass sich die Pensionsschere kaum schließt, darin sind sich die meisten einig. Schumann fordert neben einer besseren und längeren Anrechnung der Kindererziehungszeiten einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag. Auch die pinke Frauensprecherin Henrike Brandstötter unterstützt Letzteres und hält mehr Anreize für Väter nötig, in Karenz zu gehen und sich an der Kindererziehung zu beteiligen.

Pensionssplitting

Vom automatischen Pensionssplitting, wie es im türkis-grünen Koalitionsabkommen verankert ist, hält Schumann im Gegensatz zu den Neos wenig, "weil damit nur innerhalb der Familien umverteilt wird".

Traditionelle Rollenbilder ändern sich nur langsam. Stellt sich Nachwuchs ein, wird es für viele Familien kompliziert.
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Die grüne Frauensprecherin Meri Disoski findet, dass mit dem Frühstarterbonus, der Anhebung der Mindestpension und der Kindergartenmilliarde schon einiges vorangegangen sei. Schumann ist das eindeutig zu wenig. Es brauche jetzt "einen starken Aufbruch. Es muss auf die Frauen geschaut werden." (Regina Bruckner, 3.8.2022)