In der Regel vergehen nur wenige Monate zwischen den ersten Zweifeln und der Jobsuche oder Kündigung.

Foto: Getty Images/Maskot

Sieben von zehn Beschäftigten sehen sich aktuell auf dem Stellenmarkt um, weil sie ihre Jobsituation verbessern wollen – und glauben, es zu können. Das zeigt eine neue Umfrage des HR-Tech-Unternehmens Softgarden unter rund 2.200 Personen, die sich im Mai und Juni im deutschsprachigen Raum beworben haben.

Jede und jeder Zehnte ist sogar so zuversichtlich, dass sie ihre Stelle kündigen, bevor sie ein konkretes Jobangebot haben. Nur sieben Prozent der Befragten sind aktuell auf Jobsuche, weil ihnen gekündigt wurde. Aus den Ergebnissen der Umfrage lässt sich also ableiten: Bewerberinnen und Bewerber suchen nicht verzweifelt nach Jobs und Arbeitgebern, sondern nach besseren Jobs und besseren Arbeitgebern.

Bessere Aussichten

Bei Menschen, die sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis bei einem anderen Arbeitgeber bewerben, werden drei Motive für den Wechselwunsch besonders häufig genannt: Knapp zwei Drittel erhoffen sich ein höheres Gehalt vom neuen Arbeitgeber. Mangelnde Karriereaussichten spielen für rund die Hälfte eine Rolle, die Unzufriedenheit mit der eigenen Führungskraft für 38 Prozent der Befragten.

Aber auch vermeintlich weiche Faktoren wie Sinnhaftigkeit sind für die Befragten entscheidend. So erklärte mehr als jeder dritte Wechselwillige, er könne sich nicht mehr mit dem Unternehmenszweck identifizieren, und jede Fünfte findet die eigene Arbeit gar sinnlos. Eine weiterer Aspekt ist das Thema Arbeitsbedingungen und Work-Life-Balance: Ein Viertel begründet die Wechselabsichten mit dem Wunsch nach mehr Urlaubstagen, und jeder Fünfte zeigte sich unzufrieden mit der Homeoffice-Regelung im Unternehmen.

Findet die Kündigung statt, ohne dass ein neuer Job in Aussicht ist, sieht die Reihenfolge jedoch anders aus: Hier gibt die Hälfte der Befragten die Unzufriedenheit mit der eigenen Führungskraft als Grund für den Wechsel an. Erst dahinter folgt der Wunsch nach mehr Gehalt und einem Karrieresprung. Immerhin ein Fünftel habe aufgrund von schlechtem Corona-Management die Firma verlassen.

Sprunghafter Jobwechsel

Die Umfrage zeigt auch: Die Bindung an den Arbeitgeber wird schwächer, und Mitarbeitende entscheiden sich bei Unzufriedenheit recht schnell für den Absprung. Bei sieben von zehn Befragten lagen nur wenige Monate zwischen den ersten Zweifeln und der Jobsuche oder Kündigung. Jede und jeder Fünfte schreitet sogar schon innerhalb eines Monats zur Tat.

Die meisten Bewerber waren in dieser Phase für aktive Jobangebote offen. Das Interesse variiert jedoch je nachdem, wer die Ansprache durchführt: Führungskräfte eines anderen Unternehmens kommen demnach auf 77 Prozent, ebenso Freunde und Bekannte. Recruiter einer anderen Firma erreichen 72 Prozent, Headhunter 61 Prozent. Die Ansprache durch Zeitarbeitsunternehmen erfreut sich hingegen mit nur 14 Prozent wenig Beliebtheit.

Knapp die Hälfte der Jobsuchenden gibt an, dass ihr alter Arbeitgeber die Kündigung hätte verhindern können. Im Gegensatz zu den genannten Wechselmotiven stehen hier Wertschätzung und Kommunikation an erster Stelle. "Ein persönliches Gespräch mit echtem Interesse, Blick auf meine Stärken und Wertschätzung meiner bisherigen Tätigkeit", empfiehlt ein Umfrageteilnehmer im Nachhinein seinem Arbeitgeber. Ein höheres Gehalt kommt hier erst an zweiter Stelle. (Anika Dang, 1.9.2022)